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Weltweit einzigartig

Rödental (ku) – Nicht in Venedig, nicht in

Murano und auch nicht in New York, sondern im Europäischen Museum für Modernes Glas in Rödental ist seit kurze eine weltweit einzigartige Sammlung zu sehen. In einem Zeitraum von fast 40 Jahren hat das Sammlerehepaar Ursula und Rainer Losch aus Bonn die weltweit umfangreichste und bedeutendste Sammlung mit gut 350 Werken von Fulvio Bianconi zusammengetragen und diese den Kunstsammlungen der Veste Coburg gestiftet. Eigens für diese Sammlung wurde in den vergangenen Monaten und mit großzügiger Unterstützung der beiden Stifter im Untergeschoss des Glasmuseums eine neue Abteilung der Dauerausstellung eingerichtet.

 

Ein kleiner schwarzer Gang führt von der bisherigen Dauerausstellungsfläche hinaus in die neue Abteilung mit den Werken von Fulvio Bianconi, die in speziell angefertigten Vitrinen auf die Besucher warten. Sie befinden sich dort, wo nach den Worten von Dr. Sven Hauschke, dem Direktor der Kunstsammlungen auf der Veste Coburg, bis vor wenigen Monaten Paletten, Geräte, Autoreifen und ähnliches befand, „alles, was man sonst nicht sehen will“, so Hauschke bei einem Presserundgang. Betonboden und -decke, Estrich – von dem ursprünglichen „Ambiente“ ist in der neuen „Schatzkammer“ des Museums kaum noch etwas zu sehen. Entstanden ist ein Raum, in dem die gläsernen Werke bestmöglich präsentiert werden. „Das hat viel Geld, Zeit und Arbeit gekostet“, konstatierte Hauschke, zeigt sich aber durchaus stolz auf das Erreichte.

 

Und auch das Sammlerehepaar Losch ist angetan von der Präsentation ihrer Sammlung, die durch die entsprechende Beleuchtung in ein perfektes Licht gerückt wird. Der ansonsten dunkle Raum sorgt zudem dafür, dass die farbigen Exponate hervorragend zur Geltung kommen.

 

Doch wer ist der Schöpfer der Kunstwerke, wer ist der Mann, dem Ursula und Rainer Losch so zugetan sind und eine einzigartige Sammlung angelegt haben?

 

Es ist der Italiener Fulvio Bianconi (1915 – 1996), der über Jahrzehnte für verschiedene Glashersteller Gefäße, Objekte und Figuren entworfen hat. In unterschiedlicher Stückzahl wurden sie in die ganze Welt geliefert. Herausragend war dabei die Zusammenarbeit mit Paolo Venini, die zu mehreren hundert Entwürfen geführt hat.

 

Bianconi war zunächst als Grafiker tätig. Er bebilderte Bücher, Firmenschriften und Programmhefte und trat als humorvoller Chronist und Karikaturist in Erscheinung. 1946 kam er bei der Gestaltung von vier Parfumflakons in Kontakt mit Paolo Venini und begann seine große Karriere als Glasgestalter.

 

Er arbeitete für viele bedeutende Glashütten auf Murano und mit Roberto Niederer in Hergiswil in der Schweiz. Über 40 Jahre hinweg entwarf Flavio Bianconi Glasgefäße und Figuren. Sein schöpferischer Einfallsreichtum, das Gespür für Form und Farbe sowie die Vielfalt der eingesetzten Techniken bei der Glasverarbeitung waren enorm. Seine obsessive, zeichnerische Kreativität suchte seinesgleichen. Sein großes Werk an Glasobjekten ist in seiner Vielfalt einzigartig. „Und wir haben jetzt hier im Glasmuseum die Möglichkeit, mit dieser neuen Dauerausstellung erstmals das ganze Spektrum der Werke von Biaconi zu zeigen“, konstatiert Sven Hauschke. „Uns war wichtig, einen einzigen Künstler mit all seinen Facetten und mit Tiefgang zu zeigen.“

 

Facettenreich und bunt gleichermaßen ist die Ausstellung im Europäischen Glasmuseum wahrlich. Neben den vielen bedeutenden Gefäßobjekten in allen Formen und Farben, sind die figürlichen Werke, die als große Innovation und wichtige Erfindung Bianconis gelten. So ist gleich in der ersten großen Vitrine die mehrteiligen Figurengruppen der Commedia dell´Arte, Musikanten, Figuren in regionalen und historischen Kostümen oder auch die sogenannte Monatsdarstellungen zu sehen.

 

Daneben, fast schon unscheinbar in einer von mehreren im Raum verteilten und von der Decke herabhängenden Glasröhren, befindet sich die „Tanzende Meerjungfrau“, einer der frühesten Entwürfe Flacio Bianconis. Unter dem Titel „Tanzende Sirene“ gelangte diese Figur 1950 als Schenkung der italienischen Regierung an das Brooklyn Museum in New York. Das Museum entnahm sie im Jahr 1969 dem Bestand und veräußerte sie über den Museumsshop. Schließlich gelangte sie in die Sammlung von Ursula und Rainer Losch.

 

Bunt und vielfältig geht es weiter in der großen Doppelvitrine, in der Glasgefäße in vielen Varianten zu sehen sind – Vasen, Schalen, Flaschen – die aus der Zusammenarbeit Biaconis mit der Glashütte von Paolo Venini stammen. 

Aber auch Werke Bianconis aus der Zusammenarbeit mit der Scheizer Glasi Hergiswil sind zu bestaunen. Schautafeln vermitteln dem Besucher viele Details, mit Hilfe von QR-Codes kann das Gesehene noch vertieft werden.

 

163 Kunstwerke sind derzeit in der Ausstellung zu sehen, weitere warten darauf, der Öffentlichkeit präsentiert zu werden. „Wir werden die Objekte immer wieder austauschen, um so unseren Besuchern eine lebendige Ausstellung präsentieren zu können“, sagt Sven Hauschke.