Bamberg (kem) – Besucht man Sophie Brand in ihrem neuen Büro, wird man erst einmal überschwänglich von Hilde begrüßt. Die schwarze Labrador-Dame schnuppert an jedem Besucher und jeder Besucherin und heißt sie an der neuen Wirkungsstätte ihres Frauchens willkommen. Denn genauso wie für die Hündin ist auch für Sophie Brand noch alles relativ neu. Im November vergangenen Jahres wurde sie von der on der Diözesanversammlung des BDKJ-Diözesanverbandes zur neuen hauptamtlichen Vorsitzenden für den Bund der Deutschen Katholischen Jugend im Erzbistum gewählt. Und seit Anfang Februar –
am 11. Mai werden es 100 Tage – ist sie offiziell im Dienst.
„Die ersten 100 Tage waren vor allem viel vom Kennenlernen geprägt“, erinnert sich die 31-Jährige an ihre ersten Wochen und spart dabei nicht mit Lob für ihre Kolleginnen und Kollegen. „Ich wurde hier sehr gut aufgenommen.“ Auch ihre Vorgängerin Sonja Biller hatte sie in ihrer auslaufenden Amtszeit öfter getroffen. „Sie hat mir schon vorab viele gute Einblicke verschafft. Und dann wäre da noch die Verwaltungskraft Christina Schneiderbanger. „Sie rettet mich regelmäßig, weil sie einfach Dinge weiß – und sie mir auch erzählt.“ Und so halten sich die Themen, für die Sophie Brand Zeit zum Einarbeiten hat die Waage mit denen, die einfach gemacht werden müssen. „Die Diözesanversammlung ist dann halt im November. Da kann ich nicht sagen, dass ich noch drei Monate bräuchte, „schmunzelt die neue Vorsitzende.
In den BDKJ ist sie, wie sie selbst sagt, „hineingerutscht“. Die gebürtige Siegerländerin studierte und machte ihre Ausbildung als Gemeindereferentin im Ruhrgebiet. „Ich komme eigentlich aus der DPSG (Anm. d. Red.: Deutsche Pfadfinder*innenschaft Sankt Georg), war dort auf Stammesebene vom Gruppenkind bis zum Vorstand unterwegs. Als Gemeindeassistentin und während Corona war dafür leider wenig Zeit. Aber ich hatte schon wieder Lust auf Ehrenamt.“ Als sie dann 2024 nach Bamberg kam, um ihre Stelle als Gemeindereferentin in St. Wenzeslaus in Litzendorf (Landkreis Bamberg) anzutreten, ging sie aktiv auf die Suche nach Möglichkeiten. Über die DPSG kam sie dann als Delegierte zur BDKJ-Diözesanversammlung und wurde schlussendlich für die nächsten drei Jahre gewählt.
Ihre Schwerpunkte legt Sophie Brand eher in die geschäftsführende und organisatorische Richtung und ergänzt sich damit mit ihrem Co-Vorsitzenden Andreas Hoppe Weick. „Wir haben eine relativ gut strukturierte Geschäftsverteilung und versuchen da schon zu schauen, wer kann was“, so Brand. Daher obliegt ihr die komplette Öffentlichkeitsarbeit, die Zuschussverwaltung sowie viele Veranstaltungen. Neben dem Heinrichsfest in diesem Jahr, wo sie den „Hof der Jugend“ mitorganisiert, wirft jetzt schon das kommende Jahr seine Schatten voraus. „2027 haben wir wieder die 72-Stunden-Aktion des BDKJ und auch unser eigenes Festival ,InSpirit‘ geht in die nächste Runde. Beides ist schon in Vorbereitung.“
Bei all den Themen, die in ihrer neuen Position auf sie gewartet haben, will Sophie Brand aber auch Zeit finden, eigene Akzente zu setzen. „Ein großes Thema ist das Ressourcenmanagement. Das Gebäudekonzept der Erzdiözese liegt jetzt vor, und das betrifft natürlich auch all unsere Gruppen.“ Hier will die 31-Jährige für die Jugend Lobby-Arbeit betreiben, denn zu oft werden hier noch Entscheidungen getroffen, die die kommenden Generationen zwar betreffen, ohne dass die jungen Menschen mit eingebunden werden. „Es kann nicht sein, dass die Erzdiözese solche relevanten Entscheidungen trifft, diese dann aber nicht bei denen ankommen, die damit umgehen müssen.“ Dahingehend appelliert sie auch an die Gremien: „Ihr könnt nicht über Nachwuchsprobleme schimpfen, aber den Nachwuchs dann ausschließen.“
Aber gleichzeitig nimmt sie auch „ihre“ Jugendverbände nicht aus der Pflicht. „Jugendliche vertreten sich nicht so gerne selbst im Pfarrgemeinde- oder Seelsorgebereichsrat, weil sie eben immer noch mit dem Vorurteil kämpfen, nicht ernst genommen zu werden“, so Brand. „Nur wenn sie an den Gremien teilnehmen und sich als ernst genommene Teile dieser Kirche erleben, können sie in ihren Bereichen etwas bewegen.“
Organisation von Veranstaltungen, Einarbeitung in die neue Stelle, eigene Akzente setzen. Da sollten man meinen, dass Sophie Brand am Abend müde und kaputt auf das Sofa fällt. „Das darf man gar nicht so laut sagen, aber in meiner Freizeit studiere ich im Master Theologie weiter“, so Brand, die damit auch ein wenig ausgleichen will, dass im Alltag als Gemeindereferentin zwar viel Seelsorge aber verhältnismäßig wenig Theologie stattfindet. Darüber hinaus scrollt sie sich auch zu gerne durch ihr Smartphone und verbindet dabei das Berufliche mit dem Privaten. „Ich hänge eigentlich zu viel vor Social Media. Ich bin auch Teil des Netzwerks ,Bodenpersonal‘, das Glaubenskommunikation ins Digitale übersetzen will.“ Aber wenn es dann eine richtige Ablenkung geben soll, geht sie gerne mit ihrer Hündin Hilde raus. „Deswegen mag ich die Region hier so gerne. Man ist ziemlich schnell draußen im Grünen“, freut sich Sophie Brand. Denn bei allem Engagement für die Jugend in der Erzdiözese weiß sie auch. Man kann nur 100 Prozent Einsatz bringen, wenn man sich auch seine Auszeiten gönnt.
