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Gotteshaus in einem ganz anderen Licht

Trosdorf (kem) – Tausende Pendler fahren jeden Tag durch Trosdorf. Und somit auch zwangsläufig vorbei an der kleinen Kirche Sankt Marien. Außerdem pilgern gerade in den wärmeren Monaten viele Fahrradfahrer über den Mainradweg, der unterhalb des Ortes verläuft. Für all diese Menschen und natürlich auch für alle anderen hat sich die Kirchengemeinde in Trosdorf etwas besonderes überlegt. Sie bietet ab Mai eine Lichterkirche an.

 

„Die Idee hierzu kam einer unserer engagierten Gemeindemitglieder“, erklärt Kirchenpfleger Dr. Klemens Deinzer. Sie recherchierte im Internet und fand ein ähnliches Angebot in verschiedenen Kirchen im Erzbistum Paderborn. Dort werden die Kirchen mit verschiedenen Farben und Stimmungen illuminiert – das Ganze noch von Musik untermalt. „Als wir uns dort umsahen, waren die Gotteshäuser allesamt größer als unsere Kirche“, erinnert sich Deinzer. Dennoch war eine Idee geboren und wurde auf St. Marien adaptiert. „Die Idee gewann schnell an Fahrt, denn gerade, weil St. Marien eine eher kleine Kirche ist, können wir hier Stimmungen für individuelle Meditationen, Gebete oder einfach für das zur Ruhe Kommen anbieten.“

 

Stimmung per Touchscreen

 

Doch wie genau funktioniert das Ganze? Im hinteren Teil der Kirche, gleich links vom Eingang befindet sich ein großer Touchscreen. Auf diesem können Interessierte zwischen verschiedenen Angeboten auswählen. „Wir bieten diverse Impulse an, Meditationen, Psalmen und Gedichte, aber auch etwas für Kinder und Jugendliche“, erklärt der Kirchenpfleger. Hat man sich für ein Thema entschieden, hüllt sich der Altarraum in verschiedene, passende Farben. Zusätzlich ertönen aus einem Lautsprecher die ausgewählten Texte oder Melodien. Diese reichen von Instrumentalstücken zum Innehalten über das Regenbogenlied für Kinder bis hin zum „Bibel-Rap“.

 

Und auch weitere Möglichkeiten ergeben sich durch die Installationen. „Wir können so Gebetsabende oder Gospelkonzerte veranstalten und werden die Lichtstimmungen auch in den ein oder anderen Gottesdienst einbinden“, spinnt Deinzer die Idee der Lichterkirche weiter. 

 

Einzigartig sei so etwas in Bayern, ergaben Nachforschungen von Deinzer und seinen Gemeindemitgliedern – und einzigartig sei auch der Zusammenhalt, der das ganze Projekt erst möglich machte. „Unser Glück ist, dass das Kirchengebäude schon seit langem in Besitz der politischen Gemeinde ist, weswegen wir uns nicht mit den Überlegungen zum Gebäudekonzept des Erzbistums auseinandersetzen mussten. Dennoch gab es aus der Erzdiözese – genauer aus dem Finanztopf, der für Aktionen im Rahmen des Heiligen Jahrs zur Verfügung stand – eine kleine Finanzspritze. Auch die politische Gemeinde übernahm 20 Prozent der Kosten. Und der Rest wurde in Trosdorf mit viel Eigenleistung gestemmt. „Ich glaube, fast alle Arbeiten, vom Schreiner über den Texter bis zum 3-D-Drucker wurden vor Ort erledigt“, weiß Deinzer. So auch all die technischen Installationen, die Deinzers Vorgänger als Kirchenpfleger, Klemens Graser, selbst eingebaut hat. „Ich kletterte unter dem Kirchendach herum, um die Kabel zu verlegen. Und das alles in diesem frostigen Februar. Außer der Kälte und mit war da niemand in der Kirche“, erinnert sich Graser. 

 

Das soll künftig anders werden. Nach der offiziellen Eröffnung Ende April steht die Lichterkirche in Trosdorf nun allen zur Verfügung, die einen christlichen Impuls bekommen oder einfach nur einen Moment der Ruhe genießen wollen. Damit das Angebot auch die anlockt, die ansonsten nur vorbeifahren, soll sowohl am Ortsschild als auch am Radweg eine Hinweistafel aufgestellt werden für das neue Angebot, das St. Marien in einem „ganz anderen Licht“ darstellt.