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"Es ist eine Pracht"

Bamberg (ku/eob) – Dreimal drei Schläge an die Pforte hallten durch die Kirche. Die Domkantorei antwortete mit dem Choral „Hebt euch, ihr Tore“. Es war der Ritus zum Öffnen des Portales, den Erzbischof Herwig Gössl am vergangenen Samstag vollzog. Fast 14 Jahre war das Portal der ehemaligen Benediktinerkirche St. Michael in Bamberg verschlossen, ehe es sich nach dem Ritus öffnete und der Bamberger Oberhirte und die Geistlichkeit einziehen konnte. Nicht nur für ihn, sondern auch für die rund 500 geladenen Gottesdienstbesucher war es ein erhebender Moment.

 

„Ich habe richtig Gänsehaut“, meinte eine Gottesdienstbesucherin, als sie die Kirche betrat. Unwillkürlich richtete sich ihr Blick an die Decke zum „Himmelsgarten“, der – wie das ganze Gotteshaus – in neuem Glanz erstrahlt. Fast 14 Jahre dauerte die Generalsanierung von St. Michael, und sie hat sich gelohnt. „Es ist eine Pracht“, resümierte Erzbischof Herwig. 

 

Er vollzog zu Beginn und während des Pontifikalamtes verschiedene Riten zur Wiedereröffnung der St. Michael-Kirche: Segnung des Weihwassers und Besprengen der Gemeinde, Inzens der Kirche mit Weihrauch, Einsetzen der Reliquie des heiligen Otto, Verbringen der Hostien nach der Kommunion in den Tabernakel und Entzünden des Ewigen Lichtes.

In seiner Predigt dankte Erzbischof Herwig allen, die dafür gesorgt haben, dass die Pracht von St. Michael erhalten geblieben ist. Er deutete das sanierte Gotteshaus als Symbol für Gottes bleibende Zuwendung zu den Menschen und für die damit immerzu notwendigen und möglichen Erneuerungsprozesse in Kirche, Gesellschaft und im persönlichen Leben jedes Menschen. 

 

Das Leitwort der Kirchenväter „Ecclesia semper reformanda – Die Kirche muss sich immer erneuern“ betreffe nicht nur die Strukturen, sondern auch das ganze Leben. Es gehe darum, anzuerkennen, „dass wir unsere dunklen, schmutzigen Stellen haben“, die der Reinigung und Erneuerung bedürfen, persönlich, als Kirche und als Gesellschaft. Auch wenn die Menschen heute vielfach achtsamer und rücksichtsvoller miteinander umgingen als früher, sei es umso erschreckender, dass es immer wieder zu Rückfällen in die dunkelsten Machenschaften komme, die das Leben so unerträglich machen und die Freude am Leben nehmen, so Gössl. 

 

„Mein Eindruck ist, dass viele Menschen heute gerne einen oberflächlichen, äußeren Glanz zur Schau stellen, aber sich sehr davor hüten, tiefer zu blicken“, sagte der Erzbischof. Viele bedrohliche Risse zögen sich durch die Familien, durch die Gesellschaft, nur mühsam übertüncht, um den Schein aufrecht zu erhalten. „Wie oft fehlt der richtige Halt, sodass unsere Lebenskonstruktionen brüchig werden und akute Einsturzgefahr besteht.“ 

 

„Die Kirche muss sich immer erneuern, indem sie zum Urbild zurückfindet und an ihm Maß nimmt: an Jesus Christus“, fügte der Erzbischof hinzu. „Durch ihn finden wir Halt in Gott und können die dunklen Schatten des Lebens bekämpfen. So können wir leuchten und strahlen von innen her durch den, der uns aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ 

 

Ein weiterer Aspekt der Predigt lag auf der Verantwortung für die Schöpfung. Der sogenannte Himmelsgarten der Michaelskirche mit seinen rund 600 Pflanzenmotiven sei „eine wichtige Erinnerung daran, dass die Schöpfung Gottes kostbares Geschenk an uns ist, das es zu schützen und zu bewahren gilt“. Gössl betonte, dem Menschen sei „nicht Ausbeutung und Verbrauch“ aufgetragen, sondern „hüten und hegen“. Die Schönheit der Natur verweise auf den Schöpfer und sei zugleich Auftrag zum verantwortlichen Handeln. 

 

Die eigentliche Pracht der Kirche freilich seien die Menschen, die sich in ihr versammeln und die trotz ihrer Schwächen und Sünden von Gott geliebt sind. Daran erinnere der heilige Bischof Otto, der diese frohe Botschaft den Menschen in Pommern verkündete und der so bis heute zu einem Brückenbauer zwischen Ost und West, zwischen Polen und Deutschland wurde. 

 

Die barocke Michaelskirche zählt zu den bedeutendsten Sakralbauten Frankens und prägt neben dem Dom das Stadtbild Bambergs. Die Kirche war seit Herbst 2012 wegen gravierender Bauschäden geschlossen und umfassend saniert worden. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt auch sechs neue Glocken gießen lassen. Mit der Wiedereröffnung steht die Michaelskirche nun wieder – zunächst mit eingeschränkten Öffnungszeiten – Besucherinnen und Besuchern offen. Am 9. Mai ist ein Bürgerfest geplant.