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"Suche den Frieden und jage ihm nach"

Bamberg (cg) – Unter dem Motto „Suche den Frieden und jage ihm nach“ wurde der Kunigundentag in Bamberg als ökumenisches Frauenfest gefeiert. Dieser Vers aus Psalm 34 machte deutlich, dass der Frieden und die Friedensarbeit in diesem Jahr im Mittelpunkt der verschiedenen Programmpunkte wie Gottesdienst, Festvortrag und Workshops standen. 

 

Der Festtag am Samstag nach dem Gedenktag der heiligen Kaiserin Kunigunde (3. März) begann mit einem Festgottesdienst im voll besetzten Bamberger Dom, dem Erzbischof Herwig Gössl vorstand. Er betonte in seiner Predigt, dass die heilige Kunigunde ein leuchtendes Beispiel für gelebte Friedensarbeit und Versöhnung sei. 

 

In der aktuellen Zeit voller Unruhe und Konflikte erinnere ihr Werdegang daran, dass wahrer Frieden zuerst im eigenen Herzen entstehe. „Frieden braucht Aufmerksamkeit, Mühe und Anstrengung“, sagte der Erzbischof und rief dazu auf, die nötige Kraft für die Friedensarbeit aus der eigenen Beziehung zu Gott zu schöpfen. 

 

Friedenssuche als andauernder Prozess 

 

Wie Kunigunde erlebten auch wir heute eine harte, raue und friedlose Welt, so der Erzbischof weiter. Angesichts dessen seien viele versucht, selbst zu verhärten, sich nichts gefallen zu lassen und es dem Gegenüber mit gleicher Münze heimzuzahlen. „Frieden lässt sich allerdings nicht durch Bomben gewinnen, sondern nur im eigenen Herzen“, betonte Gössl. Die Welt werde dem Frieden keinen Schritt näherkommen, solange man immer nur versuche, auf die anderen einzuwirken – sei es gewalttätig, drohend, schmeichelnd oder auf welche Weise auch immer. 

 

Vielmehr gelte es, dem eigenen Frieden im Inneren nachzujagen, ihn zu suchen und ihn aus der Verbundenheit zu Gott heraus zu finden. Für diesen Prozess der inneren Friedensarbeit sei die heilige Kunigunde „ein Vorbild und eine mächtige Fürsprecherin“. 

 

Sabine Hirschmann, evangelisch-lutherische Dekanin für den Dekanatsbezirk Bamberg, hob in ihrem Grußwort hervor, dass das Motto des Kunigundentages nicht als einmaliger Impuls zu verstehen sei – vielmehr brauche Frieden oft Beharrlichkeit und eine leidenschaftliche Entschlossenheit. Neben der heiligen Kunigunde hätten im Lauf der Jahrhunderte viele Frauen eine solch beharrliche Friedensarbeit geleistet. 

 

An den Gottesdienst schloss sich eine Agape im Hof des Dompfarrheims an. Bei strahlendem Sonnenschein gab es die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und Kunigundenkringel sowie Wein zu genießen. Danach verlagerte sich das Geschehen in und um die evangelische Kirche St. Stephan, wo die Gespräche beim gemeinsamen Mittagessen fortgesetzt werden konnten. 

 

Zentrale Rolle des Friedens in der Bibel 

 

Den Nachmittag eröffnete ein Festvortrag der Bibelwissenschaftlerin Sabine Bieberstein, ehemalige Professorin für Neues Testament und Biblische Didaktik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Im Vortrag mit dem Thema „‚Gerechtigkeit und Friede küssen einander‘ (Ps 85,11) – Die Kraft biblischer Friedenstexte“ stellte sie angesichts all der Kriege und Krisen, die es auf der Welt gebe, fest: „Kaum etwas in unserer Welt ist nötiger als Friede.“ Gleichzeitig sei er in scheinbar unerreichbarer Ferne. Als Bibelwissenschaftlerin stellte sie im Folgenden einige biblische Inspirationen für Frieden vor. 

 

Im Neuen Testament sei Friede, wie auch schon im Alten Testament, ein wichtiges Thema. So preise Jesus in einer seiner ersten Aussagen in der Bergpredigt die Friedfertigen, die er als „Kinder Gottes“ bezeichne, und Gottes Weisheit werde im Jakobusbrief unter anderem „friedfertig“ genannt. Auch Friedensvisionen werden in der Bibel genannt. Die bekannteste davon im Alten Testament sei aus dem Buch Jesaja, wo es heißt: „Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern, sie erheben nicht mehr das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg.“ 

 

Abschließend stellte Bieberstein fest, dass Friedensbilder, wie sie in der Bibel vorkommen, eine Perspektive eröffneten, die Welt zu sehen. Denken und Handeln könnten und sollten durch diese Visionen in Bewegung gebracht werden. „Friedensschaffendes Handeln hat Sinn, im Kleinen wie im Großen. Es ist heute so nötig wie eh und je.“ 

 

Nach dem Festvortrag, dem über 100 Personen lauschten, bestand die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden. Bei den Themen der angebotenen Workshops war für verschiedene Sinne etwas dabei. Es wurde ein Blick auf Friedensnobelpreisträgerinnen geworfen oder betrachtet, wie Frauen weltweit landwirtschaftlich tätig sind. Das Gestalten eigener Friedensfahnen wurde angeboten sowie meditative Tänze zum Thema Frieden getanzt. 

 

Den Abschluss des Kunigundentages bildete eine liturgische Feier mit Dekanin Sabine Hirschmann und Pastoralassistentin Lea Strobel. Dabei spielten erneut der Frieden und das Weitergeben dieses Friedens eine zentrale Rolle. Verschiedene Gruppierungen führten musikalisch durch den Tag. Der Festgottesdienst wurde von der Mädchenkantorei unter Leitung von Domkantorin Katharina Ackva mitgestaltet, bei der Agape im Hof des Dompfarrheims spielten Don Bosco Musikanten, und durch den Nachmittag begleitete immer wieder die Band „Kuni AllStars“ der Werkstatt ChristPop. 

 

Vorbereitet wurde der Kunigundentag vom „Ökumenischen Team Kunigunde“, in dem zahlreiche Aktive der ökumenischen Frauenarbeit im Erzbistum Bamberg zusammenarbeiten.