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"Wer bin ich - wer sind wir?"

Bamberg (chg) – Der Aschermittwoch der Künstlerinnen und Künstler bildete auch im Erzbistum Bamberg den Auftakt zur österlichen Fastenzeit. Die in diesem Jahr eingeladene Gastkünstlerin war Syowia Kyambi aus Kenia, aktuelle Spitzenprofessorin an der Nürnberger Kunstakademie. Die Veranstaltung bestand aus einem Wortgottesdienst mit Auflegung des Aschenkreuzes im Bamberger Dom, den Erzbischof Herwig Gössl in Konzelebration mit dem Künstlerseelsorger i. R. Pfarrer Hans-Peter Weigel feierte, sowie einem Vortrag und Gespräch über das künstlerische Schaffen von Syowia Kyambi. 

 

Im Gottesdienst, der von Domorganist Markus Willinger und dem Bläserquintett Metallo­phoniker musikalisch gestaltet wurde, ging Erzbischof Gössl auf den Titel des diesjährigen Aschermittwochs der Künstlerinnen und Künstler ein: „Identität und Wandel. Wer bin ich – wer sind wir? Erinnerung und Selbstbilder“. 

 

In seiner Predigt betonte er, dass Gott nach den Schöpfungserzählungen der Heiligen Schrift den Menschen aus Staub vom Erdboden geformt habe. Auch Kyambi gestalte Kunstwerke aus Ton, „so dass sie Gedanken anstoßen und Schwingungen freisetzen im Resonanzraum der Welt.“ Gott habe darüber hinaus dem von ihm geschaffenen Menschen göttlichen Lebensatem eingehaucht und ihm so eine Seele gegeben. 

 

Erzbischof Herwig: „Der Mensch ist also Staub vom Erdboden und er ist nicht Gott. Aber er ist Staub, der angesprochen werden kann, weil er von Gott angesprochen und mit Lebensatem erfüllt worden ist. Dieser realistische Blick öffnet den Weg zu mehr Leben, ja zur Fülle des Lebens, das uns verheißen ist und das Gott uns schenken will.“

 

Den zweiten Teil der Veranstaltung in den Haas-Sälen eröffnete Dr. Birgit Kastner, Leiterin der Hauptabteilung Kunst und Kultur. Sie stellte die Künstlerin Syowia Kyambi vor, die derzeit und noch bis zum Ende des laufenden Wintersemesters die Spitzenprofessur der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg innehat. Damit wird vom Bayerischen Wissenschaftsministerium eine herausragende künstlerische und gesellschaftliche Arbeit gewürdigt. Kyambi beschäftigt sich in ihrer Kunst vor allem mit den Themen Identität und Erinnerung. Der Umgang mit Geschichte und die Schaffung von Aushandlungsräumen spielt eine zentrale Rolle in ihrem Schaffen. 

 

Birgit Kastner ging auch darauf ein, warum Syowia Kyambi zur Künstlerin des Aschermittwochs 2026 im Erzbistum Bamberg gewählt wurde, obwohl sie bisher noch nicht im kirchlichen Kontext künstlerisch in Erscheinung getreten ist. Kastner erwähnte die „Metaebenen von Mensch und Gesellschaft, von Zeit und Raum“. Sie seien die Leitfragen von Syowia Kyambi und auch die Kernfragen der Kirche. Kunst ermögliche es, vielfältige Fragen zu stellen und über sie zu reflektieren.

 

Als Beispiele nannte sie: „Wie lassen sich persönliche und kollektive Erinnerungen künstlerisch sichtbar machen? Wie gehen wir als Kirche mit unserer Geschichte um?“ 

 

Die kenianisch-deutsche Künstlerin selbst sieht ihr Schaffen auch als Umgang mit der eigenen Familienvergangenheit und -geschichte. In ihrem in englischer Sprache gehaltenen Vortrag ging Syowia Kyambi näher auf einige ihrer Kunstwerke ein, die bis zum 14. April im Diözesanmuseum als Synopse in einer Einraumausstellung gezeigt werden

 

Das sich an den Vortrag anschließende Podiumsgespräch der Künstlerin mit Erzbischof Herwig Gössl wurde von Claudio Ettl moderiert, stellvertretender Akademieleiter der Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH) in Nürnberg. Syowia Kyambi bezog auch das aktuelle, belastende Weltgeschehen und dessen omnipräsente Gewaltbereitschaft in ihre künstlerischen Positionen ein. Die Beschäftigung mit der Kolonialgeschichte Kenias oder Namibias bedeute immer wieder den Umgang mit und die Erinnerung an Gewalt. 

 

Die Nicht-Überwindbarkeit von Gewalt in der menschlichen Geschichte fordere die beständige künstlerische Auseinandersetzung damit heraus, um beispielsweise Kolonialgeschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Sie kritisierte, dass Deutschland das Augenmerk des Erinnerns und der Aufarbeitung seiner Geschichte fast ausschließlich auf die Zeit des Nationalsozialismus richte und eine Auseinandersetzung mit dem kolonialgeschichtlichen Erbe kaum erfolge. 

 

Erzbischof Gössl fand zwischen Kunst und Kirche Gemeinsamkeiten. „Die Kunst ist nicht gleich eingängig, sie braucht Zeit, um sich zu entfalten.“ So sei es auch mit der Religion. Beide versuchten, komplexe, große und teilweise auch schwierige Themen darzustellen. Die vermeintlich einfachen Antworten, die sich einige Menschen wünschten, gebe es in den meisten Fällen aber nicht. 

 

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein Fastenimbiss, bei dem Zeit für Gespräche untereinander und mit Syowia Kyambi war.