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„Jeder Mensch ist, wie er ist“

Gremsdorf (bp) – Sie wollte einen abwechslungsreichen Beruf. Hat in verschiedene reingeschnuppert. Doch gleich nach zwei Tagen Praktikum in der Behinderteneinrichtung der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf war klar: Barbara Köhler will Heilerziehungspflegerin werden. 

 

„Die Menschen hier akzeptieren dich wie du bist, geben dir viel zurück“, erklärt die Teamleiterin im beschützt-offenen Bereich. Das sei hier überhaupt das A und O: akzeptieren, dass jeder Mensch ist, wie er ist.

 

Gut ausgebildet

 

Natürlich gebe es auch mal schwierige Zeiten, aber um das auszugleichen, würden Heilerziehungspflegende gut geschult. Das bestätigt ihre Kollegin Julia Fronhöfer, ebenfalls Teamleiterin im beschützt-offenen Wohnbereich. Sie fügt hinzu: „Die Leute geben einem viel zurück und sind für Kleinigkeiten dankbar.“ Auch sie ist nach der Ausbildung an der Augustinus-Schule der Barmherzigen Brüder Gremsdorf hiergeblieben. „Der Beruf ist so facettenreich, kein Tag ist wie der andere.“

 

Das bedeute aber auch, flexibel zu sein. Neben der Motivation mit Menschen zu arbeiten erfordere der Beruf der Heilerziehungspflege Empathie und Verständnis für andere Menschen und Einstellungen. Da muss man eigene Werte schon mal zurückstellen können, sollte respektvoll mit anderen Menschen umgehen, offen sein für Neues und Höhen und Tiefen akzeptieren. 

 

Genauso wichtig sei es, eigene Grenzen zu bewahren. „Manche Klienten bringen eine schlimme Lebensgeschichte mit“, erklärt Barbara Köhler, da müsse man sich abgrenzen können. „Man muss nicht jeden Körperkontakt zulassen. Es ist wichtig seinen eigenen Weg zu finden, wie viel Nähe man zulassen möchte.“ 

 

Die Mitarbeitenden begleiten die Menschen hier in all ihren Lebensbereichen, arbeiten mit ihnen zusammen, begleiten sie oft auch auf ihrem letzten Weg. Lernen, auf sich zu achten – auch das gehöre zum Beruf dazu. „Du bist ja für den Menschen mit Behinderung verantwortlich“, betont Julia Fronhöfer. Da könne es belasten, wenn man einen Bewohner durch eine Krise begleitet.

 

Da wird viel erwartet von Heilerziehungspflegern und Heilerziehungspflegerinnen, betont Wolfgang Brömmel, Vorsitzender des „Beirats am gemeinschaftlichen Wohnen“. Als Angehöriger einer Bewohnerin der Behinderteneinrichtung in Gremsdorf sieht er den Beruf noch mal aus einer anderen Perspektive. Sieht, wie sehr die jeweilige Persönlichkeit oder das Engagement eine Rolle spielen. Als Beirat bekomme Brömmel viel mit und wisse um die Schwere der Arbeit. Um so mehr bedauert er, dass die Arbeit der Heilerziehungspfleger in der Gesellschaft nicht wertgeschätzt werde. Oft noch nicht einmal von Angehörigen.

 

Einen anderen Beruf gebe es aber für Barbara Köhler und Julia Fronhöfer nicht. „Die Menschen haben ein großes Vertrauen zu uns“, betont Köhler. Anders als bei der Pflege in einem Krankenhaus, wo Patienten ständig wechseln, entstehen hier Beziehungen. Mit kleinen Dinge könne man sie glücklich machen. Wenn man dann nach einem stressigen Tag, das Strahlen in den Augen eines Bewohner sehe, das sei einfach ein tolles Gefühl. „Die positiven Tage überwiegen ja, sonst wäre ich nicht da“, hebt Barbara Köhler hervor. Anderen zu helfen den Alltag zu bewältigen und am Leben teilzunehmen, das sei einfach eine schöne Aufgabe.

 

Zur Arbeit gehört alles, was ein Lebensalltag mit sich bringt: die Hilfe beim Aufstehen, waschen und Anziehen, das Kaffee kochen und gemeinsame Frühstücken, das Kleinschneiden des Mittagessens, die Organisation des Alltags, etwa von Arztterminen, Wäsche waschen, gemeinsame Einkäufe, Spaziergänge oder Ausflüge mit der Gruppe. Pflege unterstützende Tätigkeiten, Toilettengänge, darauf achten, dass die Beschäftigten pünktlich zur Ergotherapie kommen. Zwei Mitarbeitende kümmern sich wie in einer Familie um elf Bewohner oder Bewohnerinnen. In den Werkstätten achten Heilerziehungspfleger auch darauf, dass die Abläufe vorangehen, die Beschäftigten für eine für sie passende Arbeit eingeteilt sind.

 

Die Aufgaben unterscheiden sich dabei natürlich je nach Art der Wohngruppe und dem Schweregrad der Einschränkungen. Das reiche von körperlichen Einschränkungen über seelische bis hin zu geistigen Beeinträchtigungen. Die Bandbreite ist groß, die Bedarfe sehr individuell. 

 

Zum Alltag dazu gehört natürlich das Feiern. In Gremsdorf hat jede Wohngruppe ihren Patron, dessen Namenstag in der Gruppe gefeiert wird. Dazu kommen das Sommerfest, das Werkstattfest zu Christkönig und kirchliche Feste.

„Wir haben viele Angebote für unsere Bewohner, aber in der Welt draußen ist es immer noch schwierig“, weiß Barbara Köhler. „Aber es gibt schon erste Verknüpfungen, die in den vergangenen Jahren entstanden sind, Zum Beispiel VHS-Kurse“.

 

Für Köhler, wie für Fronhöfer hat der Schichtbetrieb Vor- und Nachteile. Es ist eine Typ­frage, meinen beide. Für sie sei der Gruppendienst eine „super Arbeitszeit“ und Dienstplanwünsche würden soweit möglich berücksichtigt. „Das ist hier flexibler als im Schichtdienst in der Industrie“, ergänzt Barbara Fronhöfer. Generell biete der Beruf die Möglichkeiten in Kitas zu arbeiten, in Förderstätten, Seniorentagesstätten oder Werkstätten.

 

Beiden gefalle vor allem, dass der Beruf viele Gestaltungsmöglichkeiten mit sich bringt. Und das tolle Miteinander: „Egal ob es brennt oder die Sonne scheint, wir unterstützen uns immer gegenseitig.“