
Bad Staffelstein (kem) – "Es war wohl eine glückliche Fügung, die uns drei hier zusammengebracht hat“, betont Svenja Lange. Sie ist eine von drei „Neuen“, die Ende vergangenen Jahres im Seelsorgebereich Gottesgarten ihren Job begonnen hat. Mit Lange, die in einem fünfjährigen Projekt für die Öffentlichkeitsarbeit des Seelsorgebereichs zuständig sein wird, sind dies außerdem Verwaltungsleiterin Anja Raphael und Gemeindeassistentin Marie Kießling. Zusammen bilden sie ein neues starkes Dreigestirn, das nicht nur den Leitenden Pfarrer Walter Ries sondern auch alle Haupt- und Ehrenamtlichen unterstützen soll.
Während Svenja Lange ihre neue Stelle zum 1. Oktober antrat, waren Anja Raphael und Marie Kießling bereits am 1. September in das Abenteuer Arbeitgeber Kirche gestartet – und durchaus erstaunt. „Es war in der ersten Zeit schon viel, was auf uns eingeprasselt ist und ich war überrascht, was in der Kirche alles so los ist“, sagt die neue Verwaltungsleitung über die Vielseitigkeit ihrer neuen Arbeitsstelle.
Anja Raphael war zuvor in der Automobilbranche unterwegs, als Vertriebsleiterin bei einem Zulieferer. Und eigentlich war sie auch gar nicht auf der Suche nach einem neuen Job. „Die Stelle hat mich gefunden“, erklärt sie deswegen auch. Eine zufällige Mail eines Job-Portals brachte sie auf die Idee sich hier zu bewerben. „Ich habe die verschiedenen Aufgabenbereiche gesehen und dachte mir ,das ist genau meins‘.“ Nach Jahren der Gewinnmaximierung kümmert sie sich nun um die Einnahmen und Ausgaben des Seelsorgebereichs. „Es geht hier nicht um ,höher – schneller – weiter‘, sondern es muss alles gut bedient werden. Das mach einfach viel mehr Spaß und ist auch sinnvoller.“
Sinn stiften wollte auch Marie Kießling in ihrem Beruf. Obwohl ihre Familie eher atheistisch geprägt ist, war sie schon als Kind immer auf der Suche nach Gott. „Ich habe mich dann evangelisch taufen lassen und bin später durch meinen Mann konvertiert“, so Kießling. Sie wollte den Glauben aufgrund der Neuausrichtung kennenlernen und tief durchdringen und ihrem Motto „Don’t stop believing“ Leben einhauchen und entschied sich daher, Religionspädagogik zu studieren.
Als Gemeindeassistentin ist sie quasi nach dem Studium in Eichstätt noch in der Ausbildung und hat mit Gemeindereferent Matthias Beck einen „alten Hasen“ an ihrer Seite. Kießlings Schwerpunkte liegen auf Liturgie und Katechese. Dazu gehört neben Gottesdiensten vor allem der Kontakt zu Kindern. Sie arbeitet in der Firmvorbereitung mit, ist teilweise im Kindergarten in Bad Staffelstein unterwegs und hält auch einige Stunden Religionsunterricht in ihrem Wohnort bei Lichtenfels.
Fünfjähriges Projekt
„Ich bin ein kleines Experiment“, sagt Svenja Lange über ihre Position im Gottesgarten. Die neu geschaffene Stelle der „Zuständigen für die Öffentlichkeitsarbeit im Seelsorgebereich“ ist ein auf fünf Jahre angelegtes Projekt und soll vor allem die Pressearbeit des Gottesgarten bündeln. Auch sie fand die neue Stelle im Internet. Und da sie mit ihrem Mann nach neun Jahren in Freiburg wieder zurück in die oberfränkische Heimat wollte, sprach sie das Projekt gleich doppelt an. Dass es viel zu erledigen gibt, bekam sie schon zwei Wochen vor ihrem offiziellen Start mit. „Ich habe kurz bevor ich meine Stelle angetreten habe von Pfarrer Ries eine kleine To-do-Liste bekommen mit kurz-, mittel- und langfristigen Themen. Da fällt zum Beispiel die Inhaltspflege der Homepage und die Einrichtung von Social-Media-Kanälen darunter.“
Bislang blieb diese Arbeit entweder an anderen Hauptamtlichen zusätzlich hängen oder wurde von Ehrenamtlichen ausgefüllt. „Es gibt ja viele, die ihre Pressemeldungen selbst schreiben oder Plakate und Flyer entwerfen. Ich bin jetzt dazu da, das Ganze zu kanalisieren“, so Lange. Denn es passiere viel im Seelsorgebereich, über das es sich auch zu berichten lohnt.
Genauso wie bei ihren beiden neuen Kolleginnen waren bei Lange die ersten Wochen und Monaten geprägt von Kennenlern-Treffen mit den Gremien und Protagonisten vor Ort. „Wir haben uns auch teilweise in den Gottesdiensten vorgestellt, damit die Menschen Gesichter zu den Namen haben und wissen, ,da ist jemand, an den wir uns wenden können‘“, so Verwaltungsleiterin Raphael.
Auch wenn hier viel Neues auf die drei Damen zukam, können sie nur Gutes über ihre Anfangszeit berichten. „Wir wurden sehr gut aufgenommen und integriert im Team“, erinnert sich Marie Kießling und Anja Raphael ergänzt: „Wir haben von jeder Seite Hilfe bekommen, sei es von den Kolleginnen und Kollegen vor Ort oder auch in Bamberg. Alle waren mit Rat und Tat bereit gestanden.“ Auch helfe es, wenn man offen auf die Leute zugeht und sagt „Hallo, ich bin die Neue, ich weiß von nichts“.
So ist der Blick von außen eine große Stärke, die die Kolleginnen in ihren neuen Arbeitsplatz einbringen können. „Wir hatten innerhalb weniger Tage zwei Sitzungen in verschiedenen Gemeinden, die aber beide mit dem exakt gleichen Thema zu tun hatten“, erinnert sich Anja Raphael. Ihr Vorschlag war, das nächste Treffen gemeinsam abzuhalten. „Und dann haben wir das einfach gemacht“, berichtet sie stolz. Das wäre früher vielleicht nicht gegangen. „Da hat dann jeder sein eigenes Süppchen gekocht und nicht auf die anderen geschaut.“
Von Vorteil schätzen es Kießling, Lange und Raphael auch ein, dass nicht nur sie ganz frisch im Seelsorgebereich sind. Auch ihr Chef, Leitender Pfarrer Walter Ries, trat erst ein Jahr zuvor seine Stelle im Gottesgarten an. „Das ist gut, dass wir ein komplett neu zusammengewürfeltes Team sind“, sagt Anja Raphael und Svenja Lange ergänzt: „Dazu kommt, dass Walter Ries offen ist und den regelmäßigen Austausch im Pfarrbüro schätzt. Das ist sehr bereichernd.“
Darüber hinaus loben die „drei Neuen“ das gute Miteinander. Während Anja Raphael als Verwaltungsleitung ein eigenes Büro hat, sitzen Svenja Lange und Marie Kießling gemeinsam in einem Raum. „Es ist nett, wenn man mal eine Frage hat und weiß, da sitzt jemand, den man schnell etwas fragen kann“, so Lange.
Erste Ideen eingebracht
Alle drei sind schon gut im Alltagsgeschäft unterwegs. Damit sie sich da auch von Anfang an gut zurechtfindet, tauschte sich Anja Raphael vorab mit dem Verwaltungsleiter eines anderen Seelsorgebereichs aus. „Er sagte mir, das Wichtigste ist eine Prioritätenliste, weil man sich sonst verzettelt“, erklärt die Verwaltungsleiterin. So käme man nicht ins Schludern, wenn es auf einmal heißt an der und der Kirche seien die Blumen noch nicht gegossen. „So lernt man schnell, was wichtig ist und um was es geht.“
Und auch wenn der Alltag sie schon fest in Beschlag genommen hat, haben die Verwaltungsleiterin und ihre neuen Kolleginnen schon erste eigene Ideen in den Seelsorgebereich eingebracht – wie zum Beispiel den Kollekten-Bon. „Hier können die Menschen für einen beliebigen Betrag Gutscheine im Pfarrbüro erwerben und bekommen dann auch eine Spendenquittung dafür. Und in den Gottesdiensten können sie diese Bons dann nach und nach anstelle des Münzgeldes in den Klingelbeutel werfen“, erklärt Svenja Lange die Idee, die ihre Verwaltungsleiterin mitbrachte und die sie grafisch umsetzte. „Wir machen das im neuen Jahr als Pilotprojekt in Bad Staffelstein und wenn wir merken, dass es gut angenommen wird, bieten wir es auch anderen Pfarreien an“, ergänzt Anja Raphael.
Nach einem Predigt- und einem Liturgieseminar steht auch für Marie Kießling demnächst etwas Neues im Seelsorgebereich an. „Wir packen als nächstes eine eigene Wort-Gottes-Feier an – von der Planung bis zur Durchführung. Das haben wir jetzt auf dem Schirm“, erklärt die Gemeindeassistentin. „Das wird dann mein erster Gottesdienst als Hauptamtliche.“ „Den wir dann auch gleich auf der Homepage veröffentlichen“, fügt Svenja Lange lachend mit an.
Liebe zu Kirchen
Für Anja Raphael hat der neue Job in der Kirche noch einen weiteren Vorteil. „Schon als Kind habe ich es geliebt, in Kirchen zu gehen. Egal wo ich war, habe ich immer darauf geachtet, ob die Türen offen sind und habe in die Kirchen geschaut“, so die Verwaltungsleiterin. „Und jetzt darf ich das sogar beruflich machen. Das ist richtig schön. Ich habe das Gefühl, hier bin ich angekommen.“
Egal, ob als Sinn stiftender Start ins Berufsleben, als Neuanfang in der alten Heimat oder als sinnvolle Arbeit, bei der man auch die Träume der Kindheit wieder mehr ausleben darf – Marie Kießling, Svenja Lange und Anja Raphael haben im Seelsorgebereich Gottesgarten ihren neuen beruflichen Lebensmittelpunkt gefunden. Eine wirklich glückliche Fügung.
