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345 Millionen Menschen akut von Hunger bedroht

 

Berlin (epd) - Im Kampf gegen eine sich verschärfende globale Hungerkrise will die internationale Staatengemeinschaft Nahrungsmittelexporte aus der Ukraine beschleunigen. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sagte am Freitag in Berlin: „Es sind 345 Millionen Frauen, Kinder und Männer weltweit, die akut von Nahrungsmittelknappheit bedroht sind.“ Die Gründe seien zum Teil nicht neu: regionale Konflikte, Dürren, die Folgen der Klimakrise und von Covid-19. Doch erst Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine habe „aus einer Welle einen Tsunami gemacht“. Sie nannte dabei die jüngsten Preissteigerungen sowie russische Blockaden von Schwarzmeerhäfen und Angriffe auf ukrainische Getreidesilos.
Viele afrikanische und arabische Länder sind abhängig von Getreideimporten aus Russland und der Ukraine. Deutschland will daher gemeinsam mit einer Reihe von Staaten und den Vereinten Nationen versuchen, die Verteilung von Nahrungsmitteln zu organisieren und Millionen Tonnen Getreide, die derzeit in ukrainischen Silos lagern, aus dem Kriegsland hinauszubringen.
Laut Bundesregierung hat die Ukraine vor dem Krieg monatlich fünf Millionen Tonnen Getreide exportiert. Nach Beginn der russischen Großoffensive waren es demnach im März nur noch 350000 Tonnen. Im Mai konnten den Angaben zufolge über die Donau sowie über die Schiene immerhin wieder 1,7 Millionen Tonnen ausgeführt werden.
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) sagte, im Juni könnte dies noch gesteigert werden, allerdings komme man logistisch an Grenzen. Man bemühe sich weiter um Alternativrouten, die dauerhaft etabliert werden sollen.