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Bündnis gegen Hunger auf den Weg bringen

 

Berlin (epd) - Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) will gemeinsam mit ihren G7-Amtskollegen den Kampf gegen den Hunger voranbringen. „Wenn wir nichts tun, droht die schwerste Hungersnot seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Schulze vor Beginn des Treffens der Entwicklungsminister der G7-Staaten am Mittwoch in Berlin. Durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine werde die Not „dramatisch verschärft“. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass bei dem Treffen ein globales Bündnis für Ernährungssicherheit auf den Weg gebracht wird.
Das erstmals von ihr bei der Frühjahrestagung der Weltbank in Washington vorgeschlagene Bündnis solle „schnell und vorausschauend“ die Hilfe koordinieren, sagte Schulze. Zugleich müsse die Landwirtschaft auch wegen des Klimawandels langfristig widerstandsfähiger gemacht werden. „Dürren werden immer häufiger, Ernten fallen aus.“ Zudem sollten auf Lebensmittelimporte angewiesene Länder unabhängiger werden. Von Geberländern, internationalen Organisationen und der Afrikanischen Union habe es positive Rückmeldungen gegeben, betonte Schulze. Details zur Arbeitsweise oder Finanzierung nannte sie nicht.
Bereits vor dem Ukraine-Krieg hatte der weltweite Hunger zugenommen. Dafür verantwortlich sind unter anderem die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, Konflikte und hohe Lebensmittelpreise. Hinzu kommen Extremwettereignisse wie die Dürre in Ostafrika oder Überschwemmungen im Südsudan. Der Ukraine-Krieg könnte die Hungerkrise weiter verschärfen, weil ukrainische Weizenlieferungen Wie Russland zählt das osteuropäische Land zu den größten Weizenexporteuren der Welt.
Auch Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) reiste am Mittwoch nach New York, um unter dem Dach der Vereinten Nationen über die Lage in den betroffenen Staaten zu beraten. Russland warf sie vor, Hungerkrisen im globalen Süden „nicht nur zynisch in Kauf“ zu nehmen, sondern Hunger als Waffen zu nutzen, „um Gefolgschaft einzufordern“. „Dem setzen wir unsere Solidarität entgegen“, sagte Baerbock.
Derweil warfen Hilfsorganisationen der Staatengemeinschaft Versagen beim Kampf gegen die Hungersnot in Ostafrika vor. Die Menschen hungerten nicht, „weil es der Welt an Nahrung oder Geld mangelt, sondern weil es an politischem Mut fehlt“, sagte die Geschäftsführerin von Oxfam International, Gabriella Bucher. Die Welthungerhilfe mahnte mehr langfristige Investitionen an. Jetzt müssten „die Weichen für ein gerechtes und nachhaltiges Ernährungssystem gestellt werden“, sagte Generalsekretär Mathias Mogge.
Deutschland hat gegenwärtig den Vorsitz der G7, dem Gremium der sieben Industrienationen Frankreich, Italien, Japan, Großbritannien, USA, Kanada und Deutschland. Am Mittwoch und Donnerstag tagen die G7-Entwicklungsminister und -ministerinnen in Berlin. Weitere Themen des Treffens, an dem auch Vertreter aus Indonesien, Indien, dem Senegal, der Ukraine und der UN teilnehmen, sind der Klimaschutz und die Corona-Pandemie.