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Die römische Kurie wartet auf Leos XIV. Handschrift

Vatikanstadt (KNA) – Rom ist leer. Die Bewohner sind der Sommerhitze ans Meer oder in die Berge entflohen. Das gilt auch für viele Bedienstete des Vatikans. Genau in diese heiße Leere kehrt der Papst nun zurück. Sein Sommerurlaub, den er mit seinen Brüdern und Ausflügen zu Wallfahrtsorten verbrachte, ist vorbei. Jetzt wartet Arbeit auf ihn.

Während seiner Abwesenheit nutzten konservative Portale das sommerliche Nachrichtenloch, um allerlei Gerüchte zu streuen - von einem geplanten Bistro auf dem Petersdom, über einen möglichen Freispruch für den Ex-Jesuiten Marko Rupnik, bis zur personellen Umgestaltung der vatikanischen Kurie.

 

Viele Schlüsselämter noch unverändert

 

Tatsächlich ist bei Personalentscheidungen in der 14-monatigen Amtszeit Leos XIV. noch nicht viel passiert. Der erste US-amerikanische Papst nimmt sich auffallend viel Zeit bei der Neubesetzung wichtiger Leitungsstellen. Ein Großteil der Regierung liegt weiterhin in den Händen von Männern, die noch von seinem Vorgänger Franziskus (2013-2025) oder gar von Benedikt XVI. (2005-2013) berufen wurden.

 

Angeführt wird diese Gruppe vom Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch. Er leitet seit 2010 die vatikanische Ökumene-Behörde. Mit 76 Jahren hat er das übliche Ruhestandsalter bereits überschritten. Das gilt auch für den gleichaltrigen Präfekten des Gottesdienst-Dikasteriums, Kardinal Arthur Roche.

 

Leitung auch im hohen Alter

 

Der Zuständige für Heilig- und Seligsprechungsprozesse, Kardinal Marcello Semeraro, und der Laienbeauftragte Kardinal Kevin Farrell sind sogar schon 78 Jahre alt. Semeraro leitet sein Dikasterium seit sechs Jahren, Farrell schließt im August seine zweite reguläre Fünf-Jahres-Amtszeit ab.

 

Kardinal Lazarus You Heung-sik, seit 2021 mit den katholischen Priestern weltweit betraut, erreicht das reguläre Ruhestandsalter von 75 Jahren im November. Kurienerzbischof Salvatore Fisichella, einer der beiden Pro-Präfekten der Evangelisierungsbehörde, vollendet das 75. Lebensjahr bereits Ende August.

 

Und dann ist da noch Kardinal Víctor Manuel Fernández, ein enger Vertrauter des vorherigen Papstes. Als Präfekt der Glaubensbehörde ist er einer der mächtigsten Männer im Vatikan - als Chefdogmatiker muss seine Haltung zur Kirchenlehre mit der des Papstes übereinstimmen.

 

Auffällig war, wie Leo XIV. ihm die delikate Abwicklung der Exkommunikation der ultrakonservativen Piusbrüder fast völlig überließ. Nach Leos Amtsantritt galt sein Posten noch als besonders gefährdet. Doch nun scheint es möglich, dass der Papst ihn mindestens bis zum Ende der fünfjährigen Amtsperiode 2028 in Rom behält.

 

Nur fünf Neubesetzungen

 

Für fünf der 16 Dikasterien, die in etwa Ministerien entsprechen, hat Leo XIV. bislang neue Leiter bestimmt. Das gilt für den Wohltätigkeitsdienst, das Entwicklungs- und das Kommunikationsdikasterium sowie die Behörden für Gesetzestexte und für die Bischöfe. Mit Ausnahme der neuen Kommunikationschefin gingen die Leitungspositionen an Menschen, die mit dem kurialen Betrieb vertraut sind.

 

Ob das auch für den neuen Kardinalstaatssekretär gelten wird? Seit 2013 ist Kardinal Pietro Parolin die Nummer zwei im Vatikan. Der heute 71-Jährige hat Papst Franziskus' unruhiges diplomatisches Fahrwasser über zwölf Jahre lang geglättet, dann den außenpolitisch unerfahrenen Leo XIV. angelernt. Seit 1986 steht der Norditaliener im diplomatischen Dienst des Vatikans. Unter seiner Leitung hat der Vatikan viele außenpolitische Klippen unbeschadet umschifft. Aber wie lange er als Steuermann an Bord bleiben wird, ist unklar.

 

Adria statt Weltmeere?

 

Spekuliert wird derzeit nicht über einen Ruhestandshafen, aber über etwas ruhigere Gewässer: Adria statt Weltmeere. Parolin gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Neubesetzung eines großen Erzbistums in Norditalien. Genannt werden Venedig und Mailand - allerdings sind beide Posten noch eine Weile fest besetzt. Und wer dann Parolins Nachfolge als "Bundeskanzler des Vatikans" antreten könnte, ist ebenfalls offen.

 

Gut möglich, dass Leo XIV. die sommerliche Ruhe im Vatikan nun nutzt, um über diese und weitere Personalentscheidungen nachzudenken. Da er alle Behördenleiter seit seinem Amtsbeginn nur provisorisch im Amt bestätigt hat, ist er an keine Fristen gebunden. Aber wenn er den Vatikan wirklich führen will, kommt er an Personalentscheidungen nicht vorbei.