Rom (KNA) – Der Privatbesuch von Papst Leo XIV. am Montag in der Benediktinerabtei Montecassino war für die Mönchsgemeinschaft offenbar eine Überraschung. Abt Antonio Luca Fallica sagte vatikanischen Medien am Dienstag: "Es war ein völlig unerwartetes Geschenk." Der Vatikan habe die Gemeinschaft um "äußerste Diskretion" gebeten, weshalb auch die Benediktiner erst am Morgen über den Besuch informiert worden seien.
Der Aufenthalt sei in "großer Einfachheit und Vertrautheit" verlaufen, schilderte der Abt. Leo XIV. traf zunächst die Mönche, besichtigte anschließend die Abtei und begrüßte Besucher und Touristen. Danach betete er mit der Gemeinschaft das Stundengebet und nahm am Mittagessen der Benediktiner teil. Vor seiner Rückkehr nach Castel Gandolfo besuchte der Papst zudem das Archiv und die Bibliothek des traditionsreichen Klosters in der italienischen Provinz Frosinone.
Pilger des Friedens
Nach Angaben Fallicas war es für Leo XIV. eine Rückkehr an einen Ort, den er bereits als Student in Rom in den 1980er-Jahren besucht hatte. Während seines Aufenthalts verweilte der Papst am Grab des heiligen Benedikt im Gebet und entzündete die Friedenslampe, die Papst Paul VI. 1964 zur Wiedereinweihung der wiederaufgebauten Abteikirche nach dem Zweiten Weltkrieg gestiftet hatte.
Der Abt erinnerte daran, dass Paul VI. den heiligen Benedikt damals zum Patron Europas erhoben und ihn als "Pacis Nuntius" - Boten des Friedens - bezeichnet hatte. In dieser Tradition sei auch Leo XIV. als "Pilger des Friedens" nach Montecassino gekommen, um angesichts der aktuellen Konflikte weltweit für den Frieden zu beten. Über dem Eingang der Abtei stehe nicht zufällig das Wort "Pax", sagte Fallica: Es solle Besucher nicht nur willkommen heißen, sondern sie zugleich aussenden, selbst Zeugen des Friedens zu werden.
Vorbereitung auf 1.500-Jahr-Feier
Die Benediktiner bereiten sich derzeit auf das 1.500-Jahr-Jubiläum der Klostergründung im Jahr 2029 vor. Die mehrjährige Vorbereitung steht unter wechselnden Leitmotiven, beginnend mit dem Frieden. Dazu wurde auch der Friedenspreis "Pacis Nuntius" ins Leben gerufen, der zuletzt an den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, verliehen wurde.
Die Benediktinerabtei Montecassino zählt zu den bedeutendsten Klöstern der Welt. Im Jahr 529 wurde es vom Ordensgründer Benedikt von Nursia persönlich gegründet, der hier auch seine Ordensregel verfasste. Im Februar 1944 wurde es durch einen Angriff der US-amerikanischen Luftwaffe fast vollständig zerstört.
