Berlin (KNA) – Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa will am Verbot von Leihmutterschaften in Deutschland festhalten. Vor allem die kommerzielle Leihmutterschaft werfe eine große Reihe ethischer, rechtlicher und praktischer Fragen auf, sagte Welskop-Deffaa auf Anfrage. "Wir können unsere Augen nicht vor den Ausbeutungsgefahren verschließen, die mit diesem Geschäftsmodell verbunden sind."
Eine neue Debatte über die Leihmutterschaft war aufgekommen, nachdem bekannt geworden war, dass der CDU-Politiker Jens Spahn mit seinem Ehepartner eine Leihmutterschaft in den USA in Anspruch genommen hatte. Er trat in der Folge als Unionsfraktionsvorsitzender zurück, weil er sich als CDU-Politiker für ein Verbot von Leihmutterschaft ausgesprochen hatte und ihm Kritiker Doppelmoral vorwarfen.
Umgehungen und Missbrauch
Weiter betonte die Caritas-Präsidentin, "eine neunmonatige Schwangerschaft, bei der die Frau erheblichen vertraglichen Verpflichtungen aus einem Leihmuttervertrag unterworfen ist, entspricht nicht unserem Verständnis von reproduktiver Selbstbestimmung, körperlicher Integrität und menschlicher Würde".
Auch in altruistisch, also unentgeltlich, angelegten Modellen gebe es ein erhebliches Potenzial für Umgehungen und Missbrauch, warnte Welskop-Deffaa. Sowohl bei einer Eizellspende als auch bei der Leihmutterschaft gebe es die grundsätzliche Frage, wie stark das "psychische Leiden am Zustand der unfreiwilligen Kinderlosigkeit" und das "Recht der Freiheit der Fortpflanzung" gegenüber den Rechten der Leihmütter und Eizellspenderinnen und gegenüber den Rechten der so gezeugten und geborenen Kinder wögen. Der Ethikratsvorsitzende Helmut Frister hatte zuvor erklärt, er könne sich unter bestimmten Voraussetzungen eine Legalisierung der altruistischen Leihmutterschaft vorstellen.
Ausbeutung und Kinderhandel
Gefährdungspotenziale sähe sie in der Ausbeutung von Frauen, Kinderhandel und in der Selektion nach "Qualitätsmerkmalen" des Kindes wie Gesundheit, Geschlecht und ethnischen Kriterien, so Welskop-Deffaa weiter. Ein Blick auf die Praxis mache deutlich, dass ökonomische Gründe und damit die Gefahr von Ausbeutung real seien. In der Ukraine etwa seien vor allem Kriegerwitwen Eizellspenderinnen und Leihmütter.
