Berlin (KNA) – Mit einer Feierstunde hat die Bundesregierung der Ermordeten des Widerstands gegen das NS-Regime gedacht. "Viele Ideen für ein freies und rechtsstaatliches Deutschland wurden in den unterschiedlichen Kreisen des Widerstands entwickelt. Ihre Ideen machten deutlich: Ein anderes Deutschland war möglich", sagte Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) am Montag in Berlin.
Der 20. Juli markiert den 82. Jahrestag des Attentats- und Umsturzversuchs gegen Adolf Hitler von Claus Schenk Graf von Stauffenberg und weiteren Beteiligten des Widerstands. Der Umsturzversuch von 1944 misslang; noch in derselben Nacht wurden Stauffenberg und weitere im Bendlerblock in Berlin erschossen. Am selben Ort fand nun die Gedenkstunde statt.
Prien: Demokratie lebt von Verantwortung
"Der Widerstand des 20. Juli und anderer Gruppen erinnert uns daran, dass Demokratie nicht allein durch Institutionen geschützt wird", so Prien weiter. "Sie lebt von einer Ethik der bürgerlichen Verantwortung - von Menschen, die bereit sind, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen, auch wenn dies unbequem ist." Eine Demokratie bleibe nur dann stark, wenn genügend Menschen den Mut haben, sich einzubringen. "Wer in einer Diktatur Widerstand leistet, muss die Angst überwinden."
Derzeit gebe es einen wachsenden Vertrauensverlust in demokratische Institutionen, so Prien. "Demokratien verschwinden selten über Nacht. Sie werden langsam ausgehöhlt - wenn Gleichgültigkeit wächst und immer weniger Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen." Schweigen sei gefährlicher als lauter Widerspruch, sagte die Ministerin. "Denn wer schweigt, widerspricht nicht mehr - aber er verteidigt die Demokratie auch nicht mehr."
Evers: Stehen in Schuld des Widerstands
Auch der Berliner Finanzsenator und dortige CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers zollte den Widerständlern Respekt. "Sie wussten, was ihnen drohte, aber sie entschieden sich gegen die Angst und für die Verantwortung; gegen Gewaltherrschaft und für die Würde des Menschen." Es liege in der Verantwortung aller, dieses Gedenken zu wahren.
"Wir stehen alle in der Schuld der Frauen und Männer des Widerstands", so Evers. Eine freie Gesellschaft "lebt von Menschen, die für Recht eintreten, wenn Unrecht geschieht." Im Anschluss an die Reden legten verschiedene Repräsentanten der Bundesregierung Kränze nieder. Zum Abschluss spielte das Musikkorps der Bundeswehr die deutsche Nationalhymne.
