
Bamberg (ku) – Es war ein besonderer und bewegender Moment am Sonntag am Ende des Festgottesdienstes zum diesjährigen Heinrichsfest: Nach Erzbischof Herwig Gössl spendete auch Mizael vom Stamme der Bororo aus Meruri in Brasilien der Gruppe, die sich auf die Reise nach Brasilien machte, nach dem Ritus seines Stammes den Segen, Dort werden die Gäste aus dem Erzbistum Bamberg an den Gedenkfeiern für Salesianerpater Rudolf Lunkenbein teilnehmen, der vor 50 Jahren, genau am 15. Juli 1976, zusammen mit seinem Freund Simao Cristino von weißen Siedlern ermordet wurde. Der Prozess der Seligsprechung der beiden Märtyrer läuft in Rom.
Das Heinrichsfest, das unter dem Jahresmotto des Erzbistums „Du bewegst die Welt“ stand, erinnerte in diesem Jahr in besonderer Weise an den aus Döringstadt stammenden Rudolf Lunkenbein. Das Jahresmotto griff der Bamberger Oberhirte auch in seiner Predigt auf.
Gössl sprach beim Festgottesdienst am Sonntag auf dem Domplatz vor mehreren hundert Gläubigen von einer „Hochgeschwindigkeitsmobilität“, die längst alle Lebensbereiche umfasse und die Menschen immer in Bewegung sein lasse: „Viele halten äußere Ruhe schon gar nicht mehr aus. Sie vergehen geradezu vor Langeweile“.
Vor diesem Hintergrund griff Gössl das Jahresmotto „Du bewegst die Welt“ auf. Es könne missverstanden werden, als wäre es ein Slogan für eine Fluggesellschaft oder ein Logistikunternehmen. Doch in Wirklichkeit sei das genaue Gegenteil gemeint: „Es geht um eine Bewegung, die aus einer großen Tiefe kommt, die jemand anstoßen kann, weil er fest verwurzelt ist, weil er Stand, Stabilität hat“, so der Erzbischof.
Auf die Menschen übertragen heiße das: „Es braucht die innere Ruhe, die Verwurzelung in Gott, damit unser Leben ertragreich werden kann, damit es erfüllt wird und Menschen in Bewegung bringen kann.“ Die Bistumspatrone Kaiser Heinrich und Kaiserin Kunigunde stünden für diese Überzeugung: „Sie haben eine Bewegung angestoßen, die auch nach 1000 Jahren noch spürbar ist und Früchte trägt. Und sie taten das nicht aus eigener Machtvollkommenheit, sondern aus der Tiefe ihres Glaubens heraus.“
Ebenso erinnerte Gössl an Pater Rudolf Lunkenbein und dessen Freund Simao vom Stamm der Bororo. Beide wurden im brasilianischen Meruri erschossen, weil sie sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung eingesetzt hatten. Gössl würdigte ihren Mut und ihre Glaubensüberzeugung. Obwohl sie um die Gefahr gewusst hätten, seien sie nicht in Angst erstarrt, sondern hätten „einen Teil dieser Welt zum Guten hinbewegt“.
Zum Jahrestag des Martyriums hielt sich eine Delegation aus Brasilien im Erzbistum auf (einen ausführlicher Bericht dazu lesen Sie in der nächsten Ausgabe).
„Kaiser Heinrich und Kaiserin Kunigunde, Pater Rudolf Lunkenbein und Simao Bororo – sie haben Menschen bewegt und tun das bis heute: zu völlig unterschiedlichen Epochen, unter total verschiedenen Umständen – aber immer aus der tiefen inneren Verbindung mit Jesus Christus, dem Herrn“, sagte der Erzbischof und fügte hinzu: „Auch wir können die Welt bewegen, aber nicht indem wir rast- und ruhelos herumhetzen, um möglichst viel zu erleben, sondern nur, wenn wir bereit sind, in die Tiefe zu wachsen, wenn wir unsere Wurzeln ausstrecken hin zu Christus, der Leben schenkt, das nicht einmal der Tod auslöschen kann.“
Für Erzbischof em. Dr. Ludwig Schick war es am Sonntag ein besonderer Gottesdienst, wie Erzbischof Herwig Gössl zu Beginn des Gottesdienstes betonte. So wurde Schick auf den Tag genau vor 28 Jahren in Fulda zum Bischof geweiht.
Nach dem Festgottesdienst bestand die Möglichkeit, bei strahlendem Sonnenschein Stände der Verbände, Vereine und Einrichtungen des Erzbistums zu besuchen und bei deren vielfältigen Aktionen mitzumachen. Ein Wasserspielplatz lud zum Abkühlen auf dem Domplatz ein.
Auf der Domplatzbühne wurde ein abwechslungsreiches Programm mit Musik, Tanz, Kampfsport und Showakrobatik geboten.
Talkrunde
Zum Programm gehörte aber auch eine Talkrunde, bei derPater Rudolf Lunkenbein im Mittelpunkt stand. In kurzen Worten erinnerte Domkapitular Dr. Norbert Jung an das Leben des Salesianerpaters aus Döringstadt. „Er hat nie klein beigegeben, obwohl er um die Gefahr wusste, in der er sich befand“, so Jung. Und der Domkapitular betonte mit Blick auf das Leben des Missionars: „Wir alle müssen missionieren. Wir sind als Christen in die Welt gesandt, um die Botschaft Jesu zu verbreiten. Es kommt nur auf die Methode an.“ So wie einst Rudolf Lunkenbein als Missionar in Brasilien, so müsse man sich heute fragen, was für die Menschen hilfreich sein könne.
So sei Pater Lunkenbein zu einem Brückenbauer zwischen den Kulturen geworden, ohne die jeweils andere zu zerstören, sondern sie vielmehr zukunftsfähig zu machen.
Christian Lunkenbein war von seinem Onkel getauft worden, kann sich aber nach eigener Aussage kaum noch an ihn erinnern. Stolz zeigte er sich, dass sein Onkel in Brasilien als Märtyrer besonders verehrt wird. Er selber wird an der Reise nach Brasilien teilnehmen. „Ich freue mich wirklich, wieder an der Wirkungsstätte meines Onkels sein zu können.“
Mit Blick auf ihren Aufenthalt im Erzbistum Bamberg betonten zwei Mitglieder der brasilianischen Delegation, dass es ihre Intension gewesen sei, die Orte kennenzulernen, wo Rudolf Lunkenbein aufgewachsen ist. „Ich bin dankbar, dass ich auf seinen Spuren unterwegs sein konnte.“
Sein Volk, so ein Brasilianer, habe Lunkenbein zu verdanken, dass es heute noch besteht. Denn ursprünglich hatten die Bororos beschlossen, auszusterben. Doch durch seinen Einsatz habe der Missionar ihnen Mut und Hoffnung gegeben.
Nach den Worten von Dr. Norbert Jung könne Pater Rudolf Lunkenbein auch für die Christen ein Vorbild sein. „Von ihm können wir lernen, Hoffnung mitzunehmen auch in hoffnungslosen Situationen. Und aus unserem Glauben heraus können wir den Mut schöpfen, positiv in die Zukunft zu gehen.“ Und man könne von Lunkenbein Inkulturation lernen. „Auch wenn etwas fremd ist, können wir uns fragen, was davon für die Entwicklung der Kirche interessant und gut ist.“
Mit Blick auf den laufenden Seligsprechungsprozess sagte Jung, dass man „gut im Rennen“ sei und die restlichen Schritte eigentlich nur noch Formsache seien.
Bevor das Heinrichsfest mit der Pontifikalvesper endete, stand ein Auftritt des Chors „Happy Together“ auf dem Domplatz auf dem Programm.
