Managua (KNA) – Seit Tagen gibt es in Nicaragua keine Informationen darüber, wo sich der zwischenzeitlich verhaftete emeritierte Bischof des Bistums Estelí, Abelardo Mata Guevara, befindet. Nun schaltete sich mit der Panamerikanischen Menschenrechtsorganisation (CIDH) eine der ranghöchsten Institutionen dieser Art auf den amerikanischen Kontinenten ein.
Die zur Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) gehörende CIDH zeigte sich in einer am Donnerstag (Ortszeit) verbreiteten Stellungnahme besorgt über die Verfolgung der katholischen Kirche in dem mittelamerikanischen Land. Mata war nach CIDH-Informationen am 29. Juni mit den Priestern Rigoberto Delgadillo Sánchez von der Pfarrei Divino Niño und Francisco Morales von der Pfarrei Cruz del Calvario sowie Diakon Wilfredo Arauz Rodríguez festgenommen worden.
Gut 70 Stunden in Polizeigewahrsam
Nach einer zweiten Festnahme soll Bischof Mata freigelassen, aber unter Hausarrest gestellt worden sein. Das Innenministerium habe am 4. Juli mitgeteilt, dass gegen den 80-Jährigen ermittelt werde, doch gebe es keine unabhängigen Informationen, anhand derer sich der Aufenthaltsort oder der Gesundheitszustand des Bischofs überprüfen ließe, kritisierte die CIDH. Angesichts des hohen Alters und von Vorerkrankungen des Bischofs sei das besorgniserregend.
Zuvor hatten nicaraguanische Exil-Medien berichtet, dass Mata gut 70 Stunden in Polizeigewahrsam gewesen sein soll. Vorangegangen war ein Gottesdienst, in dem der Bischof um Gebete für eine vom Staat verfolgte Kirche bat. Mata wurde zunächst verhaftet und mehrere Stunden verhört, dann aber wieder freigelassen. Eine zweite Verhaftung folgte wenig später.
Ministerium verweist auf Ermittlungen
Laut einer offiziellen Mitteilung des Innenministeriums handelte es sich um Ermittlungen zu "Vermögensverhältnissen und familiären Bindungen, die mit dem Priesteramt unvereinbar sind". Weil es seitdem keine Nachricht von Bischof Mata gibt, wächst die Besorgnis in seinem Bistum.
Die linksgerichtete Regierung in Managua geht seit Jahren gegen kirchliche Vertreter und deren Institutionen vor. Zudem wurde tausenden Nichtregierungsorganisationen die rechtliche Grundlage für ihre Arbeit entzogen.
Krise schwelt seit 2018
Die schwere Krise in Nicaragua begann 2018, als Studenten zunächst gegen eine mutmaßlich von der linksgerichteten Regierung geduldete oder initiierte Brandrodung in einem Naturschutzgebiet auf die Straßen gingen. Schnell weiteten sich die Demonstrationen zu landesweiten Protesten aus. Die Regierung von Daniel Ortega schlug die Demonstrationen mit brutaler Gewalt nieder. Pfarrer und Bischöfe öffneten ihre Kirchen, damit die Demonstrierenden Schutz vor den Polizeikugeln finden konnten.
Seitdem ist das Verhältnis zwischen Staat und Kirche stark angespannt. Mehrere Priester und Bischöfe wurden verhaftet, verurteilt und ins Exil gezwungen. Ordensgemeinschaften wurden enteignet und verpflichtet, das Land zu verlassen.
