Wiesbaden/Berlin (KNA) – Nicht nur die Mütter, auch die Väter haben ihr Erwerbsverhalten geändert, seitdem es einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für unter dreijährige Kinder gibt. Während Mütter ihre Erwerbstätigkeit erhöhten, nahmen Väter häufiger Elternzeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch vorgestellte Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB).
Die Studie untersucht nach eigenen Angaben die Auswirkungen des Ausbaus der Kindertagesbetreuung auf Elternzeiten und Erwerbstätigkeit von Müttern und Vätern. Grundlage sind demnach rund 94.000 Beobachtungen von Familien mit Kindern im Alter von 12 bis 35 Monaten aus der Kinderbetreuungsstudie des Deutschen Jugendinstituts, verknüpft mit regionalen Daten zum Ausbau der Kita-Betreuungsplätze. Die Daten wurden zwischen 2012 und 2022 erhoben.
Verlässliche Betreuungsangebote
Auf jeweils zehn neu geschaffene Kita-Plätze für Kinder unter drei Jahren kamen demnach vier Väter mehr, die Elternzeit nahmen. Im weiteren Verlauf reduzierten Väter ihre Arbeitszeit leicht, wenn die Verfügbarkeit von Kita-Plätzen für Kleinkinder stieg. Gleichzeitig kehrten Mütter früher in den Arbeitsmarkt zurück und erhöhten ihre Erwerbstätigkeit.
Verlässliche Betreuungsangebote schüfen demnach Voraussetzungen dafür, dass Eltern Erwerbs- und Familienarbeit partnerschaftlicher organisieren können, so die Autoren der Studie. Die Untersuchung verdeutlicht, dass der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz und das Elterngeld als aufeinander abgestimmte familienpolitische Instrumente wirken. Wenn Eltern eher davon ausgehen könnten, nach dem ersten Geburtstag ihres Kindes einen Betreuungsplatz zu bekommen, dann ließen sich Elternzeiten und Rückkehr in den Beruf besser koordinieren.
Verteilung der Sorgearbeit
Unter diesen Bedingungen gehen laut Studie Väter häufiger zwei Monate in Elternzeit, meist wenn das Kind zwischen zwölf und 14 Monaten alt ist - also in der Phase, in der Kinder oft in die Kita übergehen. Mütter hingegen verkürzten ihre Elternzeiten. Im zweiten und dritten Lebensjahr des Kindes steige die Erwerbstätigkeit von Müttern deutlich, während Väter häufiger Teilzeit statt Vollzeit arbeiteten. Dadurch näherten sich die Arbeitszeiten beider Elternteile etwas an.
Die Forschenden wiesen gleichzeitig darauf hin, dass sich die Verteilung der Sorgearbeit innerhalb der Familie bislang kaum verändert habe. Dies liege auch daran, dass Veränderungen gesellschaftlicher Rollenbilder Zeit benötigten. Einstellungen zur Kinderbetreuung und Sorgearbeit wandelten sich langsamer als das Erwerbsverhalten von Eltern.
