· 

Pflege wird für Heimbewohner teurer - Kritik von Sozialverbänden

Berlin (KNA) – Bewohner von Pflegeheimen tragen einen immer höheren Eigenanteil. Wie der Verband der Ersatzkassen (vdek) am Dienstag in Berlin mitteilte, mussten sie zum 1. Juli im ersten Jahr durchschnittlich 3.364 Euro zuzahlen. Das sind 256 Euro mehr als im Juli 2025. Grund sind unter anderem steigende Personalkosten. Zugleich könnten geplante Reformen der Bundesregierung die Heimbewohner noch stärker belasten. Kassenverband, Patientenschützer und Sozialverbände kritisierten die Entwicklung.

 

Die vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner sagte, der Anstieg der Pflegekosten gehe zulasten der Betroffenen. Dass Pflegekräfte gut bezahlt würden, sei richtig. "Doch es kann nicht sein, dass das zu immer stärkeren Belastungen der Pflegebedürftigen führt", sagte sie. Elsner verlangte von den Ländern, Investitions- und Ausbildungskosten vollumfänglich zu tragen. Dann müssten Pflegeheimbewohner im Durchschnitt 649 Euro weniger pro Monat zahlen.

 

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, erklärte, in den vergangenen zwei Jahren seien die Kosten für das erste Heimjahr trotz höherer Zuschüsse um rund 20 Prozent gestiegen. Jetzt plane die Regierung auch noch, die Entlastungszuschläge für Heimbewohner um sechs Monate nach hinten zu verschieben. "Das wird die Sozialhilfequote aber nur weiter nach oben treiben", sagte Brysch. Er forderte, die reinen Pflegekosten auf 1.000 Euro zu deckeln.

 

Pflege als "enormes Armutsrisiko"

 

Der Präsident der Diakonie Deutschland, Rüdiger Schuch, nannte Pflege "schon heute ein enormes Armutsrisiko". Ein Ende des Anstiegs der Zuzahlungen sei nicht in Sicht. Eigentlich müsse die geplante Pflegereform für faire und kalkulierbare Eigenanteile in der stationären Pflege sorgen. "Stattdessen verschlimmbessert die Koalition die Finanzprobleme, indem sie den Pflegebedürftigen, pflegenden Angehörigen und den Beschäftigten in der Pflege neue Lasten aufbürdet", sagte Schuch.

 

Die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier, bezeichnete die gestiegenen Heimkosten als "absolutes Alarmzeichen". Das dürfe die Bundesregierung nicht länger ignorieren, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Wer ein Leben lang gearbeitet und sich versichert habe, dürfe am Ende seines Lebens nicht auf Sozialhilfe angewiesen sein. "Das ist unwürdig und ein Skandal", sagte Engelmeier.

 

Unterschiede zwischen den Ländern

 

Ein Kostenanstieg ist laut den Ersatzkassen in allen Bundesländern zu verzeichnen. Am niedrigsten ist der monatliche Eigenanteil demnach in Sachsen-Anhalt mit durchschnittlich 2.891 Euro im ersten Aufenthaltsjahr, am teuersten in Bremen mit 3.761 Euro. Dass die Kosten so stark variieren, liegt laut dem Verband unter anderem am ungleichen Engagement der Länder bei den Investitionskosten und an unterschiedlichen Personalkosten.

 

Die Zuzahlungen setzen sich zusammen aus dem sogenannten Einrichtungseinheitlichen Eigenanteil für pflegerische Versorgung und Ausbildungskosten der Pflegekräfte. Hinzu kommen Anteile an Investitionskosten der Einrichtung sowie für Verpflegung und Unterkunft. Besonders stark stieg laut den Daten der Einrichtungseinheitliche Eigenanteil.

 

Milliarden sollen eingespart werden

 

Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer Reform der Pflegeversicherung. Nach den bislang bekannt gewordenen Plänen will Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) die in Stufen ansteigenden Entlastungszuschläge, die die Heimbewohner von der Pflegekasse erhalten, zeitlich strecken. Dies würde im nächsten Jahr 2,6 Milliarden Euro sparen, die nicht bei Pflegebedürftigen ankommen.