Rom/Menzingen (KNA) – Die traditionalistische Piusbruderschaft fordert vom Vatikan die Rücknahme der Kirchenstrafen, die gegen sie verkündet wurden. Nach Bischofsweihen ohne Papsterlaubnis war der Kirchenausschluss (Exkommunikation) der Beteiligten mitgeteilt worden, ferner wurden alle Mitglieder der Gemeinschaft vom Vatikan als schismatisch bezeichnet.
Wie die Priesterbruderschaft am Montag erklärte, hat sie bei der vatikanischen Glaubensbehörde gegen das von ihr veröffentlichte Dekret Einspruch eingelegt. Laut Kirchenrecht ist dieser Einspruch Voraussetzung für eine spätere Beschwerde. Mit Einreichung des Einspruchs wird zugleich die Aussetzung des Vollzugs der Strafen beantragt.
Die Gemeinschaft St. Pius X. schreibt: "Mit diesem Rekurs macht die Bruderschaft von dem Recht Gebrauch, das die Kirche jeder Person zuerkennt, die sich durch einen Verwaltungsakt verletzt sieht, dessen Berichtigung zu beantragen, und zwar in einem Geist des Respekts gegenüber der kirchlichen Autorität und in treuer Verbundenheit bezüglich der Gerechtigkeit, der Wahrheit und dem Wohl der Kirche."
Weihen trotz Veto aus dem Vatikan
Der Kirchenausschluss war eingetreten, als vier Priester der Bruderschaft am 1. Juli im schweizerischen Écône zu Bischöfen geweiht wurden. Bis zuletzt hatte der Vatikan die Traditionalisten beschworen, die Weihen abzusagen - auch der Papst in einem persönlichen Brief. Am Tag nach den Weihen veröffentlichte die vatikanische Glaubensbehörde das nun angefochtene Dekret. Darin erklärt sie die Weihen als schismatische Handlung, die laut Kirchenrecht die automatische Exkommunikation nach sich zieht.
Laut einer dem Dekret beigefügten Note sind zudem alle Kleriker der Gemeinschaft als Schismatiker zu betrachten und mithin aus der Kirche ausgeschlossen. Reuigen Mitgliedern der Bruderschaft ermöglicht der Vatikan unter bestimmten Bedingungen eine Rückkehr in die Kirche.
Nicht zum ersten Mal
Die Piusbrüder lehnen die meisten Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab. Streitpunkte sind vor allem Liturgie, Religionsfreiheit und Ökumene. Zudem beharren sie auf alten Formen des Gottesdienstes. Der Gemeinschaft gehören weltweit rund 800 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich.
Bereits 1988 waren nach der unerlaubten Weihe von vier Bischöfen ihr Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-1991), sowie die Geweihten durch den Vatikan exkommuniziert worden. Benedikt XVI. (2005-2013) hob diesen Kirchenausschluss zwar 2009 auf; zu einer Einigung über die theologischen Streitfragen kam es damals aber nicht. Die Piusbruderschaft existiert seither in einer kirchenrechtlichen Grauzone, sieht sich selbst aber als Teil der katholischen Kirche.
