· 

Pilotprojekt: Beerdigung durch Ehrenamtliche

Gang über den Friedhof: Der Nürnberger Stadtdekan Andreas Lurz (links) leitete den Kurs für die Ehrenamtlichen und setzte während der Ausbildung bewusst auf praktische Lernformen. Foto: Dominik Schreiner (eob)
Gang über den Friedhof: Der Nürnberger Stadtdekan Andreas Lurz (links) leitete den Kurs für die Ehrenamtlichen und setzte während der Ausbildung bewusst auf praktische Lernformen. Foto: Dominik Schreiner (eob)

Nürnberg (eob/hbl) – Das Erzbistum hat in einem Pilotprojekt erstmals Ehrenamtliche zu Begräbnisleitungen ausgebildet, um Pastoralteams bei der Durchführung von Trauerfeiern zu unterstützen und zu entlasten. Acht Teilnehmende absolvierten in den vergangenen Monaten ein Schulungsprogramm mit Präsenztagen, Online‑Modulen und Hospitationen. Ein vergleichbares Projekt gibt es seit einigen Jahren im Nachbarbistum Würzburg.

 

Bei einer Beauftragungsfeier in der Nürnberger Kirche St. Bonifaz bekamen die Frauen und Männer von Erzbischof Herwig Gössl ihre Urkunden überreicht und können ab sofort Trauerfeiern leiten. Begleitet wurde die Ausbildung von erfahrenen Seelsorgern, die den Ehrenamtlichen auch künftig als Supervisoren zur Seite stehen. Die Inhalte des Kurses reichten von liturgischen und organisatorischen Grundlagen über die Gestaltung von Ansprachen bis hin zur Trauerbegleitung. Auch ein Einkehrtag gehörte zu der Ausbildung.

 

Zahl der Trauerfälle steigt

 

Vor dem Hintergrund sinkender Zahlen hauptamtlicher Seelsorger und gleichzeitig steigender Bestattungszahlen verfolge das Erzbistum einen praxisorientierten Ansatz, um die pastoralen Kapazitäten in den Gemeinden zu sichern, erklärt Domkapitular Andreas Lurz, Leiter des Ausbildungskurses und Nürnberger Stadtdekan. Der Mangel ist vor allem in den Städten ein Problem. Die Ehrenamtlichen, die den Kurs durchlaufen haben, stammen überwiegend aus Nürnberg, aber auch aus der Nachbarstadt Fürth sowie aus einer Pfarrei in der Fränkischen Schweiz.

 

„Da Begräbnisleitungen keine Sakramente spenden, darf dieser Dienst von ehrenamtlichen Kräften übernommen werden“, fügt Lurz hinzu. Die Menschen in den Gemeinden könnten und wollten Verantwortung übernehmen. Die durchlaufene Qualifizierung solle sicherstellen, dass dies fachlich fundiert und einfühlsam geschieht, sagt der Geistliche.

 

Neben Einheiten zu liturgischen Grundlagen und rechtlichen Rahmenbedingungen setzte der Kurs bewusst auf praktische Lernformen: Die Teilnehmenden arbeiteten an fiktiven Trauerfällen, verfassten Ansprachen, wählten Liedgut aus und probten den Ablauf von Feiern — sowohl in der Aussegnungshalle als auch am Grab. Ergänzt wurden die Übungen durch seelsorgerliche Anleitung, Gespräche zur Trauerpsychologie und Reflexion persönlicher Motivationen.

 

Die Nürnbergerin Sylvia Suppmann kam durch ihre eigene Lebensgeschichte auf die Idee, Begräbnisleiterin zu werden: „Mein erster Todesfall war meine Mutter – da war ich 20“, erzählt sie im Gespräch. Später starb ihr Mann und hinterließ drei gemeinsame Kinder. Bewältigt hat Suppmann diese schwere Zeit durch ihren Glauben. Diese Erfahrungen möchte sie nun in die Arbeit mit anderen Trauernden einbringen, zu der sie sich mittlerweile immer stärker berufen fühlt: „Ich möchte erspüren, was die Angehörigen gerade brauchen – und ihnen Hoffnung mitgeben.“

 

Für Ausbildungsleiter Lurz steht fest, dass die Absolventinnen und Absolventen des Pilotkurses hochmotiviert sind, ihren Dienst „aus einer tiefen inneren Überzeugung heraus“ antreten und eine Bereicherung für die Seelsorge vor Ort darstellen. Das Erzbistum plant eine Evaluation des Projekts hinsichtlich der Übertragbarkeit auf andere Regionen, des Schulungsbedarfs und der Betreuungsstrukturen für Ehrenamtliche. Bei positiven Erfahrungen wird es aller Voraussicht nach schon bald weitere Ausbildungskurse für ehrenamtliche Begräbnisleitungen geben.

 

Bei der Beauftragungsfeier in St. Bonifaz sagte der Leiter des Seelsorgeamts im Bamberger Ordinariat, Domkapitular Martin Emge, eine Beauftragung von Ehrenamtlichen mit der Leitung von Begräbnissen habe es „bei uns so noch nicht gegeben“. Erzbischof Gössl bezeichnete den Dienst am Grab als einen besonders sensiblen Moment kirchlichen Handelns: „Wer gibt uns Worte angesichts des Unsagbaren, angesichts des Todes?“

 

Werke der Barmherzigkeit

 

Tote zu begraben, gehöre zu den Werken der Barmherzigkeit und sei ein „Liebesdienst für den verstorbenen Menschen“, fügte Gössl hinzu. Alle Versuche, Trost zu spenden, seien oft wenig hilfreich. Doch könne die Kirche Halt und Orientierung in einer existenziell bedrohlichen Situation geben. Der Erzbischof unterstrich besonders die Bedeutung der Predigt beim Begräbnis, in der Christus zu Wort kommen müsse und das Leben des Verstorbenen in Verbindung mit dem auferstandenen Herrn gebracht werden solle. Die Ehrenamtlichen rief er auf: „Hören Sie mehr zu, als Sie sprechen.“

 

Wer sich für den Begräbnisdienst ausbilden lasse, schenke den Trauernden Zeit, Nähe und Hoffnung – und leiste damit „einen unschätzbaren Beitrag für unsere Seelsorge“, sagte Gössl. Er dankte den ehrenamtlichen Begräbnisleitungen für ihr Engagement. Dies zeige, wie sehr Verantwortung und wichtige Aufgaben der Seelsorge in den Gemeinden von den Gläubigen mitgetragen würden. Ohne die Mithilfe von Ehrenamtlichen sei pastorale Arbeit „nicht mehr denkbar und auch nicht wünschenswert“, sagte der Erzbischof.