Hildesheim (KNA) – Das Ausmaß sexualisierter Gewalt im katholischen Bistum Hildesheim ist ersten Erkenntnissen einer Studie zufolge deutlich größer als bisher bekannt. Im Bistumsarchiv seien bislang Hinweise auf 84 mutmaßliche Täter seit 1945 gefunden worden, die in vorigen Studien nicht entdeckt worden seien, erklärten die beteiligten Forscher am Donnerstagabend bei einer Informationsveranstaltung in Hildesheim. Zusammen mit den 64 bereits bekannten Beschuldigten gebe es damit Hinweise auf 148 Tatverdächtige. Die Suche sei noch nicht abgeschlossen.
Wie viele Opfer sich hinter den einzelnen Fällen verbergen, ist laut den Forschern noch unklar. Klar sei allerdings, dass es deutlich mehr seien als die bislang bekannten rund 150 Betroffenen. Die Forscher betonten, dass es über die Zahl der bekannten Fälle hinaus ein großes Dunkelfeld gebe.
Auch Wilmers Amtszeit im Fokus
Die Studie untersucht sexualisierte Gewalt in dem norddeutschen Bistum von 1945 bis heute. Sie wurde im März vergangenen Jahres von Heiner Wilmer in Auftrag gegeben, der von September 2018 bis Juni dieses Jahres Bischof von Hildesheim war. Beteiligt sind Sozialwissenschaftler und Juristen aus Münster, Rostock, Heidelberg und Freiburg. Die Studie läuft noch bis April 2027.
Die Forscher kündigten an, dass die Studie auch den Umgang mit Missbrauch in der Amtszeit Wilmers bewerten werde. Ein Interview mit ihm stehe jedoch noch aus. Wilmer ist inzwischen Bischof von Münster und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Zum Bistum Hildesheim gehören gut 490.000 Katholiken zwischen Harz und Nordsee.
