Hamburg (KNA) – Wer seine eigenen Grenzen deutlich machen will, sollte laut Anselm Grün sein Nein nicht begründen. In einem Gastbeitrag bei "Christ & Welt" in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit" schreibt er: Sonst werde das Gegenüber immer neue Argumente finden, um die Begründungen zu widerlegen. "Man sollte klar, aber zugleich freundlich die roten Linien benennen", betont der Benediktinermönch und Bestsellerautor.
Um die Beziehung zum anderen nicht zu gefährden, könnte man laut Grün sagen: "Ich spüre, dass es für dich wichtig ist, wenn ich dir helfen würde. Aber leider kann ich das jetzt nicht. Ich könnte dir aber vielleicht ein andermal helfen oder dich auf andere Weise unterstützen."
Gerade in einer Zeit oft maßloser Erwartungen sei es notwendig, sich gut abzugrenzen. Das gelte "auch für uns selbst", so Grün: "Wir sollten den eigenen Anforderungen an unser Leben Grenzen setzen und nicht zu viel von uns erwarten." So sei die Kunst der Abgrenzung Bedingung für ein gutes Miteinander.
Die Angst vor einem Nein
Vor lauter Angst, andere mit einem Nein zu verletzen, sei es oft schwierig, sich abzugrenzen. "Doch eine klare Grenze schafft auch Klarheit in der Beziehung, und das ist wichtig, wenn diese dauerhaft Bestand haben soll", betont der Benediktiner. Erwartungen von außen, das Infragestellen der eigenen Werte, Projektionen von anderen und Emotionen könnten die eigenen Grenzen schnell ins Wanken bringen.
"Natürlich sollen wir empathisch sein mit einem Menschen, der leidet und weint", schreibt Grün. Doch der Blick auf sich selbst dürfe dabei nicht vernachlässigt werden: "Denn lassen wir die Emotionen des anderen zu nah an uns heran, beherrschen sie uns." Schließlich sei man ganz von den aggressiven oder depressiven Gefühlen des anderen bestimmt. "Sie können zu Hausbesetzern werden, die uns das eigene Hausrecht streitig machen", warnt der Pater.
