München/Manila (KNA) – Der Präsident des internationalen katholischen Hilfswerks missio München, Wolfgang Huber, setzt große Hoffnungen in die neue "Wahrheits- und Versöhnungskommission" auf den Philippinen. Sie soll für den Internationalen Strafgerichtshof, vor dem sich der frühere Präsident des Landes, Rodrigo Duterte, verantworten muss, die im sogenannten Antidrogenkrieg begangenen Tötungen dokumentieren. Die Kommission nimmt laut Mitteilung am 14. Juli ihre Arbeit auf.
Es sei zu beobachten, dass hier etwas in Bewegung gerate, sagte Huber am Dienstag in München. "Auch mit dem gerade angelaufenen Amtsenthebungsverfahren gegen Vizepräsidentin Sara Duterte kann der Gerechtigkeit Genüge getan werden - gesetzt den Fall, es gelingt, dass Recht und Gesetz zum Zuge kommen und keine Fehde zwischen verfeindeten Familiendynastien ausgetragen wird."
Im Grunde seien die Verbrechen von Rodrigo Duterte, die er in seiner Zeit als Bürgermeister von Davao und als Präsident des Landes gegenüber wohl mehreren Zehntausenden wehrloser Menschen begangen habe, mehr als ausreichend dokumentiert, so Huber. Für die Angehörigen der Opfer sei schon dessen Überstellung an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag von enormer Bedeutung gewesen.
Notwendige Arbeit auf den Philippinen
"Dass nun eine hochkarätig besetzte Kommission nicht locker lässt, um Wahrheit und Gerechtigkeit herzustellen, ist absolut notwendig", fügte der missio-Chef hinzu. Das Gremium setzt sich den Angaben zufolge aus fünf Personen zusammen und wurde seitens der katholischen Kirche durch Kardinal Pablo David auf den Philippinen im Mai ins Leben gerufen. Geleitet wird sie von einem ehemaligen Richter des Internationalen Strafgerichtshof.
Neben dem Vinzentinerpater Danny Pilario ist die Gerichtsmedizinerin Raquel Fortun Teil der Kommission. Sie hatte gemeinsam mit dem Steyler Missionar Pater Flavie Villanueva nachgewiesen, dass viele der ausgestellten Totenscheine der im Anti-Drogen Krieg Gestorbenen falsche Angaben enthielten und dass die Opfer keines natürlichen Todes gestorben waren.
Die Menschenrechtslage auf den Philippinen ist bis heute und auch unter der Präsidentschaft von Ferdinand Marcos Jr. besorgniserregend: Die Gesellschaft ist weiter zerrüttet durch Armut, Gewalt und Drogen, durch Kinderprostitution und die Missachtung der Kinderrechte, durch Einschränkungen der Pressefreiheit und politische Repressionen. Die Philippinen sind ein Schwerpunktland, in dem missio München Projekte fördert.
