Frankfurt (KNA) – Ein Forscher hält Vielfalt bei der Demokratiearbeit für entscheidend. "Es braucht eine stärkere Förderung der Demokratiearbeit in Regelstrukturen, in der Schule, in der Jugendhilfe, in der sozialen Arbeit", sagte Maximilian Pichl, Rechtswissenschaftler und Mitarbeiter des Forschungsprojekts "Orte der Demokratie", der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Allerdings dürfe man dies nicht gegen die bisher bestehenden Projekte ausspielen, "die eine bundesweite Qualifizierung und Begleitung ermöglichen".
Demokratiearbeit umfasst etwa Projekte und Angebote, in denen Menschen lernen, mit unterschiedlichen Meinungen umzugehen und gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Dafür braucht es nach Worten Pichls etwa Jugendzentren, Vereine oder Stadtteilprojekte. Fachkräfte vor Ort hätten oft jedoch nicht die Zeit, sich umfangreich weiterbilden zu können. "Das heißt, sie sind darauf angewiesen, dass es Leute gibt, die ihnen auch unterstützend zur Seite stehen und sie begleiten."
Streichungspläne für "Demokratie leben!"
Das Bundesfamilienministerium plant derzeit, die Förderung für rund 200 Projekte des Programms "Demokratie leben!" zu streichen und die Gelder stärker in Regelstrukturen zu investieren, also etwa an Schulen. Dabei drohe viel Expertise verloren zu gehen, "die wir nicht wieder reinholen können".
Pichl befürchtet, dass zusätzliche Mittel in Schulen oder sozialen Einrichtungen vor allem bestehende Personal- und Strukturprobleme auffangen würden. Für gezielte Demokratiearbeit bliebe dann womöglich weniger Zeit und Raum. "Und das, was Demokratiearbeit ist, fällt runter", mahnte der Forscher. "Wenn wir sagen, wir stecken das Geld in die Regelstrukturen, dann kann das dort auch versickern."
