Berlin/Magdeburg (KNA) – Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September äußert sich die Geschäftsführerin des dortigen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden, Rimma Fil, besorgt. Verstecken wollten sich Jüdinnen und Juden aber nicht, sagte Fil im Interview der "Jüdischen Allgemeinen".
"Viele Menschen stehen an der Seite der jüdischen Gemeinden - sie bilden die Mehrheit. Doch eine Minderheit ist besonders aktiv und aggressiv." Fil kündigte an, dass die Gemeinden in Sachsen-Anhalt mehr Präsenz zeigen sowie jüdische Kultur und Werte sichtbarer machen wollten: "Eine offene Tür ist unsere Antwort."
Ins Gespräch kommen
Fil betonte: "Für uns ist es wichtig, dass Begegnungen weiterhin möglich bleiben. In der Gesellschaft gibt es viele Vorurteile und offene Fragen. Deshalb müssen wir mit den Menschen ins Gespräch kommen." Jüdinnen und Juden wollten keineswegs "Sonderrechte oder eine Sonderstellung". Sie wünschten sich Frieden und Respekt.
Es könne passieren, dass die AfD bei der Landtagswahl die meisten Stimmen erhält. "Allein das ist schon ein Grund für schlaflose Nächte", so Fil. Insgesamt seien extremistische Narrative gefährlich. "Erschreckend ist auch, dass Menschen selbst fast 100 Jahre nach dem Holocaust offenbar nichts daraus gelernt haben. Alle rechten Kräfte sind sehr aktiv, und die AfD liegt aktuell bei mehr als 40 Prozent."
In dem am Dienstag vorgestellten bundesweiten Verfassungsschutzbericht für 2025 wird die Partei weiter als Verdachtsfall eingestuft. Eine Gerichtsentscheidung zur Einstufung als "gesichert rechtsextremistisch" steht noch aus.
Wahlsieg noch kein politischer Erfolg
Ein Wahlsieg bedeute noch keinen politischen Erfolg, sagte Fil. "Ohne Strukturen, ohne Expertise und ohne Verwaltungskompetenz bleiben viele dieser Narrative politische Parolen oder Propaganda." In Sachsen-Anhalt seien sowohl der "traditionelle rechtsextreme" als auch der israelbezogene Antisemitismus stark ausgeprägt.
