Écône (KNA) – Vor vielen tausend Teilnehmern haben die traditionalistischen Piusbrüder am Mittwoch vier Priester ihrer Gemeinschaft in der Schweiz zu Bischöfen geweiht - gegen das ausdrückliche Verbot von Papst Leo XIV. Damit sind die Beteiligten, also bisherige wie neue Bischöfe, laut dem Kirchenrecht automatisch exkommuniziert, also aus der katholischen Kirchengemeinschaft ausgeschlossen.
Eindringlich hatte der Papst die erzkonservative Gemeinschaft am Dienstag noch einmal beschworen, die Weihen abzusagen. Stattdessen sprach ihm der Leiter der Piusbruderschaft zu Beginn der Bischofsweihe faktisch die kirchliche Autorität ab.
Normalerweise wird zu Beginn einer Bischofsweihe der Auftrag des Papstes verlesen. Da dieser fehlte, erklärte der Generalobere Davide Pagliarani schriftlich: Da die römischen Institutionen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) von einem Geist beseelt seien, der der wahren Tradition der Kirche entgegenstehe, sehe man sich in der Pflicht, Bischöfe in der wahren Gesinnung zu weihen.
"Strafen Roms haben keinerlei Gültigkeit"
Alle Strafen und Zensuren, die gegen die Weihen ausgesprochen werden, besitzen nach der ausdrücklichen Auffassung des Generaloberen "keinerlei Gültigkeit". 1988 war am Tag nach der ersten Bischofsweihe der Piusbrüder ein vatikanisches Dekret gefolgt, das die mit der Tat automatisch eingetretene Exkommunikation bestätigte. Kirchenrechtler rechnen mit einem ähnlichen Prozedere Roms auch für dieses Mal.
Die Traditionalisten lehnen entscheidende kirchliche Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab. Streitpunkte sind vor allem Religionsfreiheit, Ökumene und Formen des katholischen Gottesdienstes. Eine theologische Einigung war seither in keiner Phase möglich.
