Berlin (KNA) – Der scheidende Beauftragte der Bundesregierung gegen Antisemitismus, Felix Klein, dringt auf die Einrichtung eines deutsch-israelischen Jugendwerkes. Das sei nötig, und Deutschland sei seit Jahren bereit für einen solchen Jugendaustausch, sagte Klein im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Er appelliere an die israelische Seite, "sich nun auch zu bewegen. Immerhin hat das Thema schon die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel beschäftigt."
Klein setzt im Vorgehen gegen Antisemitismus auf Aufklärung schon in jungen Jahren. "Wir müssen bereits im Vorschulalter ansetzen, und ich bin froh, dass Bundesfamilienministerin Karin Prien entsprechend engagiert ist." Einen selbstverständlichen Umgang mit Minderheiten und anderen Religionen zu lernen, sei "auch im Sinne einer Integration von muslimischen Kindern". In Schulbüchern werde mittlerweile jüdisches Leben mehr thematisiert, und es werde gegen Klischees vorgegangen.
Kritik: Zu wenig Lehrmaterial zum 7. Oktober
Mit Blick auf den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 gebe es zwar entsprechendes Lehrmaterial, aber bisher zu wenig, kritisierte Klein. "Wir müssen viel stärker vorbeugend handeln und Lehrinhalte auch kontinuierlich online anpassen. Da sehe ich die Bildungsverwaltungen und die Kultusministerien in einer Bringschuld."
Nach acht Jahren scheidet Klein Ende August aus dem Amt. Er war der erste Beauftragte der Bundesregierung dieser Art und trat sein Amt am 1. Mai 2018 an. Künftig leitet Klein die Ständige Vertretung Deutschlands bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris. Über seine Nachfolge in Berlin ist noch nicht entschieden.
