Bonn (KNA) - Der Erfurter Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann hat sein Unverständnis über die vatikanische Ablehnung einer Ausnahmegenehmigung für die Laienpredigt in Deutschland ausgedrückt. Die Argumentation falle in Muster zurück, "die eigentlich, wenn man in der Kirche so sehr Synodalität und Partizipation wünscht, überwunden sein müssten", sagte er in einem katholisch.de-Interview.
Er führte aus, für den Priester werde gesagt, dass die Vorbereitung und das Halten der Predigt einen integralen Bestandteil seines priesterlichen Dienstes und seiner Spiritualität ausmache. "Wie ist das denn bei Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und -referenten? Gehört das nicht auch zu deren Dienst und Spiritualität?", fragt der Theologe.
Eine Arbeitsgruppe im Rahmen der Weltsynode arbeite an der Frage, wie synodale Liturgie aussehen müsste. Dazu hat Kranemann ganz konkrete Vorstellungen: In einer synodalen Liturgie müsste gemeinschaftliche Partizipation stärker verwirklicht werden. Eine neue Rollenverteilung mit mehr Mitwirkung im Gottesdienst für alle Gläubigen und unterschiedlichen Perspektiven auf Schrifttexte gehören aus seiner Sicht dazu. Eine synodale Liturgie müsse sicherlich eine Liturgie sein, in der auch Nichtordinierte die Möglichkeit hätten, die Predigt zu halten", so der Liturgiewissenschaftler.
"Rückschlag" aus Rom
Das Schreiben von Liturgiepräfekt Arthur Roche sei "schon ein Rückschlag", den er besonders mit Blick auf seine Studierenden bedauere, "die sich auf die Schriftauslegung umfassend vorbereiten und qualifiziert sind, die Homilie aber später als sogenannte 'Laien' nicht halten dürfen".
Insgesamt halte er es für "wirklich bedenklich", dass die Spannung zwischen dem, was der Vatikan vorschreibe, und dem, was in der Praxis geschehe, bleiben werde: "Das, was mittlerweile über Jahrzehnte in Deutschland und anderen deutschsprachigen Ländern eingeübt wurde und sich bewährt, wird nicht gewürdigt", so Kranemann. Doch die Entwicklung werde sich nicht zurückdrängen lassen. Er befürchte, dass solche Schreiben dazu beitragen könnten, Konkurrenzverhältnisse zwischen Ordinierten und Nichtordinierten aufflammen zu lassen.
Eine "paradoxe Situation" erkennt Kranemann mit Blick auf Frauen: "Frauen kommen nicht zum Zug - und das nach all den Diskussionen und Bekundungen, die Rolle der Frauen in der Kirche stärken zu wollen."
