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Theologin: Vatikan ignoriert theologischen Erkenntnisfortschritt

Bonn (KNA) – Die Bochumer Theologin Gunda Werner hat Kardinal Walter Kaspers Kritik an der deutschsprachigen Theologie zurückgewiesen. Christologie und Ekklesiologie seien nicht losgelöst voneinander zu betrachten, sagte sie dem kirchlichen Internetportal katholisch.de: "Wenn Kirche ein Sakrament der Gegenwart Gottes bei den Menschen sein soll, wie 'Lumen gentium' I formuliert, und das christologisch begründet wird, dann stehe ich als Dogmatikerin einigermaßen ratlos davor, wenn Christologie und Ekklesiologie als Gegensatzpaar aufgebaut werden."

 

Die Dogmatikerin reagiert damit auf Kaspers Vorwurf, die deutschsprachige Theologie sei in weiten Teilen christologievergessen. Der 93-Jährige hatte auch das deutsche Reformprojekt Synodaler Weg kritisiert: "Man hofft, damit die ganzen Probleme der Kirche lösen zu können, indem man sie demokratischer macht."

 

Hinter Kaspers Kritik am Synodalen Weg steckt laut Werner ebenfalls die Vorstellung, dass sich Christologie und Ekklesiologie trennen ließen: "Hier Christus, da die Ämterfrage." Dabei könne man nicht anders, als beides zusammen zu diskutieren: "Eine völlig abstrakte Christologie zu erforschen, ist schwierig, weil es in der Theologiegeschichte immer Wechselwirkungen zwischen kirchlicher Realität, der Entwicklung der Ämter und dem Verständnis von Christus gab." Außerdem stelle sich die Frage, was eine rein abstrakte Christologie mit dem konkreten Leben der Menschen und der Kirche zu tun habe.

 

Werner: Römische Dokumente theologisch flach

 

Werner verband ihre Verteidigung der Vorgehensweise in Deutschland mit Kritik an der Rezeption theologischer Erkenntnisse im Vatikan. Sie bilanziert, es gebe "eine massive Spannung zwischen der intellektuellen und akademischen Komplexität der Theologie und dem, was die amtliche Lehrverkündigung daraus macht - oder nicht macht". Die akademische Theologie arbeite international vernetzt und komplex. Dabei verbinde sie unterschiedliche Argumentationsmöglichkeiten und Denkformen, wobei sie aus einer umfangreichen Quellenbasis argumentiere, die weit über die Kirchenväter hinausgehe und gegenwärtige Erkenntnisse aufnehme.

 

Auf der anderen Seite gebe es die römischen Dokumente, "die dem gegenüber intellektuell abfallen und sich im Wesentlichen selbst zitieren", so die Theologin. Die Dogmatikerin forderte: "Es ist an den Verfassern römischer Dokumente, und hier muss man nicht gendern, sich endlich auf das Niveau einer akademischen Theologie zu begeben, und nicht umgekehrt."

 

Papst Franziskus' Enzyklika "Laudato si" sei kein Einzelfall, wenn nach einer sorgfältigen Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen ein theologischer Teil beginne, der "einen enormen Absturz in der akademischen Dichte" aufweise. "Der theologische Erkenntnisfortschritt wird einfach nicht zur Kenntnis genommen, so Werner. Vieles, was aus Rom verlaute, sei historisch, exegetisch, dogmatisch, philosophisch nicht haltbar.