Kronach (hs) – Mit der Dank- und Bitt-Prozession gedenkt man in Kronach der Rettung vor den Wirren des Dreißigjährigen Krieges und der erfolgreichen Abwehr der schwedischen Belagerung. Als nördlichstes Bollwerk des Bistums Bamberg oftmals angegriffen, stand Kronach 1634 einer Übermacht an Angreifern gegenüber. Als die Männer vom Kampf ermüdet aufgeben wollten, schlug die Stunde der tatkräftigen Frauen. Bewaffnet mit Pflastersteinen und kochendem Wasser aus den Brauhäusern verteidigten sie ihre Stadt und schlugen die Gegner in die Flucht. Jahr für Jahr lösen die Kronacher seitdem ihr damals gegebenes Versprechen ein und machen den Sonntag nach Fronleichnam zum „Schwedensonntag“. In Würdigung der tapferen Frauen schreiten noch heute die Frauen vor dem Allerheiligsten – so wie bei der allerersten Prozession 1634.
„Wenn wir am Schwedensonntag gemeinsam mit der Monstranz hinaufzögen zur Festung, dann führe uns dies“, so Stadtpfarrer Albert Müller, „an einen Ort, der im Krieg seinen Ursprung gefunden habe“. Erbaut als Verteidigungsanlage, habe die Festung im 30-jährigen Krieg die Aufgabe gehabt, eine Position des Glaubens zu verteidigen; sei doch der Schwedenkrieg ein Glaubenskrieg gewesen. Am Schwedensonntag werde das Bollwerk jedoch zum Verkündigungsort für die Botschaft des Friedens und des Glaubens an die Liebe, bekundete der Stadtpfarrer beim Fest-Gottesdienst, den er gemeinsam mit Kaplan Dr. Marco Weis in der Stadtpfarrkirche zelebrierte. Nachdem sich im katholischen Seelsorgebereich das Leitbild „Demokratie und Kirche“ durch das ganze Jahr ziehe, griff er dieses auch in seiner Predigt auf.
Im Kontext des Spannungsverhältnisses zwischen Staat und Kirche, basierend auf dem Prinzip der Trennung bei gleichzeitiger Partnerschaft, warf er Fragen in den Raum wie: „Wie viel Kirche verträgt Demokratie?“, „Wieviel Christentum verträgt eine Gesellschaft?“ oder „Wie viel Jesus brauchen wir oder gönnen wir uns?“ Und das in einer Gesellschaft, die immer säkularer werde. An Fronleichnam und am Schwedensonntag demonstriere man der Öffentlichkeit, dass unsere Gesellschaft nicht nur ein bisschen Jesu brauche, sondern wir offenbarten unseren Glauben in voller Pracht, die gesehen werden solle.
