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Als starker Akteur soziale Verantwortung leben

Wie die Weinstöcke soll die Stiftung  gedeihen: Vorstandschef Stefan Bothe (3.vl) und Vorstand Dirk Liebherr erhielten Geschenke von Landespräses Christoph Wittmann (2. vl). Mit im Bild die Diözesanpräsides Burkhard Farrenkopf (l) und Jens Johanni.
Wie die Weinstöcke soll die Stiftung gedeihen: Vorstandschef Stefan Bothe (3.vl) und Vorstand Dirk Liebherr erhielten Geschenke von Landespräses Christoph Wittmann (2. vl). Mit im Bild die Diözesanpräsides Burkhard Farrenkopf (l) und Jens Johanni.

Bamberg (buc) – Die Kolping-Bildungswerke des Bistums Würzburg und der Erzdiözese Bamberg haben sich zum Kolping-Bildungswerk Franken in der Rechtsform einer Stiftung zusammengeschlossen. Der Gründungsfestakt fand in Nürnberg statt, wo die neue Stiftung auch ihren Sitz haben wird. Es ist der bundesweit erste Zusammenschluss dieser Art. Vorstandsvorsitzender ist der bisherige Leiter des Würzburger Bildungswerks, Stefan Bothe. Sein Bamberger Kollege Dirk Liebherr fungiert als Vorstand.

 

Die Stiftung umfasst Einrichtungen etwa zur Jugendhilfe, Berufsförderung oder zur Integration Geflüchteter an 30 Standorten mit etwa 1000 Mitarbeitenden. Unter dem gemeinsamen Dach sollen unter Beibehaltung regionaler Strukturen die Aktivitäten gebündelt und Organisationseinheiten zentral gesteuert werden. „Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, um langfristig erfolgreich zu sein“, so die Stiftung. „Als ein großer und starker Akteur können wir noch besser soziale Verantwortung leben, Innovation fördern und nachhaltige Wirkung erzielen – in unserer täglichen Arbeit und für die Menschen, für die wir uns einsetzen.“

 

Weinstock braucht Fürsorge

 

Den Gottesdienst zur Gründungsfeier in der Nürnberger Allerheiligenkirche leitete der bayerische Kolping-Landespräses Christoph Wittmann. Als Symbole für die künftige Arbeit überreichte er Bothe und Liebherr jeweils einen Weinstock. Die Gründung geschehe nicht im luftleeren Raum, sondern auf einem festen Fundament, unterstrich Wittmann. Nun komme es darauf an, dass die Triebe austrieben, dass etwas zum Wachsen komme. „Ein Weinstock braucht viel Fürsorge, weil nicht alle Reben fruchtbar sind. Manche Tätigkeiten rauben vielleicht mehr Energie, als sie Frucht bringen“, so der Landespräses.

 

Wittmann verwies auf das generelle Anliegen des Kolpingverbands, der bundesweit rund 200 000 Mitglieder hat: das Werk ihres Gründers weiterzuführen und seine Werte immer wieder neu in die Gegenwart hineinzuinterpretieren. Adolph Kolping (1813-1865) war als katholischer Priester vor allem um die Verbesserung der sozialen Situation junger Handwerker bemüht. „Gesellenvater“ Kolping hat die katholische Soziallehre entscheidend mitgeprägt. Er wurde im Jahr 1991 seliggesprochen.

 

„Der Winzer ist Gott selber“, fügte Wittmann hinzu. „Er wirkt das Seine.“ Der Kolpingverband sei ein geistliches Werk, so der Eichstätter Diözesanpriester. „Wir glauben, dass wir durch den Geist Gottes immer wieder neue Perspektiven bekommen.“ Den Gottesdienst leitete Wittmann gemeinsam mit den beiden Kolping-Diözesanpräsides Jens Johanni aus Würzburg und Burkhard Farrenkopf aus Bamberg. Für die stimmungsvolle musikalische Untermalung sorgte Liedermacher Jo Jasper, der unter anderem das Kolpinglied „Wir sind Kolping“ verfasste.

 

Über Jahre vorbereitet

 

Beim anschließenden Gründungsfest in der evangelischen Jugendkirche „Lux“ betonte Vorstandschef Stefan Bothe, die Fusion sei die Antwort auf die Frage, wie sich die Kolping-Bildungsarbeit für die Menschen vor Ort auch in Zukunft sichern lasse. Die Gründung der Stiftung und die Übertragung der Unternehmensanteile der beiden Bildungswerke war rund zweieinhalb Jahre lang vorbereitet worden. Die Fusion betrifft nicht die Kolping-Diözesanverbände selbst. Die Bildungsarbeit macht aber einen guten Teil von deren Engagement aus. Bothe sagte, die regionale Identität der Kolping-Bildungsarbeit solle nicht verlorengehen. Es gehe darum, „Kräfte zu bündeln und Zukunft zu gestalten“. Die Stiftung sei in der Kolpingwelt bisher einmalig. „In einer Zeit, in der vieles auseinanderdriftet, setzen wir auf Zusammenarbeit.“

 

Glückwünsche kamen von der Kolping-Bundesvorsitzenden Klaudia Rudersdorf und von Bundessekretärin Alexandra Horster, die eigens nach Nürnberg gereist waren. Der Zusammenschluss sei ein „wichtiger und richtiger Schritt“, so Rudersdorf. Horster sagte, Bildung dürfe nicht vom Zufall abhängen. Sie sei eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Per Video gratulierte Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König der neugegründeten Stiftung. Er verwies auf die Bedeutung von Bildung als einem „Rohstoff, der die Demokratie stärkt“. Persönlich anwesend war bei dem Festakt als Vertreterin der Stadt Sozialreferentin Elisabeth Ries.

 

Moderiert wurde die Festveranstaltung von der BR-Musikjournalistin Annekatrin Hentschel. In Talks mit einer Reihe von Kolping-Mitarbeitenden stellte sie mehrere Einrichtungen der Bildungswerke in Franken vor, darunter das Don-Bosco-Bildungszentrum in Würzburg und die Integrationsarbeit des Kolping-Bildungszentrums Ansbach. Der Nürnberger Kabarettist Bernd Händel sorgte mit seinen Beiträgen für Heiterkeit im Publikum, stimmte aber auch nachdenkliche Töne an: „Ohne Bildung geht nix, aber ohne Humor geht‘s noch viel weniger.“