Hamburg (KNA) – Die Zahl der Vertriebenen durch Naturkatastrophen und Extremwetterereignisse steigt deutlich - im vergangenen Jahr auf 13,6 Millionen statt zuvor 9,9 Millionen. Das geht aus einem am Freitag veröffentlichen Report im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace hervor.
Auch Kriege, die starken Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit sowie hohe Preise für fossile Energie und Kunstdünger verstärkten den Wegzug aus dem Globalen Süden, so die Studie der Uni Hamburg. Das weltweite Budget für Entwicklung und humanitäre Hilfe wurde demnach 2025 um fast ein Viertel zusammengestrichen, auf nun 175 Milliarden US-Dollar (152 Milliarden Euro).
Der Greenpeace-Migrationsexperte Fawad Durrani beklagt: "Während Familien im Globalen Süden ihre Heimat durch Klimakatastrophen verlieren, kürzen wohlhabende Nationen die Hilfsgelder." Die Industriestaaten müssten schneller werden beim Senken ihrer Emissionen und zugleich den am härtesten betroffenen Ländern helfen, sich an die Folgen der Klimakrise anzupassen.
Kein Trinkwasser mehr in Kabul
Zwei Fallbeispiele der Studie sollen die Auswirkungen von Klimakrise und weniger Entwicklungszusammenarbeit auf Migration zeigen. In Afghanistan etwa bedrohten abschmelzende Gletscher des Himalaya die Trinkwasserversorgung sowie die Bewässerung der Landwirtschaft. Auf extreme Dürren folgten katastrophale Überschwemmungen. In der Folge verließen viele Menschen ihre Heimat. Als erste Großstadt weltweit drohe Kabul sein Trinkwasser komplett zu verlieren.
In kaum einem Land wurden laut Greenpeace die Entwicklungsgelder der USA stärker zusammengestrichen als in der Demokratischen Republik Kongo. Flossen demnach 2024 noch 1,4 Milliarden US-Dollar in das zentralafrikanischen Riesen- und Krisenland, waren es im Fiskaljahr 2026 nur noch 21 Millionen Dollar (18 Millionen Euro). Ein internationales Forschungsteam habe den Effekt der plötzlichen Streichung auf die Entstehung von Konflikten untersucht und herausgefunden: Die relative Wahrscheinlichkeit für Konflikte sei signifikant gestiegen.
