Dallas (KNA) – Vor dem Spiel marschierte Felix Nmecha (25) mit einer Bibel in die Kabine, nach der Partie betete der deutsche Nationalspieler nach seinem überragenden WM-Debüt gemeinsam mit Bayern-Profi Jonathan Tah und zwei Spielern des Gegners Curaçao. "Wir sind im Spiel Gegner. Nach dem Spiel sind wir alle Christen und wir sind Brüder und dann haben wir einfach ein kleines Gebet zusammen gemacht", sagte Nmecha in der ARD zu der Szene.
Dass der Dortmunder seinen christlichen Glauben so offen zeigt, ist in der deutschen Nationalmannschaft oder der Bundesliga eher die Ausnahme. In anderen Ländern aber zeigen selbst Superstars ihre Nähe zum Christentum.
Ein Tattoo und die Hand Gottes
Auf dem linken Oberarm von Weltstar Lionel Messi ist deutlich ein großes Tattoo zu sehen. Es zeigt das Gesicht von Jesus Christus. Die Mannschaft des amtierenden Weltmeisters aus Argentinien hat traditionell eine Nähe zum katholischen Glauben und das nicht erst seit dem Pontifikat des aus Argentinien stammenden Papst Franziskus (2013-2025).
Diego Maradona bekreuzigte sich vor jedem Spiel und nach jedem wichtigen Tor. Sein berühmtes Handtor gegen England bei der WM 1986 soll seiner Lesart zu Folge durch "die Hand Gottes" möglich gewesen sein. Dass Franziskus selbst ein großer Fußballfan war, schweißte die argentinische Nationalmannschaft und den Papst während dessen Lebzeiten zusammen. In diese Zeit fällt übrigens auch die erfolgreichste Zeit der Albiceleste.
Fromme Brasilianer
Brasiliens Glamour-Star Neymar Jr. wiederum spielt nicht selten mit einem Stirnband, auf dem steht: "100 Prozent Jesus". Brasilianische Spieler, die in der Bundesliga spielten, warben in der Vergangenheit stets offensiv für ihren Glauben. So sagte Bundesliga-Profi und Vize-Weltmeister Zé Roberto während seiner ersten Zeit beim FC Bayern vor über 20 Jahren während eines Gottesdienstes in der Essener Grugahalle: "Gott hat mich in Brasilien aus dem Armenviertel geholt, damit ich hier von seiner Größe sprechen kann."
Der Brasilianer organisierte Bibelkreise und stieß damals in seiner Mannschaft auf Verwunderung. Die "Welt" berichtete in einem Beitrag 2003 von einer Erfahrung, die Zé Roberto machte, als er im Kreise seiner Mitspieler vor einer Mahlzeit ein Dankgebet sprach. Einer seiner Teamkollegen habe ihn gefragt, was das solle. "Ich danke Gott für das Essen", sagte Zé Roberto. Der Kollege habe geantwortet: "Wieso? Zahlt doch alles der FC Bayern."
Zé Robertos damaliger Nationalmannschaftskollege und Weltfußballer Kaká erklärte am Rande seines Rücktritts: "Die Welt heute kann dir jede Menge Möglichkeiten anbieten, aber allein Jesus kann dir das geben, was dir wirklich fehlt, nämlich einen Sinn in deinem Leben."
Erzbischof segnet Panamas Spieler
Auch während dieser Weltmeisterschaft spielt in christlich geprägten Ländern der Glaube eine große Rolle. So besuchte die gesamte Nationalmannschaft Panamas vor ihrem Abflug in Richtung Weltmeisterschaft einen Gottesdienst, bei dem der katholische Erzbischof José Domingo Ulloa Mendieta in der Kathedrale Santa María la Antigua die mittelamerikanischen Fußballer segnete. "Heute kommen Sie nicht nur als Fußballer. Sie kommen als das Gesicht eines ganzen Volkes, das von Ihnen träumt", sagte der Erzbischof von Panama-Stadt.
Ulloa Mendieta versuchte, eine Brücke zum gesellschaftlichen Leben zu bauen: Jeder Nationalspieler habe Opfer gebracht und Engagement gezeigt. Die Spieler hätten bewiesen, dass hinter jedem sportlichen Erfolg Geschichten von Anstrengung, Ausdauer und persönlicher Überwindung stünden. "Danke für jedes verborgene Opfer, das niemand sieht. Danke für das Training in den frühen Morgenstunden. Danke, dass ihr nicht aufgegeben habt, als die Kritik kam", sagte der Erzbischof.
Ein klein wenig dürften diese Worte auch für Felix Nmecha gelten, den immer wieder Verletzungen zurückgeworfen haben. Belohnt wurde er für seinen Kampfgeist mit einer starken Vorstellung beim 7:1 gegen Curaçao, zu dem er den ersten Treffer beisteuerte.
