
Bamberg (kem) – Mittwochabend vor Fronleichnam. In einem Garagenhof irgendwo in Stegaurach im Landkreis Bamberg steht es – noch völlig ungeschmückt, auf einem Pritschenwagen, festgezurrt mit Spanngurten: Das Heiligenbild, das Jesus als Gärtner mit der ihn anbetenden Maria Magdalena zeigt. Eigentlich steht diese Figur das ganze Jahr über im Bamberger Gärtner- und Häckermuseum in Bamberg. Doch eine Woche im Jahr hat sie ihren besonderen Auftritt – und sechs Männer der Oberen Gärtnerei ihre besondere Tradition.
Andreas Laufer, Michael Kräml, Sebastian M. Niedermeier sowie die Brüder Christian, Dominik und Wolfgang Mayer kennen sich schon von Kinderbeinen an. Sie wuchsen im Gärtnerviertel auf und waren wie ganz selbstverständlich auch zusammen mit ihren Familien Mitglieder der Gärtnerzunft – genauer im Oberen Gärtnerverein. Und als solche pflegten sie von klein auf ihre Traditionen, vor allem zu Fronleichnam. „Wir haben schon als Kinder kleine Fähnchen bei den beiden Fronleichnamsprozessionen getragen“, erinnert sich Andreas Laufer. „Später waren es dann die Zunftstäbe und als junge Erwachsene der Heilige Josef.“ Christian Mayer rechnet nach: „1998 haben wir den Josef das erste Mal getragen und seit 2009 nun das ,Masterbild‘.“
300 Kilo auf sechs Schultern
Zum Tragen gehören aber auch die Vorbereitungen. Und so treffen sich die sechs Männer immer wieder woanders und schmücken ihre Heiligenfigur. Mit dabei ist auch Michel Niedermeier. Der Vater von Sebastian und langjährige Vorsitzende des Oberen Gärtnervereins hat selbst 37 Jahre lang Jesus als Gärtner durch die Domstadt getragen. Nun, mit über 70 Jahren, überlässt er das insgesamt 300 Kilogramm schwere Konstrukt lieber der nächsten Generation, läuft aber dennoch bei den Prozessionen mit. „Die Figur gibt es schon seit 1705“, weiß Michel Niedermeier zu berichten. Seine Vorgänger bei den Gärtnern hatten sie damals in Auftrag gegeben und bei den Prozessionen durch die Straßen getragen. Früher stand sie das restliche Jahr über in der Gangolfskirche, doch heute die Heimat des „Masterbildes“ das Gärtner- und Häckermuseum.
Aber warum eigentlich „Masterbild“? „Die Darstellung zeigt Maria Magdalena, die Jesus nach seiner Auferstehung erst nicht erkannt hatte und mit einem Gärtner verwechselte“, erklärt Michel Niedermeier. Als Maria Magdalena dann Jesus doch erkannte sprach sie ihn laut biblischer Überlieferung mit „Rabbuni“ an. „Das bedeutet so viel wie ,Mein Meister‘. Aber weil wir ja hier in Bamberg sind, ist das nicht der Meister, sondern der ,Master‘ und deswegen ,Masterbild‘.“
Mit Genugtuung blickt Michel Niedermeier an diesem Abend in Stegaurach auf die Vorbereitungen, denn neben seinem Sohn und den anderen fünf Trägern ist auch Tochter Anna Niedermeier im Einsatz für das „Masterbild“. Als gelernte Floristin schmückt sie die Figuren und das Gestell mit allerlei bunten Blumen und kümmert sich auch um die Anstecksträußchen der Träger. Und rundherum wuselt bereits die nächste Generation. Die Söhne von Michael Kräml sind bereits eingespannt, tragen den Stuhl oder einen Zunftstab, genauso wie die Tochter von Christian Mayer. Und selbst die kleinen Söhne von Sebastian M. Niedermeier laufen schon mit Fähnchen bei den Prozessionen mit – auch wenn da die Mama manchmal noch helfen muss. Kein Wunder also, wenn man sich bei den Oberen Gärtnern um die Nachfolge keine Sorgen macht. „Bei uns waren schon immer die ganzen Familien mit eingebunden. Deswegen wird die Tradition weiterleben“, so Michel Niedermeier. Vielleicht ist sie auch deshalb so lebendig, weil neben der Arbeit die Gemeinschaft im Mittelpunkt steht. Grillen während des Aufbaus oder das gemeinsame Frühstück vor der Großen Fronleichnamsprozession untermauern dies.
Und wenn die Gläubigen die Straßen nach der Rückkehr zum Domplatz so langsam wieder räumen und viele Heiligenbilder wieder in die Kirchen zurückkehren, ist für die Träger der Oberen Gärtnerei erst die halbe Arbeit getan. Denn am Sonntag nach Fronleichnam folgt für sie noch das „Heimspiel“. Dann findet die kleine Prozession durch das Gärtnerviertel statt – samt obligatorischem Bratwurst-Essen im Innenhof der Gärtnerei Niedermeier während draußen am dritten Altar gebetet und gesungen wird.
Ideen, bei einer dritten Prozession mitzulaufen, gibt es auch immer mal wieder, jedoch werden diese auch schnell wieder verworfen. „Diese zwei Termine sind für uns wie Feiertage“, erklärt Wolfgang Mayer dazu. „Wir schaffen es oft nicht, uns unter dem Jahr zu treffen, aber die beiden Termine rund um Fronleichnam stehen immer fest im Kalender und es ist immer toll, wenn wir uns wiedersehen.“
Es ist eben mehr, als nur das Tragen eines Heiligenbildes durch die Straßen von Bamberg. Es ist gelebte Tradition und eine Gemeinschaft, die seit Generationen zusammenhält – immer am Mittwochabend vor Fronleichnam.
