
Coburg (ku) – Bayern und Thüringen sind benachbarte Bundesländer, Coburg und Gotha zwei Städte, die rund 40 Kilometer auseinander liegen und die durch die Höhen des Thüringer Waldes getrennt sind. Dennoch verbindet sie alle eine gemeinsame Geschichte, die vor 200 Jahren begann. Es ist das Jahr 1826, als mit Sachsen-Coburg und Gotha ein Doppelherzogtum entstand, dessen regierende Dynastie bald europäische Prominenz erlangen sollte. Queen Victoria von England und ihr aus Coburg stammender Prinzgemahl Albert oder auch Leopold, der erste König der Belgier sind bekannte Persönlichkeiten aus dem Haus. Zum Jubiläum steht die Geschichte des Herzogshauses im Mittelpunkt einer großen Sonderausstellung „Coburg I Gotha I 1826. Ein Herzog. Zwei Residenzen“, die derzeit und noch bis zum 20. September auf der Veste Coburg zu sehen ist.
Die Ereignisse des Jahres 1826 dürften wahrscheinlich nur wirklich Geschichtsinteressierten präsent sein, und auch der Begründer des Doppelherzogtums, Herzog Ernst I, steht meistens im Schatten seiner berühmten Verwandten. Die Ausstellung auf der Veste Coburg rückt den ehrgeizigen Herzog ins Zentrum des Interesses, stellt eindrücklich dar, wie er in bewegten Zeiten durch diplomatisches Geschick die Grundlagen für den Aufstieg seiner Dynastie legte. Wie kein anderer seiner Vorgänger prägte Ernst I. zudem die Coburger und Gothaer Kulturlandschaft.
Geboren im kleinen und hoch verschuldeten Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld, dessen Regent er 1806 im Alter von 22 Jahren geworden war, manövrierte Ernst sein Territorium durch die unruhige Zeit der napoleonischen Kriege. Mit Hilfe dynastischer Verbindungen, wobei ihm sein Bruder Leopold zur Seite stand, verfolgte der ehrgeizige Herzog nach den Befreiungskriegen energisch die Vergrößerung seines Herrschaftsbereichs. Die Heirat mit Luise, der einzigen Tochter und Erbin Herzogs Augusts von Sachsen-Gotha-Altenburg, brachte ihn in eine vorteilhafte Position.
Und dann kam das Jahr 1826, als nach langen und zähen Verhandlungen im November sich die Vertreter der ernestinischen Herzogtümer Sachsen-Meiningen, Sachsen-Coburg-Saalfeld und Sachsen-Hildburghausen über eine Neuordnung ihrer Territorien einigten. Es entstand das Doppelherzogtum Sachsen-Coburg und Gotha.
Das neue Staatsgebilde verknüpfte zwei Landesteile, die auf den Fortbestand ihrer jeweiligen Landtage, Verwaltungen und kulturellen Einrichtungen bestanden. Herzog Ernst I. behielt beide Residenzen bei und verknüpfte sie durch eine repräsentative Infrastruktur wie Schlösser, Parkanlagen, Theater und eine direkte Straßenverbindung zwischen Coburg und Gotha. Regelmäßig ritt der Landesherr die Strecke ab, um sich über den Baufortschritt der Straßen zu informieren.
Durch eine kluge Heiratspolitik konnte das kleine Herzogtum zudem seine internationalen dynastischen Verbindungen ausbauen, die es im späteren 19. Jahrhundert zu einem Treffpunkt des europäischen Adels werden ließ und bis heute fortwirken. So trägt beispielsweise das belgische Königshaus noch heute den Namen Sachsen-Coburg und Gotha.
Die Kunstsammlungen der Veste Coburg erinnern in der großen Sonderausstellung an die Ereignisse von 1826. In mehr als 200, zum Teil erstmals in Coburg präsentierten Objekten, wird Herzog Ernst I. als Regent, Bauherr und Kunstmäzen vorgestellt, der seine Residenzen wesentlich gestaltete und ihre Geschichte als bedeutende Sammlungsstandorte nachhaltig formte.
Politisch war Ernst ein Kind seiner Zeit, geprägt von den Nachwirkungen der französischen Revolution und den Umwälzungen der napoleonischen Herrschaft. Am Ende der Befreiungskriege will er sich als großer Herrscher darstellen, wovon die ausgestellten Möbel und Kunstgegenstände zeugen.
In seiner Regentschaft zeichnete er sich einerseits durch eine reaktionäre Haltung und Misstrauen gegenüber allen bürgerlichen Bestrebungen der Mitbestimmung aus, andererseits erließ er für Coburg bereits 1821 die liberalste Verfassung ihrer Zeit.
Viel Zeit verbringt der Herzog gleich nach der Gründung des Doppelherzogtums in Gotha, was manche Coburger ängstlich vermuten ließ, Ernst bleibe für immer in seiner neuen Residenzstadt. Doch er kehrte zum Jahreswechsel 1926/27 zurück nach Coburg, wo er von der Bevölkerung überschwänglich begrüßt wurde. Für dieses Ereignis wurde sogar eigens eine Hymne veröffentlicht, deren Titelblatt in der Ausstellung zu sehen ist.
Die Ausstellung zeigt aber auch die Begeisterung des Herzogs für das Mittelalter, die Architektur, Theater, Kunst und das Reisen. Zu seinen großen Leidenschaften gehörte die Jagd, wovon die zahlreich ausgestellten Gewehre Zeugnis geben. Aufgezeigt werden aber auch die privaten Schattenseiten seines Lebens, seine Affären, die Trennung von seiner Frau Luise, die zu einem Volksauflauf führte.
Die Ausstellung geht aber auch darauf ein, wie Herzog Ernst I. als Bauherr das Stadtbild seiner Residenzstadt Coburg wandelte. So ließ er Schloss Ehrenburg, Schloss Callenberg und Schloss Rosenau um- und ausbauen sowie das Hoftheater neu bauen.
Bereits 1810 begann Ernst mit ersten Sicherungsmaßnahmen an der Veste Coburg und der Gestaltung des Hofgartens als Bühne für die landschaftliche Inszenierung der Veste als Stammburg des Hauses Coburg. Bei all den vielfältigen Bau- und landschaftsgestalterischen Vorhaben behielt der Herzog jedoch stets dem ihm möglichen Finanzrahmen im Blick und hielt auch seine Minister an, die Gelder im Blick zu haben.
Der Gang durch die sehenswerte Ausstellung auf der Veste Coburg lässt den Besucher eintauchen in eine vergangene Zeit, deren Geschichte sich jedoch bis in die heutigen Tage auswirkt. Und sie zeigt, was auch der thüringische Ministerpräsident Mario Vogt in seinem Grußwort zum Ausstellungskatalog schreibt: „Geschichte verpflichtet: Sie zeigt: Stärke wächst aus Austausch und Zusammenarbeit.“ So schlägt die Ausstellung Brücken von der Vergangenheit in die Gegenwart, wozu auch das umfangreiche Rahmenprogramm beiträgt.
