Madrid (KNA) – Auch wenn Spaniens führende Zeitungen am Freitag den Auftakt der Fußball-WM in Mexiko in den Mittelpunkt stellen, spielt der Papstbesuch auf den Kanaren eine wichtige Rolle in der Berichterstattung. Vor allem seine Worte zum Thema Migration werden aufgegriffen.
"Der Papst kritisiert Europa scharf für seinen Umgang mit Migranten", titelt Spaniens größte Zeitung "El País". Das linksliberale Blatt widmet sich dem Besuch von Leo XIV. ausführlich und stellt ihn als moralischen Fürsprecher der Migranten dar. Der Tenor: Der Papst setzt die soziale Agenda seines Vorgängers Franziskus fort - und rückt die Kanaren in den europäischen Fokus.
Unterschiedliche Schwerpunkte
Die konservative Zeitung "El Mundo" befasst sich damit, welche Folgen die Papstworte für die spanische und europäische Migrationsdebatte haben könnten. Die ebenfalls konservative "ABC" legt größeren Wert auf kirchliche und institutionelle Aspekte und betont die historische Bedeutung: Erstmals besucht ein Papst die Kanarischen Inseln. "ABC" hebt überdies hervor, dass Leo XIV. die Inseln bewusst als Endpunkt seiner Reise gewählt habe. Der Besuch wird als Würdigung für die jahrzehntelange Arbeit kirchlicher Hilfsorganisationen für Migranten angesehen.
Die katalanische "La Vanguardia" stellt den Besuch in einen europäischen Zusammenhang. Das Blatt beschreibt die Kanaren als "Tor Afrikas nach Europa" und analysiert die Reise als diplomatische Botschaft an Brüssel. Der Papst erscheine weniger als Kirchenoberhaupt, sondern als internationaler Akteur, der die europäische Debatte über Menschenrechte, Asyl und Grenzschutz beeinflussen wolle.
Papst als "wahrer Missionar"
Im Leitkommentar heißt es: "Robert Francis Prevost ist in erster Linie Missionar. Wie ein wahrer Missionar traf Leo XIV. gestern auf den Kanarischen Inseln ein und konfrontierte furchtlos all jene, die den Tod so vieler Migranten auf See nicht verhindern können." Am Vorabend des Inkrafttretens des Europäischen Pakts zu Migration und Asyl habe er eine symbolträchtige Botschaft an die EU-Staats- und Regierungschefs gerichtet: Europa könne nicht die Menschenwürde betonen und sich zugleich daran gewöhnen, dass Mittelmeer und Atlantik zu Friedhöfen würden.
Trotz ihrer teils unterschiedlichen politischen Ausrichtung sind sich Spaniens Leitmedien in einem Punkt einig: Der Aufenthalt des Papstes auf den Kanaren wird als eigentlicher Höhepunkt seiner Reise betrachtet. Während Madrid für die Staatsbesuche und Barcelona für die Segnung der Sagrada Família stand, sei auf den Kanaren das zentrale Thema seines Pontifikats in den Vordergrund getreten: die Verteidigung der Menschenwürde.
