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Von Cajetanus Havertz, Maximilianus Beier und Dionysius Undav

 

Bonn (KNA) – Der Kader steht, Bundestrainer Julian Nagelsmann und seine 26 Spieler haben nun die Fußball-WM in Nordamerika (11. Juni bis 19. Juli) vor Augen. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) schaut sich an, welche Namenspatrone mit welchen Eigenschaften das Team mit im Gepäck hat:

Torhüter

 

Oliver Baumann (35; TSG Hoffenheim, 13 Länderspiele/0 Tore): Bekanntester Schutzpatron dieses Namens ist der heilige Oliver Plunkett (1625-1681), als Erzbischof und Primas von Irland ein Märtyrer der Katholikenverfolgung unter Englands König Charles II. Unter falscher Anschuldigung des Hochverrats hingerichtet, wird er als Patron von Frieden und Versöhnung verehrt. Märtyrer? Verrat? Versöhnung? Ein wenig assoziiert man das irgendwie mit dem Torwart-Hickhack im Vorfeld der WM.

Manuel Neuer (40 Jahre alt, FC Bayern, 124/0): Der Vorname von Deutschlands ewiger Nummer eins bedeutet "Gott ist mit uns" - ein gutes Omen? Sein Namenspatron ist der Märtyrer Manuel (gest. 819), Erzbischof von Adrianopolis, dem heutigen Edirne in der Türkei. Laut Überlieferung wurde er nach dem Einfall der Bulgaren in der Christenverfolgung unter dem Khan Krum gefangen genommen und später hingerichtet. Einer Quelle zufolge wurden Manuel zuerst beide Hände abgehackt. Für Neuer wäre das, sagen wir, in seinem Job noch schlechter als die malade Wade ...

Alexander Nübel (29; VfB Stuttgart, 3/0): Altgriechisch bedeutet der Name "der wehrhafte Mann" - erst mal nicht schlecht für ein Torhüter. Der heilige Alexander von Rom, hingerichtet um das Jahr 150 oder 166, starb ebenfalls als Märtyrer in den frühen Christenverfolgungen. Im 9. Jahrhundert sollen dann seine Reliquien aus Rom nach Wildeshausen bei Oldenburg gekommen sein - mit Wundern an Kranken und Hilfsbedürftigen. Als Patron bei Gewitter, Kopfschmerzen und Blutfluss kann er womöglich bei der WM das ein oder andere ausrichten.

Jonas Urbig (22; FC Bayern, 0/0): Neuers Kronprinz ist nicht Teil des offiziellen Kaders, reist aber als Trainings-Torwart mit zur WM. Sein Namenspatron, der biblische Prophet Jona, ist der Schutzpatron der Reue, der Bekehrung und der Hoffnung für Sünder. Der Sitz im Leben dafür sind drei Tage, die Jona im Bauch eines Wals verbringen musste - nachdem er den Auftrag Gottes verraten hatte, die sündige Stadt Ninive zu warnen. Jona besinnt sich, wird vom Wal ausgespuckt und erfüllt schließlich die Mission, für die er vorgesehen war. Na bitte ...

 

Abwehr

 

Waldemar Anton (29; Borussia Dortmund, 13/0): Noch passt hier nicht alles zusammen. Anton wurde als Sohn russlanddeutscher Eltern in Usbekistan geboren. Seine Namenspatrone wiederum sind rivalisierende Dänen: König Waldemar II. (1170-1241) sowie Waldemar von Schleswig (1157/58-1235/36), ebenfalls Prinz von Dänemark, Bischof von Schleswig und (Gegen-)Erzbischof von Bremen-Hamburg. Ihr Name bedeutet: "berühmter Herrscher". Eine gemeinsame Linie könnte sein: Waldemars können kämpfen.

Nathaniel Brown (22; Eintracht Frankfurt, 5/0): Der Name ist hebräisch und bedeutet "Geschenk Gottes" oder "Gott hat gegeben". Im Johannes-Evangelium wird er als einer der ersten Jünger Jesu beschrieben. Mit den USA besucht der gebürtige Oberpfälzer Brown nun das Heimatland seines Vaters.

David Raum (26; RB Leipzig, 36/1): Der heilige David (walisisch: Dewi Sant; um 512-587) ist der keltische Schutzpatron von Wales. Der asketische Bischof und Klostergründer ist bekannt als "Wassertrinker" und Vegetarier. Außer dem Waliser wird auch der biblische König David in alter Tradition als Heiliger verehrt, oft als Schutzpatron der Sänger, Musiker und Bergleute in der Tiefe des Raumes.

Antonio Rüdiger (33; Real Madrid, 82/3): Den nicht unumstrittenen Abwehrmann von den "Königlichen" aus Madrid zeichnen Vielseitigkeit, rüdes Temperament und Härte aus. Sein Namenspatron ist der heilige Antonius von Padua (um 1195-1231), ein wort- und wirkmächtiger Franziskaner. Antonius wird als Helfer bei verlorenen Dingen angerufen. Möge er seinen Teil beitragen zu möglichst wenigen verlorenen Bällen, Zweikämpfen und WM-Partien.

Nico Schlotterbeck (26; Borussia Dortmund, 27/0): Nico haut sich immer rein. Auch sein Namenspatron, der populäre Bischof Nikolaus von Myra (270/86-343/51) in der heutigen Türkei, hat die Jugend auf seiner Seite. Er ist ein "Hyperhagios" (Überheiliger) mit vielen Jobs; unter anderem ist er Patron der Manager/Händler, der Schnapsbrenner und der Steinbrucharbeiter. Und: Er wird als Helfer in allen Nöten angerufen.

Jonathan Tah (30; FC Bayern, 47/1): Jonathan, der Sohn des biblischen Königs Saul und enge Freund Davids, gilt als Schutzpatron für selbstlose Freundschaft, Loyalität und Brüderlichkeit. Im 1. Buch Samuel ist beschrieben, wie er trotz seines Anspruchs als Kronprinz loyal zu seinem Freund David stand, den Gott als Nachfolger Sauls erwählt hatte. Und weil er David gegen seinen Vater Saul schützte, wird er mit Lanze und Schild dargestellt. "Der beste König, der nie regierte" - bis jetzt ...

Mallick Thiaw (24; Newcastle United, 5/0): Der Name Malik oder Mallick stammt aus dem Arabischen und bedeutet "König", "Herrscher" oder "Besitzer". Im Islam ist Malik der Name eines Engels, der als Wächter der Hölle fungiert. Nicht so schlecht gewählt für einen Abwehrspieler von 1,94 Meter.

 

Mittelfeld

 

Nadiem Amiri (29; Mainz 05, 10/1): Der Begriff Nadim (auch Nadiem) stammt aus der antiken arabischen Gesellschaft und bezeichnet eine geschätzte Person, die Geselligkeit und Unterhaltung bot. Als Name bedeutet er "Freund", "Vertrauter" oder "Gefährte". Abwehrspieler wie Angreifer sollen bei ihm Anschluss finden.

Leon Goretzka (31, noch FC Bayern, 70/15): Papst Leo I. (um 400-461), "der Große", leitete die Kirche zur Zeit der Völkerwanderung, als das Römische Reich zerbrach und in der Kirche harte Auseinandersetzungen um den rechten Glauben tobten. Leon der Bayer hat sich in seiner Karriere nach Rückschlägen immer wieder rangekämpft. Damit kann der gebürtige Bochumer uns auch in Nordamerika helfen.

Joshua Kimmich (31, FC Bayern, 110/10): Der deutsche Kapitän ist keineswegs lahm. Genau wie sein biblischer Namenspatron Josua, der um das Jahr 1200 vor Christus lebte und seinem Volk in der Schlacht voranging. Nach dem Tod des Mose war Josua sozusagen Mannschaftskapitän Israels und führte es ins Gelobte Land. Und die beste Nachricht: Josua besiegte 31 Könige mit ihren Völkern. Das war freilich für eine WM mit 32 Teilnehmern noch cooler als für eine 48er.

Jamie Leweling (25; VfB Stuttgart, 5/1): Der heilige Jakobus (der Ältere) - auf Französisch Saint-Jacques, auf Englisch James, auf Spanisch Santiago oder Jaime. Als erster Märtyrer aus dem Kreis der Apostel wurde Jakobus um das Jahr 44 unter Herodes Agrippa im Heiligen Land hingerichtet. Er ist der wohl bekannteste Schutzpatron der Pilger, insbesondere auf dem Jakobsweg. Zudem wird er als Patron der Apotheker, Hutmacher, Wachszieher, Kettenschmiede sowie der Tierärzte und Reiter verehrt. Sagen wir mal: im deutschen Mittelfeld auf alle Fälle gut zu gebrauchen.

Jamal Musiala (23; FC Bayern, 42/9): Der arabische Vorname Jamal bedeutet "Schönheit", "Anmut" oder "Eleganz". Damit ist schon eine Menge über das Spiel des gebürtigen Stuttgarters gesagt. Eine türkische Variante lautet "Cemal". Und der Name ist auch in Ostafrika und unter Afroamerikanern beliebt. Das eröffnet auch Chancen für das Weltturnier in den USA.

Felix Nmecha (25; Borussia Dortmund, 8/1): Die bekanntesten heiligen Felixe der Geschichte waren Felix von Cantalice (1515-1587), der Patron der Mütter und Kinder; Felix von Nola (gest. 255/60), ein frühchristlicher Priester aus Süditalien, der Schutzpatron der Haustiere, gegen Augenkrankheiten und Meineid; sowie der maurische Soldat und Märtyrer Felix von Afrika (gest. 303), Schutzpatron der Kinder, die schwer gehen lernen. Gehen gelernt hat Felix Nmecha in Jugendauswahlen sowohl Englands als auch Deutschlands. Und jetzt läuft's bei ihm ...

Assan Ouédraogo (20; RB Leipzig, 1/1): Geboren in Mülheim an der Ruhr als Sohn eines Fußballers aus Burkina Faso, trägt der Nachrücker im deutschen WM-Kader eine Namensvariante von Hassan, was auf Arabisch schön, gutaussehend oder tugendhaft bedeutet. Zumindest Letzteres kann der Mannschaft allemal helfen. Es wird in Nordamerika eine menge Tugenden brauchen, um zu bestehen.

Aleksandar Pavlovic (23; FC Bayern, 11/1): Der Vorname des Deutsch-Serben ist eine Variante von Alexander, altgriechisch für "wehrhafter Mann" (s. Nübel). Im bayerischen Ottobeuren wird den Gläubigen am 10. Juli, seinem Gedenktag, ein roter Alexandermantel mit Fäden einer Berührungsreliquie aufgelegt. Bei der WM findet an diesem Tag in Los Angeles eines der Viertelfinals statt. Ist das am Ende ein Zeichen?

Leroy Sané (30; Galatasaray Istanbul, 76/17): Sein Vorname hat altfranzösische bzw. normannische Wurzeln und bedeutet schlicht "der König". So richtig königlich waren seine Leistungen zuletzt nicht; sein herausragendes Talent kann aber niemand ernsthaft bestreiten.

Kevin Schade (24; FC Brentford, 5/0): Der gebürtige Potsdamer hat nigerianische Wurzeln und einen irischen Namenspatron: den heiligen Kevin von Glendalough (gest. 618), Abt und Klostergründer. Der Name stammt vom altirischen Coemgen und bedeutet "anmutig" oder "hübsch von Geburt". Das Kloster Glendalough liegt südlich von Dublin, weshalb Kevin auch als Schutzpatron von Irland und Dublin verehrt wird. Er galt als großer Freund der Vögel - auch der Schwalben?

Angelo Stiller (25; VfB Stuttgart, 8/0): Der Sportfreund Stiller wuchs beim FC Bayern auf. Sein Namenspatron ist der heilige Angelus (um 1185-1220/25), ein Karmeliter-Ordensmann aus Palästina, der auf Sizilien von einem Grundbesitzer erschlagen wurde, weil er ihn moralisch ermahnt hatte. Angelus gilt als Fürsprecher für Konvertiten und Mutlose. Das kann noch wichtig werden.

Florian Wirtz (23; FC Liverpool, 41/11): Der prinzipientreue Florian ("der Blühende" oder "Prächtige"; gest. 304) hilft für und gegen vieles. Der frühchristliche Offizier und hohe römische Beamte aus dem heutigen Oberösterreich ist unter anderem Patron und Helfer der Feuerwehr. Das an sich ist schon kurios - denn bei seinem Martyrium wurde er ausgerechnet ertränkt, im Fluss. Auch ist Florian Patron der Töpfer, Fassmacher, Schmiede, Kaminfeger, Seifensieder, Winzer und Brauer; und er wird angerufen bei Dürre, Unfruchtbarkeit der Felder und bei Brandwunden. Ganz schön viel zu tun!

 

Angriff

 

Maxi Beier (23; Borussia Dortmund, 9/0): Maximilian von Celeia (gest. um 284) war Bischof von Lorch (Lauricum) an der Enns - ebenjenem Ort, mit dem auch der heilige Florian verbunden ist. Er soll sein großes Erbe an die Sklaven seines Anwesens verschenkt haben. Ein zweiter Maximilianus stammt aus Numidien (274-295) und starb als afrikanischer Märtyrer in Theveste, dem heutigen Tebessa in Algerien, weil er den Wehrdienst verweigerte. Das musste Maxi Beier nicht - und er hat sich dennoch der Körperertüchtigung verschrieben.

Kai Havertz (26; Arsenal London, 58/22): Der Vorname Kai wird oft mit Cajus oder Cajetanus in Verbindung gebracht, teils aber auch als Kurzform von Nikolaus oder Gerhard gesehen. Cajus, Papst von 283 bis 296, stammte aus Dalmatien im heutigen Kroatien. In seiner Amtszeit nahmen Christenverfolgungen stark zu. Kajetan von Thiene (1480-1547) war Mitbegründer des Theatinerordens; er wird als Schutzpatron für Brot und Arbeit, Arbeitslose, Arbeitsuchende sowie für Banker verehrt. Immerhin: In London stimmt die Kasse, wie man hört.

Deniz Undav (29; Stuttgart, 10/6): Der kurdisch-jesidische Friesländer Undav hat als Namenspatron den heiligen Dionysius - erster Bischof von Paris, Nationalheiliger Frankreichs und einer der 14 Nothelfer. Dionysius, französisch Denis, wird bei Kopfschmerzen, Seelenleiden und Tollwut angerufen. Das mit dem Kopfschmerz kam so: Um 250 wurde Denis auf dem Montmartre ("Hügel der Märtyrer") das Haupt abgeschlagen; und er lief damit noch sechs Kilometer nach Norden, in den heutigen Pariser Vorort Saint-Denis. Viel Glück also in den USA! Ein Omen: Der Finaltag ist Undavs 30. Geburtstag.

Nick Woltemade (24; Newcastle United, 11/4): Der 1,98-Meter-Hüne aus Bremen hat denselben Namenspatron wie Verteidiger-Kollege Schlotterbeck: den populären heiligen Nikolaus von Myra. Unter anderem ist er Patron der Steinbrucharbeiter. Klingt nach harter Arbeit im deutschen Sturm. Übrigens: Der Mittelfinger des heiligen Nikolaus wird in Halberstadt im Harz aufbewahrt.

 

Trainer

 

Julian Nagelsmann (38; DFB, 32 Länderspiele als Bundestrainer, 0 Tore): Nicht weniger als fünf prominente Julians starben in der Spätantike als Märtyrer. Dazu kommen der frühmittelalterliche Heilige Julianus Hospitator ("der Arme") aus dem 7. Jahrhundert und Julian, der erste Bischof von Le Mans (gest. 358). Aber daraus und aus der aktuellen Zahl von 83,5 Millionen Bundestrainern darf man keine voreiligen Schlüsse ziehen. Sagen wir einfach: Gefragt sind in den USA Kämpferqualitäten.