· 

Einfach anfangen

Wie gelingt Inklusion im Ehrenamt? Mit dieser Frage beschäftigte sich einer von mehreren „Thementischen“. Foto: Brigitte Pich
Wie gelingt Inklusion im Ehrenamt? Mit dieser Frage beschäftigte sich einer von mehreren „Thementischen“. Foto: Brigitte Pich

bayreuth (bp) – Das Freiwilligen-Zentrum, die Malteser, der Paritätische und die Stadt Bayreuth wollen aktiv gegen Einsamkeit vorgehen. Alleine sind sie dabei nicht. Auch zum zweiten Fachtag „aktiv gegen Einsamkeit“ waren viele Ehrenamtliche sowie Vertreter von Vereinen und Organisationen in die Bürgerbegegnungsstätte am Sendelbach gekommen – um viele Impulse mitzunehmen und sich auszutauschen.

 

Dabei nahm der zweite Fachtag die Themen Inklusion und Teilhabe, die inklusive Gestaltung von Vereinen und Engagementangeboten in den Blick. Denn: Einschränkungen sind häufig ein Grund für Einsamkeit. Schmerzhafte und unsichtbare Barrieren belasten aber nicht nur den einzelnen, sondern haben auch Folgen für die Gesellschaft, wie Bayreuths zweiter Bürgermeister Stefan Schuh in seiner Begrüßung hervorhob. Für eine Willkommenskultur, in der sich jeder angesprochen fühle, brauche es aber weit mehr als Rollstuhlrampen.

 

Blickwinkel

 

Wie man die Frage nach mehr Teilhabe für Ältere und Menschen mit Behinderungen angehen kann, die Frage nach Auffindbarkeit, Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von Veranstaltungen und Angeboten, zeigte Christina Ponader, Leiterin des Netzwerks Inklusion im Landkreis Tirschenreuth (kleines Foto). Barrierefreiheit bedeute aber nicht: Wir können ja den Betreffenden die drei Stufen hochtragen. Die Idee hinter der Barrierefreiheit sei: Alle müssen alleine zurecht kommen. Ohne um Hilfe zu fragen.

 

Es beginne damit, im Verein hinzuschauen: wer macht mit, wo sind Lücken, welche Grundwerte sind uns wichtig, wen wollen wir erreichen?  Welche Ressourcen hat der Verein, welche Fördermittel stehen zur Verfügung? Welche Barrieren gibt es: räumlich, sprachlich, in der Erreichbarkeit? Wie ist der Umgang mit Diskriminierung?

 

Ponader sei sich klar, dass mehr Teilhabe nicht mit einem Fingerschnippen umgesetzt werden kann. „Was aber Menschen mit Einschränkungen gut tut, tut auch anderen gut“. Über verständliche Texte, barrierefreie Wege, gute Orientierung und Beleuchtung oder Kennzeichnung von Lebensmitteln freuen sich andere auch. „Da passen viele Menschen rein“. Ob Senioren mit leichten Einschränkungen, Menschen mit Migrationshintergrund, mit Allergien, Familien mit Kinderwagen oder Menschen mit geistiger Behinderung.

 

„Inklusion heißt oft noch gemeinsam ausprobieren“, weiß die Expertin und ermutigte die Anwesenden dazu einfach anzufangen. 100-prozentige Barrierefreiheit gebe es nie. Konkret verwies die Referentin beispielsweise auf die Gestaltung von Einladungen, die in großer Schrift, verständlicher Sprache und übersichtlich gestaltet sein sollten. Hilfreich seien Angaben über barrierefreie Angebote wie B-WC, B-Parkplätze, Abholung, was gibt es zu Essen, kann ein Assistenzhund mitgebracht werden..... 

 

Für Veranstaltungen gebe es inzwischen mietbare, behindertengerechte Dixi-Klos. Doch: haben Glastüren Sicherheitsstreifen für Sehbehinderte, wie barrierefrei sind die Rettungswege, gibt es eine Ansprechperson (Awareness­person), eine Kinderbetreuung, wie ist das Sprachniveau, gibt es Rückzugsmöglichkeiten für Menschen, die (von der Geräuschkulisse) schnell überfordert sind ... ? 

 

Schließlich verwies Christina Ponader auf Fördermöglichkeiten etwa über Aktion Mensch, das Bundesprogramm „Demokratie leben“, einzelne Dachverbände wie den Bezirks-Jungend-Ring oder über Stiftungen, Unternehmen und Kommunen.

 

Nicht fehlen durften Beispiele gelingender Inklusion aus dem Landkreis Tirschenreuth, wie etwa die Rollstuhl-Fußgänger-Tennis-Gruppe, die inklusive Gartengruppe oder Eisstockgruppe SHG Behinderte-Nichtbehinderte. Die Möglichkeit zu Vernetzung und Austausch über konkrete Praxisbeispiele, Probleme und Lösungen erhielten die Teilnehmenden an „Thementischen“. Da stellten sich einzelne Projekte vor, wie das Rikscha-Netzwerk der Alzheimer Gesellschaft Bayreuth-Kulmbach oder das Mobile Fahrradcafé der Malteser. Angesprochen wurden Probleme, allen voran personell und finanziell knappe Ressourcen, aber auch sofort umsetzbare Maßnahmen, die kein Budget benötigen.

 

Der Fachtag „Aktiv gegen Einsamkeit“ fand im Herbst 2025 das erste Mal Stadt. Entstanden ist er aus dem Netzwerk, dass das Freiwilligen-Zentrum, Seniorenamt, Paritätischer und Malteser geknüpft haben. „Wir alle engagieren uns im Bereich Einsamkeit mit verschiedenen Projekten“, erklärt Thea Marie Koch, Leiterin des Freiwilligen Zentrums Bayreuth. 

„Das Thema ist sehr wichtig und rückt immer mehr in den Fokus“. Da Akteure (Vereine, Initiativen, NGOs, Nachbarschaftshilfen,…) dabei vor ähnlichen Herausforderungen stehen, soll der Fachtag eine Plattform für Austausch und Input anbieten. Der erste Fachtag war Schwerpunktmäßig der Gewinnung von neuen Ehrenamtlichen gewidmet. „Wir möchten gerne jährlich einen Fachtag anbieten, so auch im nächsten Jahr.“