
Dörrnwasserlos (kem) – Strahlend blauer Himmel, ein kühles Bier und eine vernünftige Brotzeit. Was braucht der fränkische Mann mehr? Nichts könnte man meinen. Und diese Annahme machte sich das Schönstatt-Zentrum auf dem Marienberg zu Eigen, und lädt nun schon seit zwei Jahren einmal im Quartal zur Männerbrotzeit ein. Hier sind die Mannsbilder unter sich, genießen Wurst und Käsespezialitäten, aber tun auch etwas für ihren Geist.
„Im Endeffekt ist die Männerbrotzeit, das Gegenstück zum Frauenfrühstück, wie es in vielen Pfarreien schon angeboten wird“, erklärt Domkapitular Martin Emge, der weiß, dass auch mit Männern ein solches Format funktioniert. „Einen solchen Vorstoß gab es schon einmal in Vierzehnheiligen, damals ins Leben gerufen von einer Schwester. Als diese jedoch ging, schlief das Ganze wieder ein“, erinnert sich der Geistliche. Als man die Veranstaltungen Revue passieren ließ, sah man ein, dass Männer zwar auch die Gemeinschaft schätzen und es genießen, einmal unter sich zu sein. „Aber sie wollen weniger zum Frühstück geladen werden. Männer mögen es eher deftiger“, so Emge.
Und so entstand die Männerbrotzeit auf dem Marienberg. Vorbild war damals eine Aktion im Bistum Fulda. „Dort hat sich eine ähnliche Männerbrotzeit bereits etabliert und gehört zum festen Bestandteil des Kalenders“, erinnert sich Martin Emge. Mit Monsignore Josef Treutlein fand sich auch schnell ein Organisator. Und so strömen seit gut zwei Jahren alle drei Monate ausschließlich Männer auf den Marienberg. „Jedes unserer Treffen steht unter einem anderen Motto. Wir haben bewusst die Themen sehr breit gefächert“, erklärt Treutlein. Mal sei es etwas, das eher in die spirituelle Richtung geht, mal gibt es politische Themen und mal geht es eher ins historische oder gesellschaftliche. „So kann sich jeder Mann bei uns aussuchen, welches Thema ihm am besten gefällt und wann er zu uns kommen will.“ In der Regel kommen bis zu 80 Männer zu einem Treffen, bei dem einzig Schwester Carolina Ehrensberger sowie zwei Küchenhilfen dankenswerterweise die Männerdomäne durchbrechen. Dabei freuen sich Emge und Treutlein immer auch über Neulinge. „Hier wächst eine Gemeinschaft zusammen“, bemerkt der Domkapitular, dem auch aufgefallen ist, dass durch die Männerbrotzeit auch neue helfende Hände auf dem Marienberg mit anpacken. „Wir haben hier nur eine kleine Anzahl an Festangestellten. Deswegen freuen wir uns immer über neue Ehrenamtliche.“
Eine Männerbrotzeit läuft immer gleich ab. Zunächst wird sich tüchtig gestärkt. „Die Gnade baut auf die Natur auf“, nennt es Martin Emge und meint damit, dass nur ein satter Mann auch den Vorträgen folgen kann. Bei der aktuellen Veranstaltung am Donnerstag nach Pfingsten stand diesmal „ein Mannsbild im Mittelpunkt, der eine Botschaft hatte und aus tiefem Glauben heraus gehandelt hat“. Der Vortrag stand unter dem Jahresmotto des Erzbistums Bamberg: „Du bewegst die Welt“. Dabei präsentierte Domkapitular Emge den Werdegang, das Leben und das Wirken von Pater Rudolf Lunkenbein. Der Salesianerpater, der in Döringstadt im Landkreis Lichtenfels geboren wurde, ging als Missionar nach Brasilien, wirkte dort mehrere Jahre in einer Bororo-Siedlung und wurde im Juli 1976 von weißen Siedlern zusammen mit dem Einheimischen Simão Bororo erschossen. Für beide läuft aktuell ein Seligsprechungs-Verfahren in Rom.
Auch der dritte Teil der Männerbrotzeit ist gesetzt: die Diskussion über das eben Gehörte. „Was fasziniert mich an Rudolf Lunkenbein?“ und „Wie und Wo könnte ich Zeugnis geben?“ waren die Fragen, die Emge in die Runde stellte. Und die Männer – unter ihresgleichen – waren auskunftsfreudig. Vor allem die Standhaftigkeit und der Mut Lunkenbeins imponierte ihnen. Auch, dass sein Primizspruch „Ich bin gekommen, zu dienen und dafür das Leben zu geben“ beeindruckte, weil er wie eine Weissagung für das Leben und Sterben des Paters klang.
Mit einem Gebet endete die Männerbrotzeit, verbunden mit der Hoffnung, dass auch bei den nächsten Terminen wieder viele Männer auf den Marienberg kommen.
