Köln (KNA) – Die Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles (55), wünscht sich eine stärkere Rolle von Frauen in der katholischen Kirche. Dass es nach wie vor keinen Diakonat der Frau gebe, finde sie "traurig", sagte die ehemalige SPD-Vorsitzende am Mittwoch im Podcast "Himmelklar". Zwar sei sie geduldig mit einer über 2.000 Jahre alten Institution. "Aber in dieser Frage erwarte ich irgendwann einen Durchbruch." Sie halte Leo XIV. zwar für einen guten Papst, glaube aber nicht, dass er hierbei "die Wege frei räumt".
Ausdrückliches Lob spendete sie dem Kirchenoberhaupt für dessen Positionen zu Künstlicher Intelligenz (KI) und Frieden. Die erste Enzyklika des Papstes zu KI, "Magnifica humanitas", bezeichnete Nahles als "sehr bemerkenswerte, kluge und reflektierte Positionierung". Zugleich äußerte sie Vorbehalte gegenüber einzelnen Einschätzungen des Papstes. Teilweise arbeite dieser mit einem überholten KI-Begriff, sagte Nahles. Dennoch sei das Schreiben ein "wunderbarer Diskursaufschlag" zur gesellschaftlichen Debatte.
Klare Haltung gegen Krieg
Mit Blick auf die Friedensappelle des Kirchenoberhaupts im Krieg zwischen den USA und dem Iran sagte Nahles, sie schätze dessen klare Haltung aus christlicher Perspektive. "Das ist sehr wichtig, weil es derzeit nicht viele Stimmen in der Welt gibt, die diese Klarheit haben." Leo XIV. halte Kurs, obwohl er dafür auch scharfe Kritik aus Teilen der US-Politik erhalte.
Die ehemalige SPD-Vorsitzende bekannte sich erneut zu ihrem katholischen Glauben. "Ich verstecke das nicht", sagte sie. Zwar hadere sie gelegentlich mit ihrer Kirche, aber sie sei nun mal katholisch, "und ich bleibe es auch".
Ihren Glauben versteht Nahles nach eigenen Worten als Grundlage ihres politischen Handelns. Dies habe sie auch wiederholt in Konflikt mit Positionen der eigenen Partei gebracht, etwa bei bioethischen Fragen. Zugleich habe ihr der Glaube nach dem Rückzug vom Parteivorsitz 2019 entscheidend geholfen.
