Bukarest (KNA) – Im Immobilien-Streit zwischen einem katholischen Orden und der Regierung der westrumänischen Stadt Oradea hat der Vorsitzende der Rumänischen Bischofskonferenz, Laszlo Böcskei, jetzt zu einer friedlichen Lösung aufgerufen. Kritik übte er dabei an der Ordensführung: Der Abt der Prämonstratenser, der zugleich einziges Mitglied seiner Gemeinschaft ist, habe einen Dialog "kategorisch abgelehnt", was letzte Woche zu der aufsehenerregenden Zwangsräumung geführt habe.
Vergangenen Mittwoch hatte die Propstei der Prämonstratenser ein Video in Sozialen Medien veröffentlicht, das eine Diskussion unter Anwesenheit von Polizeikräften zeigt. Ebenfalls in dem Clip zu sehen sind herumliegende Ziegelsteine und ein großes Loch in der Wand, über das sich die Behörden in den frühen Morgenstunden Zutritt zu der Abtei verschafft haben sollen. Die Verantwortlichen seien "wie Diebe in der Nacht" eingedrungen, erklärte Abt Rudolf Anzelm Fejes. Er bezeichnete die Räumung des Kirchengebäudes als unrechtmäßig.
Kleiner Orden, großer Streit
In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) erläuterte Böcskei als Bischof von Oradea Mare die Hintergründe des Streits. Der Gebäudekomplex aus Schule, Kloster und Kirche sei bereits vor den kommunistischen Verstaatlichungen in Besitz des rumänischen Staats übergegangen.
Rückgewinnungsversuche der Prämonstratenser blieben demnach erfolglos. Die Entscheidung der Stadtregierung, das denkmalgeschützte Gebäude im Rahmen eines EU-geförderten Projekts zu renovieren, habe den Streit wieder aufflammen lassen.
"Anstelle eines konstruktiven Dialogs wurde auf die Medien zurückgegriffen, wodurch eine Atmosphäre entstand, die einer positiven Lösung keineswegs förderlich ist", kritisierte Bischof Böcskei die Ordensleitung. Die Stadtregierung habe sich ihm zufolge gesprächsbereit gezeigt. Hinzu komme, dass der Streit "unter Mitwirkung bestimmter extremistischer politischer Strömungen" zusehends in ein ethnisch geprägtes Problem umgedeutet werde. Zuletzt hatten sich Vertreter der ungarischen Volksgruppe eingemischt und gegen die rumänischen Behörden ausgesprochen.
Böcskei erinnerte daran, dass es sich bei den Prämonstratensern von Oradea um einen exempten Orden handle. Dieser unterstehe nur zur Wahrnehmung pastoraler Aufgaben dem Diözesanbischof.
