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Er kam, um zu dienen und zu sterben

Im Zelt der Bamberger Stiftung Zirkus Giovanni feierten Bischof Stefan Oster (Mitte) und Erzbischof Herwig Gössl (rechts) einen Nachtgottesdienst. Auf dem Graffiti hinten ist Pater Rudolf Lunkenbein SDB zu sehen. Foto: privat
Im Zelt der Bamberger Stiftung Zirkus Giovanni feierten Bischof Stefan Oster (Mitte) und Erzbischof Herwig Gössl (rechts) einen Nachtgottesdienst. Auf dem Graffiti hinten ist Pater Rudolf Lunkenbein SDB zu sehen. Foto: privat

Würzburg (buc) – Ich bin gekommen, zu dienen und dafür das Leben zu geben“: Der Primizspruch von Pater Rudolf Lunkenbein aus dem Matthäusevangelium ist auch auf seinem Grab im brasilianischen Merúri verewigt, auf Portugiesisch, Deutsch und in der Sprache der Bororo, deren Missionierung eine Lebensaufgabe für den aus Döringstadt bei Ebensfeld stammenden Salesianer Don Boscos wurde. Vor 50 Jahren, am 15. Juli 1976, wurde er gemeinsam mit einem Indigenen, Simão Bororo, von einer Gruppe Großgrundbesitzer ermordet. Hintergrund war der Streit um Land, das seit jeher den Bororo gehörte und ihre Lebensgrundlage war.

 

Premiere für Film „Tuku tae“

 

Im Gedenkjahr für Lunkenbein und seinen Freund, den gelernten Maurer Simão, könnte der vor einigen Jahren angestoßene Seligsprechungsprozess für die beiden Märtyrer zum Abschluss kommen. „Die Seligsprechung wäre eine verdiente Anerkennung ihres Lebenswerks“, sagt ein brasilianischer Ordensmann in Ausbildung, der selbst zum Volk der Bororo gehört, in dem Film „Tuku tae“, der beim Katholikentag in Würzburg erstmals gezeigt wurde. „Tuku tae“ heißt in der Sprache der Bororo, die im zentralbrasilianischen Bundesstaat Mato Grosso zu Hause sind, so viel wie „danke“.

 

In dem gut einstündigen Film  wird eine Reise geschildert, die Pater Johannes Kaufmann SDB, bei den Salesianern zuständig für  Berufungs- und Jugendpastoral, mit einer kleinen deutschen Delegation nach Brasilien unternahm. Die Besucher trafen zahlreiche Menschen, die Lunkenbein und Simão Bororo noch persönlich gekannt hatten und aus eigenem Erleben schildern konnten, was sich damals auf der Missionsstation Merúri zutrug.

 

Rudolf Lunkenbein, geboren 1939, kam schon als 19-Jähriger erstmals nach Mato Grosso, um sich dort den Bororo zu widmen. Die Indigenen standen seinerzeit der Landnahme durch weiße Siedler fast schutzlos gegenüber, hatten schon beschlossen, dass sie aussterben wollten: Ihre Frauen tranken den Saft einer Urwaldpflanze, der sie unfruchtbar machte. Lunkenbein stellte sich entschlossen auf die Seite der Bororo, verbreitete den Glauben unter ihnen, wobei er auch indigene Rituale in die Liturgie einband, und gab den Menschen im Abwehrkampf gegen die Landnahme neuen Lebensmut. Die Zahl der Bororo war in den 1960er Jahren auf wenige hundert gesunken, heute sind es wieder rund 3000.

 

Der Streifen „Tuku tae“ strickt nicht etwa eine Heiligenlegende um Lunkenbein, sondern bemüht sich um Vielstimmigkeit. Etliche Menschen, die ihn kannten, rühmen die Haltung und Persönlichkeit des deutschen Paters, den die Bororo „Rodolfo“ nannten und als Ehrenhäuptling in ihren Stamm aufnahmen. Doch die Konflikte von damals werden nicht ausgeblendet: Auch einige ehemalige Mitbrüder Lunkenbeins kommen zu Wort, die sein damaliges Vorgehen nicht immer gutgeheißen hatten. „Er hat sie herausgefordert“, sagt ein alter Salesianerpater über die Haltung des Missionars gegenüber den Großgrundbesitzern. Auf der anderen Seite zeigt er Verständnis für Lunkenbeins vermeintliche Unbesonnenheit: „Auch Jesus Christus handelte radikal.“

 

Auch sein Neffe war dabei

 

Zur Filmpremiere im Zelt der Bamberger Stiftung Zirkus Giovanni, das die Salesianer auf der Kirchenmeile des Katholikentags für zahlreiche Veranstaltungen nutzten, war auch der Passauer Bischof Stefan Oster gekommen, der selbst dem Orden angehört. Auch Lunkenbeins Neffe Christian sowie seine Frau waren anwesend, ebenso die Bamberger Domkapitulare Norbert Jung, selbst aus Döringstadt stammend, sowie Martin Emge, Leiter des Seelsorgeamts im Ordinariat. Emge hatte vor kurzem gemäß dem diesjährigen Bistumsmotto „Du bewegst die Welt“ eine Internetseite aufgesetzt, die Informationen zu Leben und Wirken von Rudolf Lunkenbein enthält.

 

Nach dem Film luden Oster sowie Erzbischof Herwig Gössl zu einem Nachtgottesdienst im Giovanni-Zelt ein. Die Messe war Lunkenbein und Simão Bororo gewidmet. Hinter dem Altar war ein Graffiti zu sehen, auf dem beide Märtyrer abgebildet sind. Dieses war im Rahmen einer Aktion des Streetart-Künstlers Mika Springwald mit jungen Bororo auf einer Brasilienreise nach Brasilien entstanden. Das Bild kann bei den Salesianern Don Boscos als Vorlage, Ausmalbild oder Aufkleber für Schule und Jugendarbeit bestellt werden.

 

In seiner Predigt bei der außergewöhnlich stimmungsvollen Feier verwies Oster darauf, dass Lunkenbein die Bororo nicht als herkömmlicher Missionar behandelt habe. Er sei vielmehr vor ihnen „innerlich auf die Knie“ gegangen. Alle Menschen seien einander „Gabe und Geber“. Der Bischof bat die Gläubigen um ihr Gebet für eine Seligsprechung.