
Dörrnwasserlos (ku) – Stimmengewirr und fröhliches Lachen schallen einem entgegen, wenn man das Café im Schönstattzentrum Marienberg betritt. Eine Gruppe Senioren hat sich dort zum nachmittäglichen Kartenspielen versammelt. Mitten unter ihnen sitzt Schwester Carolina Ehrensberger und spielt ganz selbstverständlich mit. Von Jugend auf ist sie mit dem Marienberg verbunden, hat dessen Anfänge miterlebt und lebt seit dem 18. Juli 2022 als Marienschwester im Schönstattzentrum. Heuer ist es genau 25 Jahre her, dass die gebürtige Gundelsheimerin ihr Treueversprechen ablegte. Und so feiert sie in diesem Jahr ebenso Jubiläum wie die Schönstätter Marienschwestern, die es seit inzwischen 100 Jahren gibt.
Am 1. Oktober 1926 wurde das Säkularinstitut der Schönstätter Marienschwestern durch Pater Josef Kentenich in Schönstatt, Vallendar am Rhein, gegründet. Derzeit zählt die Gemeinschaft rund 1500 Mitglieder aus 42 Nationen, die in 32 Ländern auf allen Kontinenten leben und wirken. In Deutschland leben zurzeit etwa 550 Marienschwestern.
In ihrer Berufung für Schönstatt wollten die Schwestern durch ihre Gründung ein gottgeweihtes Leben führen ähnlich wie die Orden, aber im Lebensrhythmus und der Spiritualität der Laien. So sind die Schönstätter Marienschwestern das erste deutsche Säkularinstitut.
Mit diesem kam die junge Carolin Ehrensberger in Kontakt, als sie im Alter von etwa 20 Jahren auf der Suche war und der damalige Gundelsheimer Kaplan Martin Emge dies spürte. Der heutige Diözesanpräses der Bamberger Schönstattfamilie war damals schon Schönstattpriester und riet seinem Pfarrkind, für eine Woche nach Schönstatt zu den dortigen Anbetungsschwestern zu gehen. „Er spürte, dass in mir mehr als nur die Liebe zu Gott sein musste“, so die Marienschwester im Gespräch mit dem Heinrichsblatt. „Und ich habe mich wirklich in dieser Zeit gefragt, wohin mein Weg mich führt.“
Schönstatt war ihr zu diesem Zeitpunkt durchaus ein Begriff. Oft war sie mit ihren Eltern auf dem Marienberg, ihr Vater fertigte als Metallkünstler das Kreuz an der Glockenturmspitze des Heiligtums.
Die Exerzitienwoche habe sie dann nach eigenen Worten „gepackt“, ließ in der damals sich als Erzieherin in Ausbildung befindlichen jungen Frau den Wunsch groß werden, Marienschwester zu werden. „Ich wollte Gottes Werkzeug sein“, sagt sie. Ihr sei aber auch bewusst gewesen, dass sie mit einem solchen Schritt ihre Familie verlassen muss.
Schließlich beendete Carolin ihre Ausbildung – zuvor hatte sie schon eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert – und tat den großen Schritt: Zusammen mit weiteren sechs Frauen trat sie am 5. September 1999 ins Noviziat der Schönstätter Marienschwestern ein. „Und wir sind alle noch dabei“, erzählt sie. „Vor der Einkleidung lebte ich vier Wochen auf dem Marienberg, um zu sehen, ob das auch wirklich mein Weg ist.“
Und es ist ihr Weg bis heute, keinen Tag hat sie nach eigener Aussage bereut. „Es ist schön, für die Menschen da zu sein.“ Eine „kleine Maria“ will sie in ihrem Alltag sein, „so wie es die Gottesmutter auch war“. Schwester Carolina: „Ich erkenne immer wieder, dass Gott mich braucht, um ein Werk weiterzubauen.“
Herzenswunsch
Stationen ihres Wirkens als Marienschwester waren Kösching, Wien und das Provinzhaus auf der Liebfrauenhöhe in Rottenburg am Neckar. Doch immer hatte Schwester Carolina tief in ihrem Herzen den Wunsch, einmal als Marienschwester auf dem Marienberg zu leben. „Als ich dann nach Rottenburg kam. Habe ich den heimlichen Wunsch aufgegeben, weil ich nicht mehr daran glaubte, dass er sich erfüllen würde.“ Doch just in dem Moment, als sie ihren Herzenswunsch fallen ließ, wurde Schwester Carolina von ihrer Provinzoberin gefragt, ob sie nicht auf den Marienberg gehen wolle. So wurde sie die erste Schwester auf dem Marienberg, die aus dem Erzbistum Bamberg stammt. „Jetzt bin ich wieder in meiner Heimat“, sagt sie lächelnd. „Und was hier oben geschieht, ist ein Werk von Gott und der Gottesmutter Maria.“
Nach eigener Aussage ist Schwester Carolina Ehrensberger eine Frau, die es gewohnt ist, anzupacken und viel zu arbeiten. „Aber hier auf dem Marienberg ist es anders“, sagt sie. „Hier bin ich vor allem für die Menschen da. Ich bin bei und mit ihnen, höre ihnen zu, bete mit ihnen.“ Sie versorgt die Gäste auf dem Marienberg mit Kaffee und Kuchen, macht Führungen über das Gelände, bietet Wanderungen rund um den Marienberg an. Eine Atmosphäre schaffen, die den Menschen gut tut – das will Schwester Carolina.
Kontaktpflege
Jeden Tag geht sie ganz bewusst in Gottesdienste in Pfarreien in der Umgebung und sucht den Kontakt mit den Menschen. „Manchmal sind die Gespräche nach dem Gottesdienst länger als die ganze Heilige Messe“, berichtet sie. „Ich will den Kontakt zur Welt pflegen und nicht nur hier auf dem Berg sitzen.“ Und so ist es auch schon vorgekommen, dass sie zu einem Feuerwehrfest gegangen ist, weil sie sich bei den Feuerwehrmännern für deren Einsatz auf dem Marienberg bedanken wollte, als der Glockenturm in Brand geraten war.
Und Schwester Carolina geht in Schulen, erzählt im Unterricht über ihr Leben, über den Marienberg, über Schönstatt. „Ich will zeigen, dass es etwas Schönes ist, sich für den lieben Gott zu entscheiden“, das ist ihr Anliegen.
Bei all ihrem Tun fühlt sie sich getragen von der Gottesmutter. Schwester Carolina: „Mit ihr habe ich das Liebesbündnis geschlossen, sie passt auf mich auf.“ Und bei einem Zweifel helfe ihr zudem der Blick nach oben, „zu dem, der sich um einen sorgt“.
