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Theologe will Influencer für weltoffenen Islam ausbilden

Berlin (KNA) – Der islamische Religionspädagoge Mouhanad Khorchide (54) will im Internet gezielt für einen weltoffenen Islam werben. In den Sozialen Netzwerken fänden insbesondere junge Muslime zu oft problematische Inhalte, die auf Spaltung setzten, sagte der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster der "Welt" am Freitag.

 

Selbsternannte Prediger verbreiteten auf TikTok oder in Podcasts kurze, emotionalisierende, aber fragwürdige Botschaften, die viele Jugendliche erreichten, erläuterte der Wissenschaftler. Ihnen werde eingeredet, es gäbe den "bösen Westen" und die "unterdrückten" Muslime. "Die Botschaft ist: Schließe dich mit anderen Muslimen gegen die Gefahr von außen zusammen."

 

Influencer für weltoffenen Islam

 

Khorchide baut deshalb am Zentrum für Islamische Theologie der Universität Münster das Netzwerk "Muslim Aktiv und Weltoffen" auf und will Influencer für einen weltoffenen Islam schulen. "Wer Fragen zum Islam hat, soll zukünftig uns ansteuern", betont der Religionswissenschaftler. "Wir arbeiten mit jungen Studierenden der Universität als Hosts und planen Kooperationen, etwa mit Persönlichkeiten aus dem Sport."

 

Khorchide betonte, dass ein rein intellektuelles Angebot nicht ausreiche. "Wir müssen die Menschen auch emotional erreichen. Glaubwürdige Multiplikatoren sind entscheidend." Er wünsche sich auch, dass viele Moscheegemeinden in ganz Deutschland selbst bei Social Media mit einem weltoffenen Islamverständnis aktiv würden. "Dort findet der Kampf um die Köpfe und Herzen statt."

 

"Man kann Deutscher und Muslim sein"

 

Der Religionswissenschaftler zeigte sich überzeugt: "Es geht, Deutscher und Muslim zu sein. Man kann Muslim sein und gleichzeitig die Werte einer demokratischen Gesellschaft vertreten. Diese Vereinbarkeit müssen wir sichtbar machen und wissenschaftlich fundieren."

 

Als erste deutsche Hochschule wird die Universität Münster zum 1. Juli eine "Islamisch-Theologische Fakultät" gründen, dessen Gründungsdekan Khorchide ist. Der Religionspädagoge sagte dazu der Zeitung, die Gründung sei ein wichtiges wissenschaftliches und gesellschaftliches Signal. "Es zeigt, dass der Islam und die muslimische Community in Deutschland anerkannt sind und dass eine fundierte, akademische Auseinandersetzung mit islamischer Theologie auf Augenhöhe stattfindet." Münster solle ein Ort sein, an dem Theologie, Gesellschaft und interreligiöser Dialog zusammenkommen.

 

Zeitgemäßer Islam in Europa

 

"Wir wollen zeigen, wie ein zeitgemäßer Islam in Europa gelebt und gedacht werden kann", fügte der Professor hinzu. "Wir bilden hier Imame und Religionspädagogen aus, die später Multiplikatoren sind. Sie tragen dieses Verständnis von Islam in Gemeinden, Schulen und die Öffentlichkeit."