Berlin (KNA) – Der Religionsfreiheitsbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Rachel, sieht im Thema Religion einen wichtigen Faktor für erfolgreiche Außenpolitik. "Religiöse Akteure sind oft wichtige Ansprechpartner - gerade in Regionen, in die staatliche Strukturen kaum noch hineinreichen", sagte Rachel am Donnerstag in Berlin dem Portal katholisch.de.
In der schwarz-roten Regierungspolitik spiele das Thema wieder eine größere Rolle als zuvor unter der Ampel. Das sei wichtig, da für rund 80 Prozent der Weltbevölkerung Religion ein zentraler Bestandteil ihrer Identität sei. Das müsse in der Außenpolitik noch stärker berücksichtigt werden.
Zugleich machte Rachel deutlich, dass wirtschaftliche Interessen und der Einsatz für Religions- und Weltanschauungsfreiheit nicht immer einfach zusammenzubringen seien. "Aber ich sehe das als zwei Seiten einer Medaille: Wirtschaftliche Zusammenarbeit bietet auch die Möglichkeit, Menschenrechte und Religionsfreiheit anzusprechen." Umgekehrt trage wirtschaftliche Entwicklung dazu bei, Perspektiven für Menschen zu schaffen.
Religionsfreiheitsbericht bis Jahresende
Rachel ist seit einem Jahr als Beauftragter der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit im Amt. Er kündigte bis zum Jahresende seinen ersten weltweiten Lagebericht an. Der bislang letzte, üblicherweise im Zweijahresrhythmus veröffentlichte Bericht wurde im November 2023 veröffentlicht. Mit dem Bericht wolle er eine breite Debatte im Bundestag und in der Öffentlichkeit anstoßen, sagte Rachel.
Als Beispielländer, in denen die Lage der Religionsfreiheit angespannt ist, nannte Rachel China und Nigeria. In China verwies er auf Repressionen gegen muslimische Uiguren und tibetische Buddhisten. In Nigeria sähen sich Christinnen und Christen regelmäßig Anschlägen islamistischer Terrorgruppen ausgesetzt. "Hier wird Religion missbraucht, um Gewalt zu legitimieren. Das ist ein fundamentaler Widerspruch zu dem, wofür Religion eigentlich steht", so Rachel.
Sorge um Christen im Heiligen Land
Auch die Situation christlicher Gemeinschaften im Heiligen Land beobachte er mit großer Sorge, sagte Rachel. Angriffe auf Christen nähmen spürbar zu. Er kritisierte auch die Gewalt durch extremistische Siedler im Westjordanland. "Der Staat Israel ist in der Pflicht, die Sicherheit aller Menschen zu gewährleisten." Für das Heilige Land wäre es eine Katastrophe, wenn die christliche Bevölkerung ähnlich wie in anderen Ländern der Region, beispielsweise im Irak und in Syrien, zurückgedrängt werden würde.
