München/Leipzig (KNA) – Mehrere Standorte waren im Gespräch, und die Entscheidung wurde mit Spannung erwartet: Nun hat die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem die Standorte für ihre ersten Außenstellen im Ausland bekanntgegeben. Innerhalb von drei Jahren will Yad Vashem ein Bildungszentrum mit Hauptstandort in München und Außenstelle in Leipzig eröffnen.
In dem mehrmonatigen Auswahlprozess standen Bayern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Vorausgegangen war eine Machbarkeitsstudie. Die Idee für die erste internationale Außenstelle geht auf ein Treffen des Vorstandsvorsitzenden von Yad Vashem, Dani Dayan, und des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) im Jahr 2023 zurück.
Lage und Bildungslandschaft
München sei wegen seiner strategisch günstigen Lage und seiner Bildungslandschaft ideal, so eine Mitteilung am Donnerstag. "In Verbindung mit Yad Vashems Expertise in den Bereichen Erinnerung, Dokumentation und Vermittlung soll das Zentrum eine möglichst große pädagogische Reichweite und Wirkung erzielen."
Die kleinere Einrichtung in Leipzig wird den Angaben zufolge interaktive Lernräume anbieten und ihre Angebote an Pädagogen und junge Menschen aus der Region und den Nachbarländern richten. Sie soll an das dortige jüdische Kultur- und Begegnungszentrum Ariowitsch-Haus angedockt werden.
Darüber hinaus will die Jerusalemer Gedenkstätte ihre langjährige Bildungspartnerschaft mit Nordrhein-Westfalen ausbauen. Das geplante Bildungszentrum soll zudem zu einem bundesweiten Kooperationsmodell weiterentwickelt werden.
Politiker begrüßen Entscheidung
"Da wir uns immer weiter von der Ära der Zeitzeugenberichte entfernen, ist eine historisch fundierte Holocaust-Bildung wichtiger denn je", sagte der Vorstandsvorsitzende von Yad Vashem, Dani Dayan. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) betonte, gerade junge Menschen wüssten zu wenig über die Ermordung von Juden in der NS-Zeit. "Das Wissen über das, was war, ist wichtig, um das Übel in der Zukunft zu verhindern."
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erklärte, jüdisches Leben gehöre fest zu Bayern, das zu seiner geschichtlichen Verantwortung stehe. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bezeichnete den Zuschlag für Leipzig als Ehre und Verpflichtung zugleich. Dort gebe es eine wieder stark gewachsene jüdische Gemeinde, ein lebendiges Netzwerk und renommierte Institutionen.
Der Beauftragte der Bundesregierung gegen Antisemitismus, Felix Klein, sagte der "Rheinischen Post": "Dass Yad Vashem hier in Deutschland sein erstes Zentrum außerhalb Israels errichten will, zeigt das große Vertrauen, das in Israel uns gegenüber besteht."
Das Serviceangebot von Yad Vashem richte sich an ganz Deutschland, so Klein. Die Fördergelder des Bundesfamilienministeriums in diesem Zusammenhang seien außerdem "klar zusätzlich", gingen aber nicht auf Kosten der bestehenden Gedenkstättenarbeit.
Zustimmung aus jüdischer Gemeinschaft
Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, betonte: "Dem Judenhass ist ohne Kenntnis der Geschichte nicht beizukommen." Die in München ansässige Europäische Rabbinerkonferenz sprach von einem "starken und historischen Signal". Gerade in einer Zeit wachsender antisemitischer Bedrohungen sei Bildung der entscheidende Schlüssel.
Sachsens Landesrabbiner Zolt Balla sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): "Das ist ein großes Lob für Deutschland." Die Gedenkstätte sei wichtig für die Aufklärungsarbeit und ihre Vernetzung. "Wir haben nur eine Zukunft, wenn wir bereit sind, von unserer Vergangenheit zu lernen. Und da sind wir in Deutschland viel weiter vorn als manche anderen Länder der EU."
NRW unterstützt Yad Vashem
Der Chef der NRW-Staatskanzlei, Nathanael Liminski (CDU), sagte der "Rheinischen Post": "Auch wenn das Bildungszentrum nicht in Nordrhein-Westfalen entstehen wird, unterstützen wir Yad Vashem als verlässlicher Partner bei der geplanten bundesweiten Ausrichtung der Bildungsarbeit."
