Bonn (KNA) – Alles deutet darauf hin, dass die traditionalistische Priesterbruderschaft Sankt Pius X. auf einen Bruch mit der katholischen Kirche zusteuert. Durch die für den 1. Juli angekündigte Weihe von vier Bischöfen ohne Erlaubnis des Papstes träte die Tatstrafe der Exkommunikation ein, also der Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) hat berühmte Vorbilder aus der Kirchengeschichte in alphabetischer Reihenfolge zusammengetragen:
Castro, Fidel (1926-2016): Lange hielt sich die Legende, Papst Johannes XXIII. habe den kubanischen Revolutionsführer 1962 als Kommunistenführer exkommuniziert. Ein Vatikan-Dekret von 1949 hatte die Unterstützung kommunistischer Regierungen unter automatische Kirchenstrafe gestellt - und Castro war ein Jesuitenschüler. Der Konzilspapst (1958-1963) war aber kein Freund formalistischer Verurteilungen.
Döllinger, Ignaz von (1799-1890): Die Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit in Glaubens- und Sittenfragen war eine Bruchstelle für kritische deutsche Theologen. Wissenschaftler von Weltruf fühlten sich zerrieben zwischen Romtreue und ihrem Gewissen. Ihr Protagonist: der Münchner Star-Kirchenhistoriker Ignaz von Döllinger; modern gesprochen ein politischer Theologe, der sich sorgte, dass damals der Zug der Moderne für seine Kirche abfuhr. 1871 wurde er von einem seiner eigenen Schüler exkommuniziert, dem Münchner Erzbischof Gregor von Scherr.
Heinrich IV. (1050-1106): Der römisch-deutsche König Heinrich IV. rang im 11. Jahrhundert mit Papst Gregor VII. um den Vorrang von weltlicher oder geistlicher Macht und um die Gestaltung der Reichskirche. Als der machtbewusste neue Papst sein schärfstes Schwert zückte und den jungen König exkommunizierte, musste dieser im Januar 1077 barfuß im Schnee vor die Burg Canossa ziehen, wo sich Papst Gregor als Gast der Markgräfin Mathilde von Tuszien aufhielt, und um Wiederaufnahme in die Kirche flehen. Eine Erniedrigung - die sich aber lohnen sollte.
Heinrich VIII. von England (1491-1547): Da sich Papst Clemens VII. weigerte, Heinrichs Ehe mit Katharina von Aragon zu annullieren, sagte sich Heinrich von Rom los und erklärte sich selbst zum Oberhaupt der Kirche von England. Klar, dass der Papst daraufhin 1533 den Kirchenbann über ihn verhängte. Heinrich VIII. seinerseits beschlagnahmte sämtliche Klöster des Landes und schlug das Vermögen der Krone zu.
Jeanne d'Arc (1412-1431): Die heilige Johanna - eine so emblematische wie schräge Figur in Frankreichs Geschichte. Das junge Bauernmädchen aus Lothringen überzeugt 1429 den Thronfolger Karl, seine Truppen gegen die übermächtigen Burgunder und Engländer zu führen; sie erhalte ihre Befehle von den Heiligen Katharina, Michael und Margarete. Johanna befreit zunächst das besetzte Orleans, und der Dauphin wird als König Karl VII. gekrönt. Im Folgejahr gerät Johanna aber in Gefangenschaft, wird wegen Aberglaubens und Irrlehren in einem Schauprozess verurteilt und als vermeintlich überführte Ketzerin verbrannt.
Johann Ohneland/John Lackland (1166-1216): Der jüngste Bruder von Richard "Löwenherz" agierte wenig glücklich, weder militärisch noch diplomatisch noch kirchenpolitisch. Nicht nur, dass er seinem Bruder und König in den Rücken fiel, als dieser auf dem Kreuzzug war und in Gefangenschaft geriet. Er verlor später auch als Englands König alle Festlandsbesitzungen in Frankreich und musste sich verlustreich mit dem Adel arrangieren. Seine Behandlung der Bischöfe trug ihm zuletzt noch den päpstlichen Kirchenbann ein.
Lefebvre, Marcel (1905-1991): Piusbrüder 1.0 - Als der französische Gründer der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. alt wurde, brauchte es neue Leitung. Doch von Papst Johannes Paul II. gab es für die notwendigen Weihen keine Genehmigung - was für alle Beteiligten 1988 die Exkommunikation nach sich zog. Als Zeichen der Bereitschaft zur Versöhnung hob Benedikt XVI. diese Strafe 2009 auf. Eine Aussöhnung zog die Geste aber nicht nach sich.
Luther, Martin (1483-1546): Da stand er nun und konnte nicht anders. Beim Wormser Reichstag 1521 verteidigte der Mönch aus Erfurt in Kutte seine neuen Lehren. Diese mündeten von der angestrebten kirchlichen Reform in die Reformation, also in die Kirchenspaltung. Der lebefreudige Medici-Papst Leo X. hatte Luther für sein "Mönchsgezänk" schon 1520 offiziell den Bann angedroht. Doch der Widerborstige verbrannte das Papstschreiben öffentlich; damit waren die Würfel gefallen.
Milingo, Emmanuel (95): ein bunter Hund der Kirchengeschichte. Medienaffiner Erzbischof von Lusaka/Sambia, lautstarker Exorzist und Heiler in Rom, heiratete der 1930 Geborene 2001 in einer Zeremonie der "Moon-Sekte" eine junge Koreanerin. Papst Johannes Paul II. befahl ihm die Trennung - worauf Milingos Ehefrau auf dem Petersplatz in den Hungerstreik trat und schließlich abreiste. Nach weiteren Jahren als "Heiler von Besessenen" kehrte Milingo zu seiner Frau zurück, weihte unerlaubt Bischöfe: das Aus für ihn - wenn auch nur in der katholischen Kirche.
Morgenländisches Schisma (1054): Zu den folgenreichsten Exkommunikationen der Geschichte gehört sicher der gegenseitige Bannfluch einer päpstlichen (lateinischen) Gesandtschaft nach Konstantinopel und der Führung der griechischen Ostkirche. Dieser nach Jahrhunderten der Entfremdung eskalierte Streit von 1054 führte zur dauerhaften Trennung in römisch-katholische und orthodoxe Kirche. Immerhin: Papst und Patriarch hoben 1965 die gegenseitigen Exkommunikationen auf.
Napoléon Bonaparte (1769-1821): Nachdem der "Kaiser der Franzosen" 1807 den Kirchenstaat besetzt und 1809 annektiert hatte, belegte ihn Pius VII. mit dem Kirchenbann. Napoléon ließ den Papst daraufhin kurzerhand verhaften und hielt ihn über Jahre gefangen, zunächst in Savona nahe Genua, später in Fontainebleau bei Paris. Am Ende starb Napoléon mit 51 Jahren, verbannt auf einer Vulkaninsel 2.000 Kilometer vor Angola, und der Papst mit 81 in Rom.
Viganò, Carlo Maria (85): Der frühere Vatikandiplomat aus Italiens Nordwesten steht erst seit 2024 unter dem Kirchenbann. Über die Jahre schaukelte sich Viganòs Konflikt mit Papst Franziskus (2013-2025) hoch. Ende 2023 kündigte er die Gründung eines traditionalistischen Seminars an, wo "gute und heilige Priester" ausgebildet werden sollen, die "nicht der Erpressung ausgesetzt sind, die Irrlehren des Zweiten Vatikanums oder die Abweichungen Bergoglios" zu akzeptieren. Kurz darauf forderte er die Schweizergarde auf, den Papst zu verhaften.
Williamson, Richard (1940-2025): Der traditionalistische Bischof der Piusbruderschaft wurde gleich zweimal exkommuniziert: 1988, da er unerlaubt von Erzbischof Lefebvre (s. dort) zum Bischof geweiht wurde. Benedikt XVI. hob diese Strafe zunächst 2009 auf. Damals wurde bekannt, dass Williamson beständig den Holocaust leugnete, und er wurde aus der Piusbruderschaft ausgeschlossen. Als er dann 2015 noch einmal selbst eine Bischofsweihe vornahm, zog das die erneute Tatstrafe der Exkommunikation nach sich.
