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Pfarrer aus Chicago fordert mutigere Gemeinden in Europa

Köln/Chicago (KNA) – Nach Ansicht des Chicagoer Pfarrers Peter Wojcik ist der Rückgang von Kirchenmitgliedern kein demografisches, sondern ein missionarisches Problem. Im Vorfeld des Kölner Glaubensfestivals "kommt&seht" betonte er am Mittwoch im domradio.de-Interview, Pfarreien bräuchten eine klare Vision, um eine Kultur von Einheit und Wachstum aufzubauen. Eine solche Vision sei kein strategischer Plan auf dem Papier, sondern die "Überzeugung, wer wir sind und für wen wir da sein wollen".

 

Wojcik soll bei dem an Fronleichnam beginnenden viertägigen Festival einen Vortrag halten. Der Pfarrer sagte im Vorfeld, in seiner Gemeinde in Chicago werde das Ziel verfolgt, Suchenden zu helfen, "Erbauer zu werden", und Menschen zu einer "echten Begegnung mit Jesus Christus" zu führen. Er riet dazu, die Gemeindearbeit nicht nur um die bereits Anwesenden zu organisieren, sondern sich stattdessen nach denen zu richten, die man erreichen möchte.

 

Drei Faktoren für Gemeindewachstum

 

Für eine wachsende Pfarrei sieht Wojcik drei Faktoren als entscheidend: Präsenz in der Nachbarschaft, Ermöglichung von Zugehörigkeit und Bereitschaft zum Experimentieren. Eine Gemeinde müsse dorthin gehen, "wo die Menschen leben, essen und zusammenkommen". Zudem müssten Menschen echte Gemeinschaft erfahren, bevor sie das Evangelium annehmen könnten.

 

Besonders hob der Geistliche eine Offenheit für Fehler hervor: "Wachsende Pfarreien haben gelernt, gescheiterte Experimente als Lernmaterial zu betrachten und nicht als Katastrophen." Pfarreien, die schrumpfen, hätten hingegen oft Angst vor dem Scheitern.

 

Einheit als Zeugnis

 

Wojcik betonte, dass Einheit und Wachstum untrennbar seien, da eine Gemeinde ohne Wachstum zu einem geschlossenen, in sich selbst verlorenen Kreis werde. Echte Einheit über kulturelle und sozioökonomische Unterschiede hinweg wirke an sich schon "evangelisierend". Wenn neue Menschen hinzukommen, fordere dies die Gemeinschaft heraus, ihren Glauben neu zu formulieren, was den Mitgliedern helfe, sich selbst besser zu verwirklichen.

 

Engagierten Katholiken in Europa sagte Wojcik, die Menschen seien "nicht verschwunden, sondern nur woanders hingegangen". Die Sehnsucht nach Transzendenz bestehe weiter, werde aber oft nicht mehr in der Kirche gestillt. Er forderte die Gemeinden auf, Räume für echte Fragen zu schaffen und den Mut zu haben, das zu wagen, was sie noch nicht sehen.

 

Kirche als "bewegliche Gemeinschaft"

 

Wojciks zentraler Appell lautet: "Geht nach draußen!" Das meine er durchaus wörtlich: "Stellt einen Tisch auf dem Marktplatz auf oder schließt euch mit einem Café zusammen. Organisiert Gespräche im öffentlichen Raum", so Wojcik. Kirche dürfe keine Festung sein, sondern müsse als "bewegliche Gemeinschaft" im öffentlichen Raum präsent sein.

Das Glaubensfest "kommt & seht" vom 4. bis 7. Juni bietet in Köln Workshops, Denkanstöße, Gebetszeiten, Stille und rheinische Lebensfreude. Erstmals fand es 2025 statt.