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Zwischen Bibel, Musik und Zirkuszelt

„Jetzt ist wieder Jesuszeit“: Mitmachkonzert für kleine und große Leute mit der Nürnberger Band Kreuz & mehr in der Don-Bosco-Kirche. Foto: Bernd Buchner
„Jetzt ist wieder Jesuszeit“: Mitmachkonzert für kleine und große Leute mit der Nürnberger Band Kreuz & mehr in der Don-Bosco-Kirche. Foto: Bernd Buchner

Würzburg (buc) – Würzburg und Bamberg sind gute Nachbarn und sich nah, schließlich fängt die unterfränkische Diözese gleich hinter der Bischofsstadt an der Regnitz an. So lag es nahe, dass sich viele Gläubige aus dem Erzbistum Bamberg aufmachten, um beim 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg dabei zu sein. Zahlreiche Gruppen ließen sich die Möglichkeit nicht entgehen, bei dem bunt-fröhlichen Christentreffen mit mehr als 30 000 Dauerteilnehmern dabei zu sein, Veranstaltungen, Workshops und Gottesdienste zu besuchen, die Stimmung vor Ort aufzusaugen.

 

Zentrale Anlaufstelle für die Bamberger war der Bistumsstand auf der Kirchenmeile, bei dem auch Erzbischof Herwig Gössl öfter vorbeischaute (siehe Seite 3). Mit einer Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener aus Herzogenaurach genoss der Erlanger Dekan Michael Pflaum die Atmosphäre in Würzburg, ein knappes Dutzend Forchheimer Messdiener, die mit Diakon Christoph Gahlau an den Untermain gekommen waren, durften sogar bei einem Pontifikalamt mit dem örtlichen Weihbischof Paul Reder im Kiliansdom ministrieren – morgens um 7.30 Uhr. Frühes Aufstehen war angesagt.

 

Der Katholikentag stand unter dem Leitwort „Hab Mut, steh auf!“ Das Zitat stammt aus der neutestamentlichen Erzählung vom blinden Bettler Bartimäus (Markus 10,46-52), der sich zunächst nicht traut, auf Jesus zuzugehen, um Heilung zu bitten. „Das können wir auch: Mut haben und aufstehen“, war ein Kinder-Mitmachkonzert der Band Kreuz & mehr aus der Nürnberger Pfarrei St. Michael-St. Ulrich betitelt. In der Würzburger Don-Bosco-Kirche am Schottenanger sorgten die Musizierenden unter Leitung von Diakon Martin Wolters für großartige, ausgelassene Stimmung. „Jetzt ist wieder Jesuszeit“, hieß es da, „Bärenstark“ war ein anderer Song betitelt, „Von allen Seiten umgibst du mich“ ein weiterer.

 

Die Bamberger Zirkus-Giovanni-Stiftung war auf der Kirchenmeile am Mainufer mit ihrem großen Zirkuszelt vertreten, das ein attraktives Programm für Jung und Alt bot. So konnten sich die Kinder mit Zirkustricks und Akrobatik ausprobieren, und unter dem Motto „Humor heißt, Zirkus stärkt“ wurde eine Werkstatt zur Kreativitätspädagogik angeboten. Im Zelt war zudem der Film „Tuka tae!“ über den aus Döringstadt bei Ebensfeld stammenden Don-Bosco-Priester Rudolf Lunkenbein zu sehen, der vor 50 Jahren in Brasilien ermordet wurde (eigener Bericht folgt).

 

Wer auf der Kirchenmeile schlenderte, wie es Erzbischof Gössl öfter tat, konnte eine ganze Reihe vertrauter Gesichter aus dem Erzbistum finden – so etwa Monika Tremel von der „Offenen Tür“ in Erlangen, die am Stand der Telefonseelsorge direkt unter der Mainbrücke präsent war, oder den ehemaligen Leiter der Bamberger Betriebsseelsorge, Manfred Böhm, der am Stand der religiösen Sozialistinnen und Sozialisten sein Buch „Nur in Zelten wohnt Gott“ mit Texten des reformierten Theologen Leonhard Ragaz (1868-1945) vorstellte.

 

Preis für Trauerseelsorge

 

Eine besondere Auszeichnung erhielt im Rahmen einer Katholikentagsveranstaltung die Trauerseelsorge der Citykirche St. Klara in Nürnberg: Die Bergmoser + Höller Stiftung zeichnete die Initiative mit ihrem 1. Preis für innovative christliche Projekte aus. Pastoralreferent Jürgen Kaufmann und sein Team nahmen die Auszeichnung im Würzburger Burkardushaus entgegen. Ein Film von Stefan Hoffmann von der TV-Arbeit des Erzbistums veranschaulichte den Gästen die Bedeutung der Angebote für trauernde Menschen.

 

In seiner Laudatio sagte Jürgen Maubach von der Stiftung, den Kuratoren habe besonders gesfallen, „wie hier von Kirche ein gesellschaftlich vernachlässigtes Feld aufgegriffen wird, kreativ neue Räume und Rituale entstehen, in denen sich Menschen in ihrer Situation angenommen und gut begleitet fühlen“. Die weiteren Preise gingen an das evangelische Verkündigungs- und Eventformat „Secret Places“ in Kirchheim unter Teck sowie an die Initiative „Feel the Spirit“ der evangelischen Kirche in Jülich.

 

Auch das Nürnberger Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH) war in Würzburg vielfach vertreten. Martin Stammler vom Kompetenzzentrum Demokratie und Menschenwürde wirkte unter Leitung des bekannten Hochschulpfarrers Burkhard Hose an der sogenannten Demokratiekirche in der Marienkapelle mit und verantwortete bei einem Podium im Congresszentrum mit Kardinal Reinhard Marx die Publikumsfragen. CPH-Akademiechef Siegfried Grillmeyer gestaltete gemeinsam mit der Mönchengladbacher Ordensschwester Maria Müller SSpS die Werkstatt „Steh auf... damit Hass und Hetze nicht gewinnen“.

 

Im Zentrum Bibel und Spiritualität in der St. Ursulaschule, wo die Veranstaltungen wegen des großen Zuspruchs fast permanent ausgebucht waren, gestalteten Claudio Ettl und Barbara Reiser vom CPH mit weiteren Verantwortlichen des Projekts „Bibel in Leichter Sprache“ ein Werktstattgespräch. Unter dem Titel „Empowerment – ganz leicht“ konnten die Teilnehmenden einen Text aus dem Buch Tobit in Leichte Sprache übertragen. Diese soll Menschen helfen, die Handycaps beim Lesen haben, Texte besser zu verstehen und sich damit besser am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen.

 

A propos Handycaps: Bei einer Reihe von Gottesdiensten und weiteren Veranstaltungen war der Bamberger Pastoralreferent Albin Zeck, Diözesanbeauftragter für die Behindertenseelsorge, in der Gruppe der Hörgeschädigten zu sehen. Sie freuten sich besonders, als unmittelbar nach der Eröffnungsfeier Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender zu ihnen kamen, um sie zu begrüßen.

 

„Stimme des Anfangs hören“

 

Just am Ort der Eröffnungsfeier kam es zwei Tage darauf zu einer besonderen Aufführung: Zahlreiche Besucher erlebten das Musical „Die Stimme des Anfangs hören“ über Maria Magdalena sowie die Ordensgründerin Maria Ward. Aufgeführt wurde es vom Chor „Inspiration“ und dem Ensemble um Gemeindereferentin Gabriele Netal-Backöfer aus Neunkirchen am Sand (Seelsorgebereich Pegnitztal). Sie ist zugleich Autorin des Musicals, das unter anderem vor einigen Jahren beim Bamberger Heinrichsfest zu sehen war.

 

Für den stimmungsvollen Abschluss des Katholikentags aus Bamberger Sicht zeichnete die Bistumsband „Sinnergie“ unter musikalischer Leitung von Tobias Lübbers, der selbst Posaune spielte, verantwortlich. In der Posthalle neben dem Hauptbahnhof, wo Stunden zuvor noch Würzburgs Bischof Franz Jung und Ex-Grünen-Chefin Ricarda Lang über den Bartimäustext gesprochen hatten, heizten die Musiker um Sängerin Beate Stadtländer und Sänger Julian Ballhausen den Besuchern richtig ein und sorgten für stehenden Applaus.