
Würzburg (buc) – Das Lob kommt aus berufenem Munde. „Unser Stand ist natürlich der schönste“, sagt Erzbischof Herwig Gössl im Gespräch mit dem Heinrichsblatt und lächelt dabei über das ganze Gesicht. Der Stand sei einladend, lebendig und gut gestaltet. Auf der Kirchenmeile des Würzburger Katholikentags, auf der sich unzählige Organisationen, Verbände und Initiativen präsentieren und um Aufmerksamkeit für sich werben, hat die Erzdiözese Bamberg drei Tage lang einen kreativen, vielfältigen und enorm beachteten Auftritt hingelegt.
Inhaltlicher Schwerpunkt des Bistumsstands war das Engagement von Ehrenamtlichen und Freiwilligen. Das Engagement von Ehrenamtlichen wird in Zeiten, in denen kirchliche Finanzen und Personalressourcen sinken, immer wichtiger – Zeit auch für eine neue Kultur der Wertschätzung für den unentgeltlichen Dienst von Laien. Und das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), der Bundesfreiwilligendienst (BFD), bei dem es keine Altersbeschränkung gibt, oder das „weltwärts“-Programm, das junge Leute in den Auslandseinsatz begleitet, bieten vielfältige Möglichkeiten.
Verständlich sei die „Angst vor der neuen Situation“, sagt Gössl mit Blick auf die „weltwärts“-Freiwilligen bei einem Talk am Bistumsstand mit Christian Ganser, Volontär in der Pressestelle der Erzdiözese. Doch sie hätten die Kraft, etwas Außergewöhnliches zu erleben und den Willen, helfen zu können. „Die jungen Leute kommen mit der Erfahrung zurück, selbstwirksam zu sein“, so der Erzbischof. Es sei gut, sich woanders umzuschauen – auch mit Blick auf die Veränderungsprozesse hierzulande.
Das Gespräch mit Herwig Gössl war nicht das einzige am Bistumsstand. Es gab mehrere Talkrunden, so etwa mit Diözesanjugendpfarrer Gerd Richard Neumeier sowie einem Freiwilligen, die von Bildungsreferentin Sandra Schmittlutz befragt wurden. Für jene, die Interesse an den Freiwilligendiensten hatten, standen etwa Yayang Kholifah (22), Klertina Qela (20) und Julia Fehling (19) zum Gespräch bereit. Alle drei absolvieren gegenwärtig ihr FSJ in Einrichtungen des Erzbistums – sei es in der Grundschule, in der Reha oder in anderen sozialen Bereichen.
Was die Leute brauchen
Am Stand gab es auch eine Weltkugel, auf der Interessierte festhalten konnten: Was lässt mein Engagement strahlen? Was brauche ich, um das Ehrenamt auszuüben? Was läuft nicht so gut? „Wir wollen wissen, was die Leute brauchen“, sagt Organisationsleiterin Stefanie Jahrsdörfer, „damit wir an ihrer Realität dran sind“. Am anderen Ende des Stands wartet eine Bingotrommel auf die Besucher: Das Los entscheidet dabei, welcher Freiwilligendienst für wen etwas wäre. Und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt: alkoholfreie Cocktails in gelb (Einsatzfreude), orange (weltbewegend) und dunkelrot (Vielfalt) stehen zur Auswahl.
Stefanie Jahrsdörfer zieht am Ende ein positives Fazit des Bistumsauftritts, der in Kooperation der Projektarbeit der Erzdiözese mit dem Jugendamt sowie „weltwärts“ konzipiert und durch den Diözesanrat unterstützt wurde. Es gab viele Passanten und Besucher, die sich über Gespräche und Informationen freuten. Selbst die Wetterkapriolen wurden gut bewältigt, „mit guter Laune und mit Lachen“, so Jahrsdörfer. Am Stand waren acht Personen als fester Grundstamm tätig, hinzu kam im Wechsel eine Reihe von Freiwilligen, die den Interessierten aus ihren verschiedenen Diensten berichteten.
Erzbischof Gössl erlebte fast den gesamten Katholikentag mit, nahm unter anderem an einer Podiumsdiskussion zum Synodalen Weg mit Kurienkardinal Mario Grech und auch an der Schlussmesse teil. „Es ist viel los“, sagt er schon am Freitag dem Heinrichsblatt. „Es ist eine gute Stimmung, wie ich es gewohnt bin und gernhabe.“ Tags darauf berichtet er, er sei fast ausschließlich auf der Kirchenmeile unterwegs gewesen „und immer noch nicht bis zum Ende gekommen“. Es sei eine wunderbare Gelegenheit, Menschen zu treffen und ins Gespräch zu kommen. „Mir selber tut es auch gut“, fügt Gössl hinzu.
